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Ruhrgebiet

Artikel #4381, »Ruhrgebiet«, geschrieben von: Ulrich Fuchs (89 %) , Markus Schweiß(Red.) (10 %) et al.

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Ruhrgebiet, in Nordrhein-Westfalen gelegener, größter Ballungsraum Deutschlands. Mit 5,3 Mio EW auf ca. 4400 km² ist das Ruhrgebiet der drittgrößte Ballungsraum der EU nach den Regionen Paris und London. Zwar ist die Region in ihren Grenzen nicht fest umrissen. Meist orientiert man sich heute an den Mitgliedern des Regionalverbands Ruhr, dies sind die Städte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie die Kreise Ennepe-Ruhr, Recklinghausen, Unna und Wesel. Namensgebend für das Ruhrgebiet ist die an seinem südlichen Rande verlaufende Fluss Ruhr.

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Das Ruhrgebiet entwickelte sich mit der Industrialisierung ab Anfang des 19. Jh zum wichtigsten Zentrum des dt. Steinkohlenbergbaus und der dt. Montan- und Maschinenindustrie und blieb dies bis in die Zeit des Wirtschaftswunder; aufgrund der zunehmenden Unwirtschaftlichkeit des Bergbaus ist das Ruhrgebiet jedoch seit Mitte der 1970er Jahre einen deutl. Strukturwandel unterworfen, der u. a. mit Arbeitslosenzahlen deutl. über dem Bundesdurchschnitt einhergeht. Zwar ist der Anteil an produzierenden Unternehmen noch immer hoch, doch tritt zunehmend der Dienstleistungs- und Kulturbereich nach vorne; das zur Mitte des 20 Jh. gültige Bild des Ruhrgebiets als eine durch Kohlenstaub und Schwerarbeit geprägte Region wird heute nur noch durch die stillgelegten und teilweise als Industriedenkmäler erhaltenen Relikte ehemaliger Schwerindustriebetriebe nachgezeichnet (Industriekultur).

Üblicherweise wird das Ruhrgebiets in fünf Siedlungszonen aufgeteilt: Die Rheinzone im Westen, der Rest von Nord nach Süd unterteilt in die Lippezone, Emscherzone, Hellwegzone und Ruhrzone einschließlich des bergischen Gebiets. Die Ruhrzone, etwa im Bereich Werden, Hattingen, Witten, Hagen, Schwerte, war zwar Ursprung des wirtschaftl. Aufstiegs des Ruhrgebiets vom ländlichen Raum zur Industrieregion, blieb aber aufgrund der Kleinräumigkeit der frühen Industrialisierung weitgehend in ihrem ländlichen Charakter erhalten. Eigentliches Zentrum des Ballungsraums bilden die Hellwegzone mit den größten und witschaftl. stärksten Städten der Region (Duisburg, Mülheim, Essen, Bochum, Dortmund, Unna), die neben der Schwerindustrie weitere Unternehmen insb. im Maschinenbau, der Energieversorgung etc. ansiedeln konnten und gewisse großstädtische Infrastrukturen entwicklen konnten, sowie die Emscherzone, die im wesentl. auf die Montanindustrie beschränkt blieb und daher heute die deutlichsten Probleme im Strukturwandel hat (Oberhausen, Bottrop, Gelsenkirchen, Herne, Recklinghausen). Die Lippezone im Norden im Bereich Wesel, Dorsten, Marl, Haltern, Lünen, Hamm ist wieder vorwiegend ländlich geprägt, der Bergbau spielte hier nach seiner Nordwanderung zwar eine bedeutende wirtschaftliche Rolle, doch unterblieb anders als in der Emscherzone die Ansiedlung weiterer Schwerindustrie. Die Rheinzone wird im Prinzip ausschließlich vom Kreis Wesel gebildet.

Somit ist das Ruhrgebiet ohne einen eigentlichen "Kern", sondern als Konglomerat einzelner, schnell gewachsener Städte entstanden, die vor 200 Jahren noch alle kleinstädt. Charakter hatten. Diese Einzelstädte spielen nach wie vor die zentrale Rolle. Zwar war seit der Industrialisierung die Region durchaus als solche deutschlandweit ein Begriff, jedoch fast ausschließlich auf die volkswirtschaftl. Bedeutung bezogen (als Teil des rheinisch-westfälischen Industriekomplexes) und - wohl auch zu Recht - negativ konnotiert als eine der am stärksten unter Umweltverschmutzung leidenden Regionen. Ruhrgebietsintern jedoch wirtschafteten und wirtschaften die Städte noch heute vorwiegend an Eigeninteressen orientiert. Auch überregional war eine einheitl. Verwaltungsordnung für das Ruhrgebiet nie gewünscht, um aus der wirtschaftl. keine polit. Größe werden zu lassen. So ist der Raum heute drei verschiedenen Regierungsbezirken zugeordnet. Als Gegenpol entstanden zwar über die Zeit gesehen eine Reihe stadtübergreifende Verbände, deren jüngster der Kommunalverband Ruhrgebiet ist, diese blieben jedoch ohne größeren Einfluss. Einzig die Gründung des Verkehrsverbund Rhein-Ruhr bewirkte ein Zusammenwachsen der Ruhrgebietsstädte und darüber hinaus zu einer Einheit im öffentlichen Personennahverkehr. Aber erst seit dem Niedergang der Industrie und der Internationale Bauausstellung Emscher Park (IBA), die den Strukturwandel zwischen 1989 und 1999 zu fördern suchte, begann sich ein positiv besetztes Bild der Region als ganzes zu entwickeln. Die Wahl Essens zur europ. Kulturhauptstadt 2010 unter dem Motto "Essen für das Ruhrgebiet" trägt ebenfalls stark zur Bildung regionalen Selbstbewußtseins bei. Gelegentlich geäußerte Überlegungen, die Städte der Region zu einer einzigen Großstadt zu verschmelzen (Ruhrstadt), entbehren jedoch der Mehrheitsfähigkeit. Im Zuge der Umgestaltung der Verwaltungsgliederung NRWs soll jedoch eine Regionaldirektion für das Ruhrgebiet geschaffen werden.

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