Logo

Programmmusik

Artikel #606, »Programmmusik«, geschrieben von: B. Brockhorst (Red.) (99 %) et al.

Programmmusik, Bezeichnung für eine Musikgattung, die sich in Europa zum Ende des 19. Jahrhunderts herausgebildet hat und für die kennzeichnend ist, dass der Musik ein außermusikalisches Konzept (Programm) zugrundeliegt, das durch die Musik hörbar gemacht wird.

Anzeigen

Ermittlung des Begriffs anhand der Entwicklung der Musik in ihren Epochen

Ab welchem Zeitpunkt sich der Begriff "Programmmusik" etablierte, ist nicht bekannt. In der zweiten Hälfte 19. Jhdts. wurde das Programmatische in der Musik heftig und kontrovers diskutiert. Die Idee, ein außermusikalisches Programm in Musik umzusetzen, wurde u. a. maßgeblich von der sog. Neudeutschen Schule befördert. Im Gegensatz zu den "Konservativen", die darauf bestanden, dass Musik etwas eigenes sei, sie nur durch sich selbst wirken dürfe (sog. absolute Musik) und dieses Konzept am besten durch das Bewahren hergebrachter Formen zu gewährleisten sei, waren die Abweichler durch die Unterstützung der Form der Sinfonischen Dichtung (Tondichtung) aus dieser althergebrachten Sicht getreten. Tondichtung und Programmmusik sind nicht klar voneinander unterscheidbar, da die idée fixe der Sinfonischen Dichtung eben auch Programm sein kann. So wird die Moldau von Bedřich Smetana sowohl als Sinfonische Dichtung bezeichnet wie auch der Programmmusik zugerechnet.

Auch wenn in der Barockmusik und der Klassik einige Komponisten sich vereinzelt von einer außermusikalischen Idee haben inspirieren lassen, bleibt die P. ein "Kind" der Romantik und der Nachromantik, eine rückwirkende Anwendung des Begriffs verbietet sich aus der Perspektive der musikalischen Entwicklung über die Epochen hinweg.

Erweiterte Interpretation des Begriffs Programmmusik

Allerdings trifft man in zunehmenden Maße auf eine erweiterte Interpretation des Begriffs "Programmmusik" aus der Retrospektive, nämlich aus der Sicht von heute. Da wendet sich der Blick oft weit über die romantische Epoche hinaus zurück in die Zeit der Klassik und des Barock, um in Titeln von Musikstücken ein Programm herauszulesen und in der Umsetzung des zugrundeliegenden Werks das Programmatische herauszuhören. Demzufolge werden von den Verfechtern der erweiterten Sicht auch Stücke wie Vivaldis "Die vier Jahreszeiten", Beethovens 6. Sinfonie, die Pastorale oder - um einen Romantiker zu benennen, der sich ausdrücklich von jeder programmatischen Intrepretation distanzierte, - Schumanns 3. Sinfonie (Rheinische) unter Programmmusik gefasst.

Eine solche Ausweitung lässt außer Acht, dass selbst unter denjenigen Komponisten, die die Hinwendung zum Programmatischen in der Musik erlebten, eine ganze Reihe gar nicht zu den Programmmusikern gerechnet werden wollten; so z. B. eben Schumann, Brahms, Mahler; sogar Richard Strauss, der seinen zahlreichen Tondichtungen selbst Erläuterungen zum "Programm" voranstellte, stand dem Begriff ablehnend gegenüber. Mit dem retrospektiv ausgeweiteten Verständnis von Programmmusik werden automatisch einige Komponisten ohne Rücksicht auf deren Absichten für diesen Begriff vereinnahmt.

Was diese erweiterte Sicht nicht plausibel machen kann ist, warum dann nicht auch Werke des Barock und der Klassik konsequent zugleich als "Tondichtungen" eingestuft werden, und wieso in den musikwissenschaftlichen Kapiteln zur Barockmusik und zur Klassik kein Wort darüber steht, dass die zu der Zeit wirkenden Komponisten "Programmmusik" gemacht haben sollen.

Beispiele für Programmmusik (nach dem entwicklunsspezifischen Verständnis)

Siehe auch: Sinfonische Dichtung.

 

Anzeigen

Schaltfläche: Leitseite Schaltfläche: Diskussion Schaltfläche: Quelltext Schaltfläche: Nach Autoren einfärben Schaltfläche: Pdf erzeugen