Reformanstoß aus Cluny
Das Ideal der frühen Mönche (besonders in Italien) schwankte zwischen Eremitenleben und Zenobitentum. Man verschrieb sich der Armut und Askese und lebte von der Hände Arbeit. Die Mönche begannen sich aus der Welt zurückzuziehen und streng nach der Regel des hl. Benedikt von Nursia (*480; †547) zu leben.
Mit der Gründung des burgundischen Klosters in Cluny 910 wurde im 10. Jh. auch nördlich der Alpen eine Reformbewegung angestoßen, die ihren Höhepunkt erst in der zweiten Hälfte des 11. Jh.s erreichen sollte. Die cluniazensische Reform beeinflusste das klösterliche Leben in weiten Gebieten Europas. Ziele der Reform waren die strenge Beachtung der Benediktinerregel, eine große Gewissenhaftigkeit bei der Liturgie, die kontemplative Vertiefung der Frömmigkeit der Mönche, die manuelle Verrichtung anfallender Arbeit, ein einfaches Leben in Armut. Der Reformeifer ging jedoch noch darüber hinaus und forderte Armut und Moral vom gesamten Klerus und der ganzen Kirche ein. Die Klöster sollten aus dem Herrschaftsanspruch der Bischöfe herausgelöst (Exemtion) und direkt dem Papst unterstellt werden. Auch die Befreiung aus weltlicher Abhängigkeit sowie die Erneuerung und Verchristlichung von Staat und Gesellschaft gehörten zu den erklärten Zielen die man verfolgte.
Die Entwicklung der Reform wurde von einer Reihe von Kritikern angegriffen, weil sie von der monastischen Armut abwich. Cluny war inzwischen reich, mächtig und zu prächtig geworden. Mehr und mehr war Cluny von seinen ursprünglichen Zielsetzungen abgekommen und durch die engen Beziehungen und Verflechtungen zum Adel und zu den Herrscherhäusern glich sich Cluny den dort üblichen Verhältnissen und praktizierten Gepflogenheiten immer mehr an.
Die Kritik wurde lauter und aus dieser Kritik heraus entstanden Abspaltungen. Gemeinschaften entstanden, deren Konvente sich wieder an den asketischen Traditionen der Gründerväter der Spätantike und des frühen Mittelalters orientierten wollten. Letztlich waren das Leben der Apostel und die Urkirche die Vorbilder schlechthin. Einzelne versuchten ihre Reformideen als Wanderprediger zu verbreiten und warben, z. T. mit großem Erfolg, um Anhänger. Es entstanden neue Klöster, Abteien und Priorate. Dabei war die Armutsidee eine der wichtigsten Antriebskräfte. Nicht nur der einzelne Mönch sollte arm leben, auch für die klösterliche Gemeinschaft wurde jeglicher Besitz abgelehnt. Diese Motive führten im 10. Und 11. Jh. nicht nur zu neuen Reform-Kongregationen innerhalb der bestehenden Orden, sondern es entstanden auch neue Orden wie im Kloster Citeaux.
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