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Wikiweise und Wikipedia

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Wikiweise ist ein neuer Start, eine freie Enzyklopädie im Internet zu etablieren. Weil das Internet die einmalige Chance ist, weltweit Wissen zu verbreiten und das eben kostenlos. Und im Fall von Wikiweise fachlich fundiert, denn die Autoren, die hier aufgrund der Bedingung der Offenbarung ihrer Identität ihren wahren Namen preisgeben, stehen für das was sie schreiben.

Der Gegenentwurf, der vier Jahre länger am Start ist und im besonderen dadurch gewonnen hat, dass auch anonyme Schreiber jederzeit willkommen sind, ist die Wikipedia. Sie darf sich dadurch, dass jedwede(r) auch anonym schreiben darf, durch die massenhafte Beisteuerung von Inhalten als heutzutage quantitativ erfolgreichstes Projekt in dieser Richtung bezeichnen.

Viele der Teilnehmer bei Wikiweise sind ehemalige Wikipedianer, die den Wikipedia-Erfolg teilweise mitbegründet haben, sich aber schließlich enttäuscht abwendeten, nachdem sie erkennen mussten, dass das Zusammenwirken einer überwiegend anonymen Masse zwar viel Text, aber kein zuverlässiges Wissen produziert.

Warum also ein neues Projekt?

"Und weißt du, Kyrios Niketas, wenn du etwas erzählst, was du dir ausgedacht hast, und die anderen sagen in einem fort: Genau so ist es!, dann glaubst du's am Ende selber".
Umberto Eco, Baudolino

Ein Problem der Wikipedia: Ihr Erfolg

Das Problem der Wikipedia ist, so paradox das klingen mag, ihr Erfolg. Wikipedia wird in den Medien über den "grünen Klee" gelobt, und dieser Hype verstellt den Konsumenten der Inhalte, aber auch manchem Autor dort den Blick auf die enormen Probleme, die das Projekt hat:

So wird insbesondere Fachwissen von Teilnehmern nicht anerkannt, ja vielfach gar gering geschätzt, als "elitär" und "undemokratisch" abgetan. Die ursprüngliche Idee der Wikipedia, nämlich:

"Jeder weiß etwas und kann dazu beitragen, dass qualitativ gutes Wissen zusammengetragen wird"

hat sich vielfach verschoben zu einem:

"Ich glaube was zu wissen, weil ich es im Fernsehen gesehen habe / irgendwo aufgeschnappt habe / es eh schon immer besser wusste / meine Botschaft dort unterbringen will. Und das kommt jetzt notfalls mit Gewalt in den Wikipedia-Artikel hinein".

Ein Grund, warum sich viele anfänglich begeisterte Fachleute von Wikipedia abgewendet haben.

Ins Bild passt, dass die Wikipedia jedem gestattet, auch anonym mitzuwirken. Wobei man sich von dem Gedanken freimachen muss, dass ein Benutzer, der „angemeldet“ unterwegs ist, damit aus seiner Anonymität herausgetreten ist. Auch Pseudonyme können Anonymität begründen und sogar manifestieren, weil ein "Nick" (Spitzname) anderen das Gefühl gibt, mit jemanden zusammenzuarbeiten bzw. zu kommunizieren, den man kennt – aber: Man kennt ihn meist doch nicht. So kann also jeder lustig drauf losschreiben, ob mit, mit wenig oder gar keiner Ahnung. Oder mit einer Bestimmung, je nachdem, welche Ziele er / sie verfolgt.

Daraus resultiert schließlich, dass die Inhalte der Wikipedia in manchen Fällen schlicht falsch, in vielen zumindest unzuverlässig und in einigen (vornehmlich gesellschaftspolitischen) Artikeln verfänglich tendenziös sind. Teils beruht das darauf, weil die Artikel einfach "zusammengegoogelt" werden, teils aus Nachlässigkeit oder Inkompetenz, teils, weil irgendwelche Spaßvögel unbemerkt Aussagen untergebracht haben, die nicht zutreffen. Und geradezu verheerend wirken die Fälle, in denen sich unter dem angeblichen "neutralen Standpunkt" einige Geister ansammeln, die ihren point of view, nämlich ihre "Botschaft" durchdrücken wollen -- und es tun.

