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Ravel, Maurice

Artikel #476, »Ravel, Maurice«, geschrieben von: B. Brockhorst (Red.) (98 %) et al.

Vorbilder und Musikerkollegen

Ein großes Vorbild für Ravel war der Komponist Emmanuel Chabrier. 1893 hatten er und Viñes die Gelegenheit erhalten, ihm vorzuspielen. Chabrier gehört zu den Musikern, die ihn in der Anfangszeit stark beeinflusst haben, und er schreibt in seinen autobiographischen Skizzen von 1928:

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“Meine ersten, unveröffentlicht gebliebenen Werke stammen aus der Zeit um 1893. (…) Die „Sérénade grotesque“ war deutlich von Emmanuel Chabrier beeinflusst, während die „Ballade de la reine morte d’aimer“ unter dem Einfluss Saties stand.“

In diesem Zitat fällt schon der zweite Name, dem Ravel unbegrenzte Bewunderung entgegen brachte: Erik Satie. Dessen archaische Akkord-Rückungen, sein karger Stil, der im diametralen Gegensatz zu den überladenen Klängen des hochaktuellen „Wagnerianisme“ standen, faszinierten ihn. Über ihn schreibt Ravel:

“Satie war eher ein Neuerer und ein Pionier – wenn nicht gar ein Extremist – als ein Komponist unvergänglicher Meisterwerke. Er nahm den Impressionismus à la Debussy vorweg, ging durch ihn hindurch und war einer der ersten, der sich wieder von ihm entfernte.“

Auch Richard Wagner schätzte Ravel durchaus. Von vielen Aufführungen hat er sich mitreißen lassen, beeinflusst haben sie sein Schaffen indessen nicht.

Von großer Bedeutung für Ravels Kompositionen war auch die spanische Musik. Er hatte zu Lebzeiten stets betont, dass er ja auch Baske sei und sich seiner zweiten Heimat verbunden fühle. Zu den Werken, die diesen Einfluss widerspiegeln, gehören u. a. die Oper "L’Heure espagnole", der Bolero, die Rapsodie espagnole, die Habanera der "Sites auriculaires", das "Alborada del gracioso" aus den "Miroirs", die "Vocalise-Étude en forme de Habanera", einige Lieder aus den "Chants populaires", das Konzertstück für Klavier und Orchester "Zaspiak-Bat" und das Triptychon "Don Quichotte à Dulcinée". Der Komponist Manuel de Falla schrieb:

“Die Rapsodie espagnole überraschte mich durch ihren spanischen Charakter. (…) Wie aber sollte ich mir diesen so subtil authentischen Hispanismus des Komponisten erklären (…)? Ich fand rasch die Lösung des Rätsels: Ravels Spanien war ein idealisiertes Spanien, wie er es durch seine Mutter kennengelernt hatte. (…) Das erklärt wohl auch, weshalb sich Ravel seit seiner frühesten Kindheit von diesem Land angezogen fühlte, von dem er so oft geträumt hatte.“

Ravel hat in seinem Leben eine Reihe von Musikern kennengelernt, die auch heute namhaft geblieben sind: Neben Debussy waren dies u. a. Igor Strawinski, Arthur Honegger, Bela Bartók, Arnold Schönberg. Zu den heute vielleicht weniger bekannten zählte der Pianist Paul Wittgenstein. Gleichwohl hat Wittgensteins Schicksal der Nachwelt ein außergewöhnliches Werk beschert, das Ravel eigens für ihn geschrieben hatte: Das „Klavierkonzert für die linke Hand“.

Wittgenstein hatte im ersten Weltkrieg seinen rechten Arm verloren und seine Karriere als Pianist schien damit besiegelt, aber er beauftragte zahlreiche Komponisten, Werke für einhändig gespieltes Klavier zu schreiben. Ausgerechnet das von Ravel eigens für ihn komponierte Werk läutete den Bruch zwischen Komponist und Künstler ein: Das „Klavierkonzert für die linke Hand“ wurde am 5. Januar 1932 in Wien mit Wittgenstein am Klavier aus der Taufe gehoben. Da der Komponist nicht bei der Aufführung dabei war, organisierte Wittgenstein für ihn eine Soirée, bei welcher das Stück (an zwei Klavieren) zu Gehör gebracht wurde. Nachdem Wittgenstein geendet hatte, rief Ravel: „Aber das stimmt doch alles gar nicht!“. Seiner Auffassung nach hatte der Pianist das Stück nicht in seinem Sinne dargeboten. Der Streit eskalierte in einem anschließenden Briefwechsel, in welchem Wittgenstein einwendete, die Interpreten dürften keine Sklaven sein und Ravel kurz und bündig antwortete: „Die Interpreten sind Sklaven!“

 

 

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