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Strauss, Richard

Artikel #4360, »Strauss, Richard«, geschrieben von: B. Brockhorst (Red.) (99 %) et al.

Der Mentor

Abbildung: HansBuelow.jpg

Hans von Bülow

Der 19jährige Strauss hatte eine Bläserserenade (op. 7) komponiert und Bülow zur Kenntnis gebracht; ohne dass dieser hierüber eine von Strauss erwartete Kritik äußerte - der junge Komponist hatte den Eindruck, dass Bülow davon gar keine Kenntnis nehmen wollte. Doch dann stand sein Werk plötzlich auf dem Reiseprogramm des Meininger Orchesters. Mit 20 Jahren erhielt der aufstrebende Künstler von dem erfahrenen Dirigenten die vorsichtige Anfrage, ob er bereit sei, "gratis, interimistisch, zu seiner Bildung - als Praktiker" in der Zeit, in welcher er, von Bülow, abwesend ist, die Meininger Kapelle zu dirigieren und auch den dazugehörigen Chor zu unterweisen. Bülow hatte eigentlich nicht die Entscheidungsfreiheit, es war Herzog Georg. II., der den Stellvertreter bestimmen konnte. Es gab eine ganze Reihe von Mitbewerbern, von denen einige sogar ihre Beziehungen zum Herzog hatten spielen lassen. Strauss fühlte sich aufs Höchste geehrt und nahm diese Herausforderung an, was Bülow sehr bestimmt dem Herzog vortrug. Aus Vorsicht machte er bei seiner Fürsprache den jungen Komponisten einmal gleich um 2 Jahre älter.

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Am 9. Juli 1885 erhielt Strauss seine Ernennung zum Hofmusikdirektor in Meiningen und trat seine Stelle am 1. Oktober an. Fortan konnte er an der Seite von Bülows dessen Art des Dirigierens studieren und ihn vertreten. Er machte seine Sache außerordentlich gut, was Bülow zu der Bemerkung veranlasste, er sei der Beleg dafür, dass man für das Dirigieren geboren sein müsse. In der Zeit lernte Strauss Johannes Brahms persönlich kennen, eine Begegnung, die ihn beeindruckte, da er dessen musikalisches Schaffen sehr bewunderte. Eine nachhaltige Freundschaft ergab sich mit dem ersten Geiger des Meininger Hoforchesters, Alexander Ritter. Er kam aus dem Lager der "Neudeutschen" und setzte die von diesen eingeschlagene Linie - weg von der Musik als absolute hin zum Programmatischen in der Musik - fort. Strauss war von der Richtigkeit dieses Wegs überzeugt, wie seine späteren Werke zeigen werden.

 

 

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