Der "Boulevard"-Trend der Wikipedia

Der Erfolg der Wikipedia hat einmal damit zu tun, dass sie sich aktuell gibt und damit jede Tagesnotiz - aber dadurch auch jeden Vogelschiss - erst einmal als Eintrag akzeptiert (der als "Vogelschiss" bezeichnete Beitrag wird dann im Verlauf meist doch noch auf ein Minimum zusammengeschietet, dass es nicht ganz so auffällt, indessen, die Tendenz, Triviales aufzubauschen und Wichtiges an den Rand zu drängen, ist unübersehbar). Das hat unterschiedliche Ursachen:

Manchmal setzen Autoren den Schwerpunkt falsch.
Öfter ist zu einem Thema alles wesentliche schon gesagt worden. ... Hier kann eigentlich nur noch alles Unwesentliche reingestopft werden, und das wird prompt reingestopft.
Zu der falschen Schwerpunktsetzung gehört auch, dass die Erwähnung von vermeintlich skandalösen Vorfällen besonders reizvoll ist - auch wenn ein Leser den sog. "Skandal" im Einzelfall gar nicht als Skandal werten würde. Man hat was zu "berichten" - und wenn diese irrelevanten Erweiterungen nicht von irgendwelchen Helferleins eliminiert wird, setzt es sich ab wie Kaffeesatz. Und zwar dauerhaft.

Es zeigt sich durchgängig, dass Wikipedia bei einigen Personenartikeln mit beharrlichem Fokussieren auf Nebenschauplätze die Betroffenen ungeachtet der Irrelevanz des eigentlichen Vorgangs ohne Not beschädigt. Einige amüsante Beispiele zu diesem BUNTE-Enzyklopädismus der Wikipedia finden sich unter Teilnehmer:Nocturne/Seitenblick.

Löschen von Artikelabsätzen ist übrigens grundsätzlich verpönt und wird schnell als Vandalismus gesehen. Man kann also zu den bestehenden Inhalten nur noch hinzuschreiben – die Artikel werden dadurch nicht besser. Nur länger. Und verlieren sich eben allzuoft im Nebensächlichen.

Was für eine Wiki"Pädia"

Man muss man sich gewahr werden, dass es eine Reihe von Autoren gibt, die interessengeleitet ganz bestimmte Inhalte unterbringen wollen in dem Wissen, dass Wikipedia im Ranking der Internet-Suchmaschinen ganz oben steht. Unter dem Deckmantel des angeblich "neutralen Standpunkts" werden persönliche oder gruppenspezifische Überzeugungen untergebracht, was nicht immer von anderen bemerkt wird. Und wenn es auffällt, wird von Seiten der interessengeleiteten Autoren so lange eine heftige Diskussion angezettelt, bis oftmals diejenigen entnervt aufgeben, die sich um eine fachgerechte Darstellung bemühen wollten. In der Wikipedia gewinnen schon lange nicht mehr die mit den besten Fachargumenten, sondern die mit dem längsten Atem.

Ein Umstand, der überdies eine magnetische Anziehungskraft auf Personen ausübt, die keine enzyklopädischen Inhalte beitragen, aber um so aufdringlichere Störenfriede sind. Und die mit Akribie "Sockenpuppen" (engl.: sockpuppet = Handpuppe) generieren. Bei Wikipedia sind etliche Mitarbeiter zugange, die unter verschiedenen Pseudonymen wie im Kasperltheater ihre Handfiguren über den Rand grinsen und diese argumentieren lassen, obgleich ein und dieselbe Person dahintersteckt. Viele darunter, um bloß zu diskutieren, etliche aber auch, um fragwürdige Inhalte in Artikeln mit der Masse ihrer eigenen "Sockenpuppen" durchzudrücken.

Die Zweifel an der Qualität von Wikipedia-Artikeln sind also begründet und wachsen.

Da aber die Welt den Wikipedia-Machern ständig erzählt, dass die Wikipedia genau das ist, worauf sie gewartet hat, da etliche Schüler bedenkenlos aus der Wikipedia abschreiben und manche Lehrer es ihnen bedenkenlos durchgehen lassen, da sogar manche Presseorgane mal eben ganz schnell abkupfern, was Wikpedia entäußert, ohne Nachprüfung, ob das überhaupt richtig ist, gerät das Wissen im Internet dank der Wikipedia in vielen Teilen zur Abwärtsspirale:

Wikipedia schreibt - google erfasst, andere schreiben ab - google erfasst, andere Seiten spiegeln Wikipedia - google erfasst auch diese - die Tagespresse schreibt der Einfachheit halber mal eben was aus der Wikipedia ab - google entgeht das nicht - etc. pp. - eine Endlosschleife im Strudel generiert sich daraus.

