Krisen im Spätmittelalter
Seit der Mitte des 13. Jh. breitete sich der Zisterzienserorden langsamer aus. Zwischen Citeaux und seinen Primärabteien hatte sich eine Rivalität entwickelt und der Papst Clemens IV. musste schlichtend eingreifen. Eine von ihm 1267 veranlasste Untersuchung zeigte, dass Citeaux hoch verschuldet war. Für Kreuzzüge und Kriege waren Steuern zu entrichten. Der Staat richtete hohe Forderungen an den Orden. Dazu kamen Konflikte des Papsttums mit den weltlichen Mächten und die Orden kamen unter Druck. Der Herzog von Burgund, Robert II. zwang Citeaux unter seine Herrschaft. König Eduard I. von England untersagte Zahlungen der englischen Zisterzienserklöster an Citeaux. Als sich Abt Johann III. von Citeaux 1303 dem König Philipp IV. von Frankreich gegenüber weigerte mit den Ständen auf dem nächsten Konzil sich gegen den Papst zu stellen, wurde er gefangengesetzt und sein Kloster samt Grangien vom königlichen Heer verwüstet und ausgeplündert.
Die Klöster im übrigen Europa entwickelten sich unterschiedlich. Neuzugänge an Mönchen und Konversen gingen zurück. Die Spannungen zwischen England und Frankreich belasteten die internationalen wirtschaftlichen Aktivitäten des Ordens erheblich. Der Ausbruch des Hundertjährigen Krieges (1339-1453) brachte viel Unheil, Bürgerkriege, Plünderungen und Verwüstungen. Pestepidemien brachten zudem große Verluste und viele starben. Es gab Missernten und Hungersnöte. Es bilden sich Kongregationen nach benediktinischem Vorbild, die zentrale Verwaltung wurde schwieriger. Die Klosterzucht verfiel teilweise. Papst Benedikt XII., selbst Zisterzienser, hatte 1335 eine Reform eingeleitet, die die spätmittelalterliche Entwicklung der Kirche im allgemeinen und des Zisterzienserordens im besonderen begleiten sollte. Die alten Ideale des Ordens sollten wieder zum Durchbruch kommen. 1378 brach das Abendländische Schisma aus und die Lage der Zisterzienser wurde nicht einfacher. Für den Orden wurde das sich in West- und Südeuropa ausbreitende Kommendenwesen von besonderer Bedeutung und führte zu Verfallserscheinungen der monastischen Disziplin.
Durch das Konzil von Pisa 1409 wurde die Einheit im Orden wiederhergestellt. Das Abendländische Schisma konnte erst auf dem Konzil von Konstanz 1414-18 beendet werden. Auf Veranlassung König Karl VIII. fand 1493 in Tours eine Synode statt, die über die monastischen Reformen in Frankreich beriet. 1494 konnten von Abt Johann X. die »Articuli Parisiensis«, das Memorandum war in Paris seit 1484 vorbereitet worden, vorgelegt werden, die die Reformvorstellungen von König, Papst und Ordensleitung auf einen Nenner brachten. Das Generalkapitel hat das sechzehn Punkte umfassende Programm 1502 bestätigt.
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