Wirkung
Rubens, der oft nur als Meister eines weibl. Schönheitsideals gesehen wird, das er in bis dahin unbekannter Sinnlichkeit darstellte, war weitaus mehr: ein erfolgreicher und gefeierter Diplomat, ein Gelehrter in bester humanist. Tradition, Sachverständiger für antike Kunst und beliebter Partner für umfangreichen Briefwechsel. Seine umfassende Bildung wird bereits in den Gemälden mit mytholog. Sujet deutlich. Daneben war Rubens ebenso vital, wie die Figuren, die er gerne auf die Leinwand brachte: ein liebender Ehemann, Vater von acht Kindern, loyaler Bürger und gläubiger Katholik. Dieses Energiebündel war das Gegenteil von einem darbenden Künstler.
Diese verblüffende Vitalität brachte er gleichermaßen in religiöse wie mytholog. Themen, in Landschaften wie Porträts ein; sie gab ihm die Souvernänität, von den Meistern der römischen Plastik, den Realisten seiner flämischen Heimat im 15. Jh., von den Klassikern des 16. Jh. in Venedig und Rom zu lernen, deren Errungenschaften zu verschmelzen und so die künstlerische Revolution der frühen Barockzeit anzuführen. Sein Stil – die bewegten Kompositionen, die leuchtenden Farben, das differenzierte Kolorit und der lebendige Pinselduktus – beeinflussten die Maler weit über Flandern und weit über die Zeit des Barock hinaus. Von seinen Zeitgenossen Van Dyck, Jordaens und Velázquez über Watteau, die engl. Porträtisten Reynolds und Gainsborough, Delacroix bis zu dem Impressionisten Renoir reicht die Reihe der Meister, denen er bewundertes Vorbild war. Die Zahl der Werke von eigener Hand wird auf über 500 geschätzt, die aus seiner Werkstatt auf weit über 2000. Darüber hinaus veröffentlichte er architektonische Studien, und für die europaweiter Publizität seiner Arbeiten sorgte er, indem er – ähnlich Raffael und Tizian – Reproduktionen seiner Gemälde als Grafiken massenhaft vertreiben ließ.
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