Sobald Wikipedia fehlerhafte Inhalte kolportiert, manifestiert es sich in der virtuellen Welt des Internets, wird aufgesaugt von wem auch immer - und das kriegt man dann trotz guten Willens fast nicht mehr korrigiert.

Ein nettes Beispiel in diesem Zusammenhang (es ist nicht das erste und es wird nicht das letzte sein) ist das Abitur der Eva Herman. Deren Lebenslauf mit dem Rausschmiss aus einer Talkshow im Fernsehen für die Presse plötzlich akut wurde. Nachrichtenmagazine bedienten sich mal schnell und ohne Nachprüfung aus der Wikipedia. Und als dann später jemand auf der Diskussionsseite des Wikipedia-Artikels "Eva Herman" irritiert nachfragte, wieso der Dame denn ein Abitur nachgesagt werde, wurde der Frager zunächst lächelnd abgebügelt mit einem "steht doch in jeder Zeitung". Bis - wegen des Hinweises - jemand anders irgendwann feststellte, dass diese Meldung gar nicht stimmt, die Presse hatte halt ihr "Wissen" unbedarft aus der Wikipedia bezogen. Der Fehler, von Wikipedia in Umlauf gebracht, verfing sich dann dank der auf Wikipedia vertrauenden Presse in einem regelrechten Kreisverkehr.

Lapidar wie es ist, dennoch ein Ereignis zum Fürchten, wenn man sich Umberto Ecos oben zitierte Aussage vor Augen führt.

Wikipedia schreibt, andere schreiben ab, am Ende ist es ein Kreisen um Fehler, die von Wikipedia originär gestartet worden sind. Im konkreten Fall der "Eva Herman" wurde bei Wikipedia übrigens ohne großes Aufhebens das "Abitur" zur "Mittleren Reife" zurückgestuft - mit einem Grinsen auf den Lippen, nach dem Motto: Kann ja jedem mal passieren.

Natürlich kann das jedem passieren. Nur bei Wikipedia ist es halt nicht mehr akzeptabel. Weil sie von sich behauptet, die Wissensplattform schlechthin zu sein, ein Nachschlagewerk, ohne das eigentlich gar nichts mehr geht. Sie stellt sich dar als überall überlegen. Als unübertroffen. Und das solange, bis das Gegenteil bewiesen ist.

Fazit ist: Wenn alle glauben, dass die Wikipedia eine Enzyklopädie ist, dann reicht das. Wenn alle glauben, dass in der Wikipedia das Wiki-Prinzip der Kontrolle durch Massenwissen funktioniert, dann reicht das. Dann muss man das nicht nachprüfen. Der Schein ersetzt die Wirklichkeit.

Die Scheinheiligkeit der Wikipedia

Von einem Schein der Wikipedia zu ihrem nächsten. Warum eigentlich, das muss man sich doch ernsthaft fragen, ist die Wikipedia mittlerweile vorrangig zu allen Themen bei den Internetsuchmaschinen präsent. Sie ist erstaunlicherweise Hauptrepräsentant zu allem und jedem Sachverhalt - und das sogar vielfach in Konkurrenz zu originären ! Internetseiten zu bestimmten Themen. Sie ist dominant wie ein feister Sack, bei dem es, um im Bild zu bleiben, wohl derzeit (2008) offenbar keine Ähren gibt, die der Wikipedia mal im Klartext etwas zusäuseln.

Der Grund für die Dominanz der Wikipedia innerhalb des Internets ist einfacher Natur, die aber von Außenstehenden nicht unbedingt durchschaut wird. Das System der allseits gerühmten Online-Enzyklopädie verfolgt nämlich die Politik der sog. "no follow tags" (tag = Abgrenzer/Etikett/Aufkleber). Mit anderen Worten: Wer mit seiner eigenen Internetseite in dieser von Wikipedia/Wikimedia generierten (abgrenzenden/etikettierenden/klebenden) Verklammerung landet, hängt dort wie in einem Spinnwebennetz in der Nische eines unbeachteten Mauerwerks.

