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Wilhelm II. ((Hessen))

Artikel #10700, »Wilhelm II. ((Hessen))«, geschrieben von: A Bickel (Red.) (100 %)

Wilhelm II. von Hessen (* 29. April 1469; † 11. Juli 1509), von 1493 an Landgraf der Teilherrschaft Hessen-Kassel (Niederhessen), seit 1500 Landgraf von Hessen. Er war Sohn und Nachfolger des Landgrafen Ludwigs des Freimütigen.

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Wilhelm II. (zur Unterscheidung von seinem gleichnamigen älteren Bruder auch »der Mittlere« genannt) war eigentl. für den geistl. Stand vorgesehen, da das sowieso schon geteilte Fürstentum Hessen eine nochmalige Teilung nicht gut vertragen hätte. Seine Mutter Mechthild von Württemberg ließ ihn daher bei ihrem Bruder (Eberhard »im Bart«) erziehen. Doch das Interesse des jungen Mannes galt mehr ritterlicher Betätigung; davon ließ er sich auch durch seinen als Erzbischof von Köln sehr angesehenen und erfolgreichen Onkel Hermann nicht abbringen. Seiner Hartnäckigkeit verdankte er, dass er von 1485 an – neben seinem älteren Bruder – Mitregent einer Teilherrschaft in Niederhessen werden konnte. Seine Neigung zur Ritterschaft sagte dem Thronfolger Maximilian von Habsburg wohl zu; die beiden wurden gute Freunde. So war Wilhelm bei Wahl und Krönung Maximilians zum Deutschen König (Feb. 1486) anwesend. Als dieser im Frühjahr 1488 von seinen unzufriedenen Untertanen in Brügge gefangengesetzt worden war, nahm Wilhelm an dem Zug zur Befreiung des Königs teil; auch den Kriegszug Maximilians nach Ungarn 1490 unterstützte er, kehrte jedoch bald in die Heimat zurück. Als sein Bruder Wilhelm I. im folgenden Jahr eine Pilgerreise nach Jerusalem antrat, übernahm er die Verwaltung von ganz Niederhessen. Dessen Besitz fiel ihm dann zu, als der Bruder 1493 auf Grund einer Geisteskrankheit die Regierung niederlegte und sich zurückzog. In der Folge gelang es ihm gemeinsam mit seinem Vetter Wilhelm III. (»dem Jüngeren«), der über Hessen-Marburg regierte und von seiner Mutter die Grafschaft Katzenelnbogen geerbt hatte, dem Kaiser diese Grafschaft als ein Gesamtlehen des Hauses Hessen anzutragen (und nicht nur Oberhessens); damit sicherten die Beiden für den Fall eines kinderlosen Ablebens Wilhelms III. (das dann auch eintrat) der Familie die reiche Erbschaft (1495).

Doch währte die Zusammenarbeit mit dem Vetter nicht sehr lange: die Haltung Wilhelms II. in Reichsangelegenheiten und seine Expansionspolitik ließen Wilhelm III. mit Braunschweig und Kurpfalz ein Kriegsbündnis schließen. Der Streit wurde durch den gemeinsamen Onkel Hermann von Köln zunächst eingedämmt; ganz beendet wurde er jedoch durch den plötzl. Tod des Jüngeren im Feb. 1500. Da dieser kinderlos geblieben war, vereinte Wilhelm II. nunmehr wieder (wie sein Vorfahr Otto I.) die gesamte Landgrafschaft Hessen in einer Hand und wurde zu einem der mächtigsten Reichsfürsten. Doch löste der Anfall Oberhessens langwierige Rechtsstreitigkeiten mit den Grafen von Nassau um die ehemalige Grafschaft Katzenelnbogen aus; letztlich verblieb diese bei Hessen. Nicht beigelegt werden konnten die Auseinandersetzungen mit Kurpfalz; Kurfürst Philipp von der Pfalz behandelte den Hessen als einen Rangniederen und war zu Konzessionen hinsichtlich pfälzischer Lehen der Grafschaft Katzenelnbogen nicht zu bewegen. Als 1504 der Landshuter Erbfolgekrieg ausbrach, beauftragte König Maximilian den Landgrafen, die Reichsacht an der Kurpfalz zu vollstrecken; dessen Truppen zogen brandschatzend durch die Pfalz ohne nennenswerte Erfolge zu erzielen. Als Mitte 1505 der Krieg durch einen Schiedsspruch des Königs endete und die Pfalz zerschlagen wurde, erhielt die Landgrafschaft Hessen Zuwachs im Süden (u. a. Umstadt m. Otzberg, Homburg v.d. Höhe). Nach dem Vorbild seines ehemaligen Mentors Eberhard von Württemberg nahm Wilhelm II. Reformen im Inneren seiner Herrschaft in Angriff: Sicherung der Landstraßen, Errichtung des hess. Hofgerichts mit hauptamtl. Richtern, Ausarbeitung eines hess. Landrechtes und Abstellen der bekannten Übelstände in den Klöstern. Doch bereits 1504 erkrankte er – wie schon sein älterer Bruder – an einer venerischen Krankheit und übergab zwei Jahre später wegen zunehmender geist. Zerrüttung die Regierungsgeschäfte an einen Regentschaftsrat bzw. seine Gattin Anna. Drei Jahre später erlag er seinem Leiden, sechs Jahre vor seinem Bruder, der noch in Spangenberg dahindämmerte.

Nachdem 1500 seine erste Gattin Jolanthe, Schwester des Herzogs René von Lothringen, nach dreijähriger Ehe im Kindbett verstorben war, heiratete Wilhelm II. bereits nach wenigen Monaten Anna von Mecklenburg-Schwerin. Diese gebar ihm 1502 die Tochter Elisabeth und 1504 den Thronfolger Philipp, der als »der Großmütige« bekannt werden sollte.

 

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