Symbolismus, in Frankreich Mitte des 19. Jh. entstandene Stilrichtung, in der Künstler aus Literatur, bildender Kunst und Musik durch Verwendung von Symbolen, Sinnbildern und Metaphern künstler. Ausdruck erstrebten. Der Symbolismus, eine der letzten großen europ. Stilepochen, stand im Gegensatz zu rationalist., realist. und naturalist. Strömungen an der Wende zum 20. Jh. und bereitete bes. in Lyrik und Malerei die Moderne vor. Begonnen hat er als literar. Bewegung, die die Imagination zur wichtigsten Quelle der Kreativität erhob. Als Vorläufer symbol. Literatur kann der engl. Dichter und Maler William Blake angesehen werden. Zu den direkten Vorbildern der Symbolisten zählen bes. der frz. Schriftsteller Charles Baudelaire, die Maler der Präraffaeliten um Edward Burne-Jones und der schweiz. Maler, Grafiker und Bildhauer Arnold Böcklin. Geprägt war die Richtung durch die Neigung zu subjektivist. idealist. und irrationalist. Inhalten und Darstellungen. Die Visionen aus Träumen und Phantasien vieler Künstler weisen auch myst. und psychologisierende Züge auf.
Literatur
Symbolist. Schaffen in der Literatur spiegelt sich besonders in der literar. Gattung der Lyrik. In Frankreich traten besonders der Schriftsteller Stéphane Mallarmé, der Lyriker Paul Verlaine und der Dichte Arthur Rimbaud hervor. 1886 publizierte der frz. Dichter Jean Moréas das »Symbolistische Manifest«. In Belgien zählen die Schriftsteller und Dichter Maurice Maeterlinck und Georges Rodenbach zu den Symbolisten; in Deutschland gehörte Stefan George zu den Wegbereitern. Rainer Maria Rilke war ebenso beeinflusst wie der Dramatiker, Lyriker und Librettist Hugo von Hofmannsthal. Russ. Vertreter des Symbolismus waren z. B. Alexander Blok und Andrei Bely. In den Werken symbolist. Dichter und Literaten finden sich Elemente des Platonismus, der Philosophie Schopenhauers, Nietsches und Bergsonss. Unter Verzicht auf objektive Wirklichkeitsdarstellung strebt man eine »poésie pur« an. Dichtung soll im Symbol die hinter der Realität liegenden, sinnlich nicht fassbaren Ideen des Seins evozieren. Häufig stehen Probleme und düstere Erfahrungen der menschl. Existenz im Vordergrund. Das Lieblingsgedicht der Symbolisten war »Der Rabe« von Edgar Allan Poe.
Malerei
In der Malerei waren die Symbolisten Wegbereiter der Moderne, haben dem Fauvismus und Expressionismus vorgearbeitet und stehen in der Entwicklungslinie zur phantastischen Malerei, dem Dadaismus und Surrealismus. Inspiriert von der symbolist. Poesie schufen die Maler und Grafiker des Symbolismus traumähnliche Szenerien voller stilisierter Metaphern ihrer Ideen und Gefühle. Das melancholische Jahrhundertendgefühl des Fin de Siècle verband sich mit »träumerischen Fragen nach den verborgenen Triebkräften des Lebens, mit schaudernd-wollüstigen Ängsten und einer Flucht in apokalyptischen Genuss, in ästhetische Eigenwelten oder in mystische Religiosität« [B. Eschenburg/I. Güssow]. Zu den Malern und Zeichnern des Symbolismus zählen die Künstlergruppe der Nabis, Gustave Moreau und Pierre Puvis de Chavannes. Als symbolist. Vorbereiter des Expressionismus und Surrealismus gelten Paul Gauguin, Edvard Munch, Eugène Carrière, Jens Ferdinand Willumsen, Giorgio de Chirico, James Ensor, Fernand Khnopff, Félicien Rops, Max Klinger, Alfred Kubin und Odilon Redon. Die große Affinität der symbolistischen Kunstauffassung zum Jugendstil kommt in den Werken von Ferdinand Hodler, Ludwig von Hofmann, Giovanni Segantini, Franz von Stuck, Jan Toorop und besonders bei Gustav Klimt zum Ausdruck. Klimt war es, dem die Synthese von Symbolismus und Art Nouveau besonders gut gelang.
Bildhauerei
Die Bildhauer, Maler und Grafiker Aristide Maillol, Max Klinger, Auguste Rodin und George Minne schufen bed. symbolist. Plastiken und Skulpturen. In diesem Zusammenhang ist bes. Klingers graphisches Werk zu nennen.
Musik
Der Symbolismus in der Musik ist von der Musikwissenschaft noch nicht ausreichend erforscht. Nach Ansicht von Fachleuten ist der musikalische Symbolismus in den Werken von Claude Debussy, Arnold Schönberg, Alexander Skrjabin, Nikolai Mjaskowski, Nicolai Tscherepnin, Franz Liszt, Richard Wagner u. a. anzutreffen. Musikalische Entsprechungen zur symbolist. Literatur und auch umgekehrt, hat es offenbar mehrfach gegeben.
Literatur
- Beckett, W., Wright, P.: Die Geschichte der Malerei – 8 Jahrhunderte in 455 Meisterwerken, DuMont, Köln 1995, ISBN 3-7701-3560-1
- Walther, Ingo F. (Hg.): Malerei der Welt – Eine Kunstgeschichte in 900 Bildanalysen – Von der Gotik bis zur Gegenwart Taschen, Köln 1995, ISBN 3-8228-6942-2
- Kolbus, Anita: Maeterlinck, Debussy, Schönberg und andere: Pelléas et Mélisande – Zur musikalischen Rezeption eines symbolistischen Dramas, Tectum Verlag, Marburg 2001, ISBN 978-3-8288-8313-0