Technisch ist das System der "no follow tags" ein vom Wikipedia/Wikimedia-Programm den Internetsuchmaschinen erteilter Befehl, der die automatisch agierenden Suchmaschinen dazu veranlasst, alle bei Wikipedia eingebrachten Weblinks, die nicht mit dem Wikipediasystem zu tun haben, als unnütz zu bewerten.

Diese seitens Wikipedia als "aushäusig" betrachteten links können noch so originär sein, sie können sogar wesentlich wichtiger als Wikipedia sein, aber sie haben gegen diese "no follow tags"-Strategie keine Chance. Die Internetsuchmaschinen, Automaten wie sie sind, werden diese Verlinkungen zu anderen Internetseiten aufgrund des vom Wikipediasystem erteilten Befehls in ihrem "ranking" nicht berücksichtigen.

Umgekehrt indessen tut sich Wikipedia gütlich daran, dass jeder, der auf die Seiten der Wikipedia verlinkt, sofort einen Beitrag für die Wikipedia leistet - nämlich indem diese Wikipedia-Seiten wiederum von den Suchmaschinen erfasst werden. Und Wikipedia erhält dadurch eine weitere Aufwertung.

Das ist der weitere Schein, dem alle aufsitzen. Wikipedia als wichtigste Instanz des Wissens. Nicht erkennend, dass es sich um eine geradezu krakenförmige Internetgeburt handelt, die alles an sich reißt, aber nichts los- oder gar preisgibt, was der eigentlichen Absicht, nämlich der Verbreitung freien Wissens kostenlos für alle noch entspricht.

Was steckt drin in der Wikipedia

Neben den dank Wikipedia/Wikimedia verschleierten Internet-Tricksereien ist das eigentliche Thema fast aus dem Blick geraten. Was steckt drin in der Wikipedia?

Fakt ist: Die Wikipedia ist streng genommen keine Enzyklopädie. Sie ist manchmal gut (anzunehmen im Bereich Naturwissenschaften), in vielen Teilen ist sie aber auch richtig schlecht. In der Gesamtschau ist die Wikipedia eine Sammlung von Texten unterschiedlicher Qualität zu Themen jedweder Art.

Eine Beurteilung des Gesamtkonzepts fällt schwer, eben wegen der unterschiedlichen Qualität zu verschiedenen Themen. Auffallend ist allerdings, dass es wohl doch immer irgendwelche "Interessengeleitete" schaffen, ihre Sprachregelung zu bestimmten Sachverhalten erfolgreich unterzubringen. Ein Beispiel: Die deutschsprachige Wikipedia stemmt sich zwar immer gegen den Ruch, Nazi-Tendenzen zu transportieren, gleichwohl kann man bei den (angeblich unter dem "neutral point of view" gestalteten) detailliert ausgemalten und durch etliche Raster anschaulich gemachten Artikeln zu SS-Organisationen in allen ihren verschiedenen Strängen sowie zu den dort verlinkten Personenenartikeln zu SS-Führungspersonal (müssen wohl nach den Schilderungen in ihrem Herzen alles anständige Kerls gewesen sein) nur staunen.

Diese Fehlsteuerungen der Wikipedia (egal ob Unzuverlässigkeit, Falschmeldung oder tendenziöser Kram) kaschieren die Leute im Hintergrund (vorzugsweise genannt seien diejenigen, die für die deutschsprachige Wikipedia in allen Medien als Sprachrohr auftreten, und das sind die Vorstandsmitglieder aus dem Verein Wikimedia Deutschland) mit Worten wie "Man muss Medienkompetenz haben, um mit Wikipedia umzugehen"; "Wer sich nur auf Wikipedia als einzige Quelle verlässt, ist selbst schuld" oder "Die Wikipedia ist eine neue Form von Enzyklopädie".

Das alles sind nichts anderes als Euphemismen für:

"Die Wikipedia ist keine Enzyklopädie sondern nur eine inkohärente Textesammlung mit teilweise fragwürdigem Hintergrund".

Wikiweise sucht einen anderen Weg

All diesen Missständen will Wikiweise entgegenwirken. Nicht zuletzt die Anmeldung unter Klarnamen gibt den Autoren von Wikiweise ein großes Verantwortungsgefühl für das, was sie an Inhalten einbringen. Sie können sich mit dem, was unsere Werte vorgeben, identifizieren.

Wikiweise will werden, was Wikipedia nie erreichen wird. Wikiweise will eine Enzyklopädie werden. Nicht mehr – aber eben auch nicht weniger.

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