Vernunft, (als philosophischer Fachbegriff) die Fähigkeit und Tätigkeit des menschl. Geistes, die im Gegensatz zum Verstand nicht auf eine Erkenntnis der Einzeldinge gerichtet ist - wie sie z. B. die Gegenstände der Wissenschaften darstellen -, sondern auf die systematischen, universellen Zusammenhänge bzw. die Einheit der Dinge und der Welt.
V. ist zugleich das oberste Erkenntnisvermögen, welches den Verstand kontrolliert und diesem Grenzen setzt bzw. dessen Beschränkungen erkennt. Sie ist das bedeutendste Mittel der geistigen Reflexion und stellt somit das wichtigste Werkzeug der Philosophie dar. Insofern ist die V. dem Verstand übergeordnet und die höchste geistige Instanz, die dem Menschen zur Verfügung steht. Dieses, als Diskussionsgrundlage immer noch maßgebl. Verständnis von V. steht v.a. in der Tradition der Philosophie Immanuel Kants.
In der Umgangssprache werden die beiden Begriffe "V." und "Verstand" hingegen nicht streng voneinander unterschieden.