Wiener Klassik, musikalische Epoche ab etwa 1770, die einerseits eine Abkehr von formalen Strukturen der Barockmusik darstellte, andererseits selbst eine neue Formstrenge entwarf: Die Sonatenhauptsatzform. Benannt ist die Wiener Klassik nach ihren Hauptrepräsentanten Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven, deren Wirkungskreis vornehmlich in Wien bzw. im geistigen Umfeld der österreichischen Hauptstadt lag.
Der Epoche voraus ging eine kurze Phase der Vorklassik (siehe hierzu: Wiener Schule, Mannheimer Schule), die zwischen der Wiener Klassik und der Zeit der Barockmusik ein Bindeglied darstellt und deren Hauptrepräsentanten u. a. Johann Stamitz und sein Sohn Carl Stamitz, außerdem Anton Fils und Georg Christoph Wagenseil waren. Den höfischen Ansprüchen an musikalischen Darbietungen folgend führten sie den sog. galanten Stil (empfindsamen, das Gefühl ansprechenden Stil) ein und befreiten die Orchestermusik vom barocken Formalismus, insbesondere dabei vom für Orchesterwerke typischen Generalbass, der bis dahin konzertant unüberhörbar war.
Zugleich manifestierten die Komponisten der Vorklassik bestimmte Formalia hinsichtlich der Anlage des Kopfsatzes von Sonaten, die zugleich auch bestimmend für die Konzipierung der Hauptsätze von Sinfonien und Solokonzerten wurden.
Die Wiener Klassik wendete sich von der polyphonen Kompositionstechnik des Barock endgültig ab und hin zur Homophonie. Die profane Musik gewann an Bedeutung. Die Harmonien waren gefällig, die Struktur der Werke leicht verständlich, wozu auch der Einsatz bekannter musikalischer Floskeln (z. B. Mannheimer Rakete) beitrugen. Dies war dem Musikgeschmack der Zeit geschuldet, denn Kompliziertes wurde vom Publikum, das als durchaus musikbegeistert bezeichnet werden kann, abgelehnt. Der von den Komponisten der Vorklassik begonnene galante Stil war für die Wiener Klassik geradezu verpflichtend, die Tonsprache sollte gefühlsbetont sein, Seelenstimmungen zu Klang werden lassen und damit die Hörer berühren.
Maßgebliche Bedeutung erlangte die Gattung der Sinfonie. Für sie wie auch für Sonaten und Solokonzerte galt das erwähnte formalistische Reglement des Sonatenkopfsatzes. Streichquartette, Singspiele und Opern erhielten im musikalischen Leben einen bedeutenden Platz, insbesondere beliebt beim Publikum war die italienische Oper. Mit Beethoven begann ein fließender Übergang in eine neue Epoche, die in die Musik der Romantik mündete; im Verlauf des 19. Jhdts. wurde mit dieser neuen Entwicklung so ziemlich alles verworfen, was in der Wiener Klassik Gesetz war.




