Elternhaus
Richard war das erste Kind aus der Ehe von Franz Joseph Strauss (1822-1905), einem Musiker des Münchner Hoftheaters und dessen 16 Jahre jüngeren Ehefrau Josephine, geb. Pschorr. Für Strauss war es die zweite Ehe (die erste Frau und seine zwei Kinder fielen der Cholera zum Opfer). Die Mutter entstammte einer wohlhabenden Brauereifamilie, der Vater hingegen war elternlos aufgewachsen und konnte mit 42 Gulden Monatsgehalt nur zu bescheidenen Familienverhältnissen beitragen. Seine Bezahlung entsprach kaum seinem musikalischen Können, Franz Joseph Strauss war nämlich erster Hornist am Hoftheater und für die überragenden Töne, die er seinem Instrument entlockte, sehr geschätzt. Weniger geschätzt war er dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nahm. Hans von Bülow und Richard Wagner, unter deren Dirigat Strauss wirkte, hatten desöfteren Wortgefechte mit ihm auszustehen. Und schließlich: Als der Dirigent Hermann Levi in der Orchesterprobe vom 14. Februar 1883 verkündete, dass Wagner tags zuvor in Venedig verstorben sei, erhoben sich in ehrfürchtigem Andenken alle - bis auf einen. Mit von Bülow, der Förderer seines Sohnes Richard wurde, war die Zankerei nur eine um der Sache halber, nämlich um Musik bzw. ihre Interpretation. Bülow bezeichnete seinen ersten Hornisten - in Anlehnung an den Schmelz im Ton des Geigers Joseph Joachim - als den Joachim des Waldhorns. In seinen Erinnerungen schrieb Strauss über seinen Vater: "Er war ein sogenannter Charakter".
Jugendzeit
Richard Strauss war ein lerneifriger und hervorragender Schüler, der 1882 das Gymnasium mit guten Beurteilungen beschloss.
Musikunterricht erteilten Orchesterkollegen des Vaters; August Tombo, im Orchester Harfist, lehrte das Klavierspiel, der erste Konzertmeister, Strauss' Onkel Benno Walter, unterwies ihn in der Geige. Dem Gymnasiasten gab der Hofkapellmeister Friedrich Wilhelm Meyer Unterricht in Harmonielehre, Kontrapunkt und Grundlagen des Orchestrierens.
Im Alter von 6 Jahren begann Strauss mit ersten Kompositionen. Seine Jugendwerke sind von keiner Bedeutung, aber durch dieses Experimentieren lernte er schnell dazu. Die Werke des jugendlichen Strauss' sind weitestgehend unediert geblieben. Allerdings fand das eine oder andere Orchesterstück durch die "Wilde Gung'l", einem vom Vater gegründeten Laienorchester, den Weg in die Öffentlichkeit. In diesem Verein war er ab 1882 Violinist, erst am dritten Pult, bald schon in der ersten Reihe (obgleich Geige nach Aussagen seiner Schwester nicht unbedingt "sein" Instrument war).
Seine erste Sinfonie in d-Moll, 1880 entstanden, wurde unter der Leitung von Hermann Levi 1881 mit der Münchner Hofkapelle im Odeon erfolgreich aufgeführt. Mit einem - sich in umständlichen Höflichkeitsfloskeln ergehenden, aber sehr selbstbewussten - Brief an den Musikverlag Breitkopf & Härtel bat der 16Jährige im gleichen Jahr um die Veröffentlichung eines von ihm komponierten Festmarsches, sein Onkel, der Brauereibesitzer Georg Pschorr würde für die Druckkosten aufkommen. Eine Antwort erhielt er von Breitkopf & Härtel hierauf nie. So wurde der erste Verleger von Strauss Eugen Spitzweg, der Besitzer des Musikverlags "Joseph Aibl".
Im Herbst 1882 schrieb Strauss sich als Student im Fach Philosophie an der Münchner Universität ein. Er wollte es nicht zuende studieren, es war reines Hobby. Sein Ziel war es Musiker und im besonderen Komponist zu werden. Er ging auf Reisen; besuchte Wien, sein Vater spendierte ihm einen Aufenthalt in Berlin, er lernte Kulturschaffende - auch aus dem Bereich der Bildenden Kunst und des Theaters - kennen und: Hans von Bülow, damals Musikintendant in Meiningen, nahm sich seiner an.
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