Logo

Roten, Iris von

Artikel #3858, »Roten, Iris von«, geschrieben von: WP: Katharina (86 %) , K. Bleuer (Red.) (13 %)

Iris von Roten, Dr. iur., (*2. April 1917 in Basel; † 11. Sept. 1990 ebenda; gebürtige Iris Meier), Schweizer Juristin, Journalistin und Frauenrechtlerin, bekannt insb. für ihr zur Zeit der Publikation skandalträchtiges Buch Frauen im Laufgitter.

Anzeigen

Biografie

R. stammte aus einer gutbürgerlichen und gutsituierten Familie. Als eine vgon wenigen Frauen studierte sie an der Universität Bern Rechtswissenschaften und promovierte zum Dr. Jur.

Sie heiratete Peter von Roten, einen Aristokraten und Nationalrat aus dem Wallis. Mit ihm hatte sie eine gemeinsame Tochter, Hortensia. R. wollte nicht Hausfrau und Mutter sein und wurde Partnerin ihres Mannes in der gemeinsamen Anwaltskanzlei. In ihrer Ehe pocht sie auf Selbstbestimmung. Durch die negativen Erfahrungen während ihrer Arbeit - sie wurde ständig für die Sekretärin gehalten - wurde sie zur engagierten Feministin.

Von 1943–1945 arbeitete sie als Redaktorin für die Zeitschrift Schweizer Frauenblatt. Nach dem Erscheinen von Simone de Beauvoirs Das andere Geschlecht (1948) fing sie an, ein eigenes Buch zu schreiben, welches 1958 erschien. Frauen im Laufgitter machte R. über Nacht zu einer der meistkritisierten Personen der Schweiz. Das Buch löste einen solchen Skandal aus, dass "die Emanze der Schweiz" auch von feministischen Frauen geächtet wurde, weil es für die Ablehnung des Frauenstimmrechtes an der Urne (1959) verantwortlich gemacht wurde.

R. konnte mit der harschen Kritik schlecht umgehen. Nachdem die Feministinnen sie ächteten, wollte sie mit der Frauenfrage nichts mehr zu tun haben und reiste 1960 für sechs Monate in die Türkei. Über diese Reise schrieb sie bei ihrer Rückkehr ein Buch, das jedoch von keinem Verlag angenommen wurde. Wieder ging sie auf lange Reisen, diesmal in den Nahen Osten, den Maghreb, Sri Lanka und Brasilien. In den 1970ern begann sie ihre Reiseerlebnisse nicht nur schreibend, sondern auch malend festzuhalten.

Immer mehr wurde R. von Gesundheitsproblemen geplagt. Ihre Sehkraft nahm zunehmend ab und sie hatte schwere Schlafstörungen. Als sie nicht mehr malen konnte, wählte sie den Freitod. "Wie ein Gast wissen muss, wann es Zeit ist zu gehen, so sollte man sich auch rechtzeitig vom Tisch des Lebens erheben" sagte sie in einem Interview kurz vor ihrem Tod. Am 11. Sept. 1990, kurz vor dem Erscheinen der Neuauflage von Frauen im Laufgitter, nahm sich R. das Leben.

Werk: Frauen im Laufgitter

Im ihrem 1958 erschienen Werk Frauen im Laufgitter analysierte Iris von Roten die Lage der Frauen in der Schweiz. Radikal forderte sie die Gleichstellung der Frau in allen Bereichen. Sie erörterte sexuell-erotische Fragen und entmythologisierte so genannt traditionell-weibliche Werte.

Von Roten forderte u. a. volle wirtschaftliche Unabhängigkeit für Frauen, damit diese wirklich frei über ihr Leben bestimmen könnnen: "Das 'Bettle, hungre, stirb!', mit dem der Vater in Shakespeares Romeo und Julia der Tochter ihrer Liebe wegen die Existenzgrundlage entzieht, indem er sie aus dem Hause stößt, soll eine Julia der Gegenwart und Zukunft nicht mehr ins Verderben stürzen können. Davor aber ist das junge Mädchen grundsätzlich nur geschützt, wenn es wirtschaftlich auf eigenen Füßen steht."

Neben der vollen Berufstätigkeit von Frauen forderte von Roten die Externalisierung von Haus- und Familienarbeit: Kinderkrippen, Horte und Tagesschulen sowie auf Hausarbeiten spezialisierte Gewerbe. "Für die private Atmosphäre des Familienlebens ist es nicht nötig, daß die 'Frau und Mutter'als des Weibes natürliches Los stundenlang mit Geschirr klappert und Staub wedelt."

Diese heute aktuellen feministischen Forderungen gingen in den späten 1950er Jahren – auch für progressive Frauen – viel zu weit. Obwohl Frauen im Laufgitter in nur 11 Wochen ausverkauft war, wurde es erst 1991 wieder aufgelegt. Die Neuauflage wurde ein grosser Erfolg und verhalf Iris von Roten post mortem zu der von ihr immer gesuchten Wertschätzung.

Literatur

  • Iris von Roten: Frauen im Laufgitter. Neuauflage, 1991. eFeF-Verlag, ISBN 3-905561-09-3.
  • Yvonne-Denise Köchli: Eine Frau kommt zu früh. Das Leben von Iris von Roten. Weltwoche-Verlag, ISBN 3-85504-142-3.

 

Anzeigen

Schaltfläche: Leitseite Schaltfläche: Diskussion Schaltfläche: Quelltext Schaltfläche: Nach Autoren einfärben Schaltfläche: Pdf erzeugen