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Schwangerschaftsabbruch

Artikel #3738, »Schwangerschaftsabbruch«, geschrieben von: B. Brockhorst(Red.) (59 %) , G. Schütte (31 %) , K. Bleuer (8 %) et al.

Medikamentöser Abbruch

Die sog. Abtreibungspille mit dem Wirkstoff Mifepriston (Mifegyne ®, früher: RU-486 ®) ist seit 1999 auch in Deutschland zugelassen. Mifepriston blockiert die Wirkung des für die Erhaltung der Schwangerschaft wichtigen Gelbkörperhormons Progesteron, es kommt zur Beendigung der Schwangerschaft, eine Blutung tritt ein, der Gebärmutterhals erweicht sich, der Muttermund öffnet sich und die Gebärmutter zieht sich zusammen.

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36 bis 48 Stunden nach der Einnahme wird zusätzlich ein Prostaglandinpräparat als Tablette geschluckt oder als Zäpfchen bzw. Tablette in die Scheide eingelegt. Prostaglandine führen zu Kontraktionen der Gebärmutter und erhöhen die Zuverlässigkeit von Mifepriston. Nach drei Stunden kann eine zweite Gabe des Prostaglandins erfolgen. Verwendet wird in Deutschland meist das Misoprostol (Cytotec ®). Mit der einmaligen Gabe von Mifepriston und einer zweimaligen Anwendung von Misoprostol wird ein vollständiger Abbruch in 98 % der Fälle erreicht. Bei unvollständigem Abbruch müssen zusätzlich instrumentelle Verfahren angewendet werden.

Mifepriston darf bei dem Verdacht auf eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter (Extrauteringravidität) nicht angewendet werden. Außerdem wird es in Deutschland nur bis zum 49. Tag nach dem ersten Tag der letzten Regelblutung eingesetzt. Kontraindikationen sind weiterhin chronische Nebennierenerkrankungen, schweres Asthma, Allergie gegen den Wirkstoff oder Unverträglichkeit von Prostaglandinen. Mifepriston wird vorsichtshalber ebenfalls nicht bei starken Raucherinnen über 35 Jahren, bei schweren Leber- und Nierenschäden sowie bei Unterernährung eingesetzt. Übelkeit, Durchfall und Erbrechen sind häufige Nebenwirkungen. Eine Blutung tritt in jedem Fall ein, die begleitenden Schmerzen sind meistens nicht stärker als heftige Regelbeschwerden, etwa 20 % aller Frauen nehmen ein Schmerzmittel dagegen ein. In seltenen Fällen machen stärkere oder verlängerte Blutungen ein ärztliches Eingreifen erforderlich.

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