Pianist, nach der herkömmlichen Betrachtungsweise ein Musiker, der auf dem Klavier durch technische Fertigkeiten und musikalischen Ausdruck im Vortrag eines Klavierwerks mehr als eine durchschnittliche Begabung aufweist. Der Begriff leitet sich ab aus dem ital. Pianoforte, kurz: Piano „Klavier“).
Der Begriff ist keine Berufsbezeichnung geschweige denn geschützt, somit nach allen Seiten und allen Interpretationsformen offen. Was nicht heißen soll, dass Musikern, die ein Keyboard oder ein sonstiges elektronisches Piano im Rahmen von Jazz-, Rock- oder Popmusik perfekt beherrschen, der Begriff etwa nicht zustehen dürfte. Er steht ihnen zu, denn der Begriff hierfür hat sich gewandelt. Dass ihre Ausgangsvoraussetzungen wie auch die Anforderungen an einen Pianisten im herkömmlichen Sinne völlig andere sind, sollte aber ebenso unstreitig sein.
Sog. "Klassische Musik"
Ein Pianist, der Klavierstücke der vorvergangenen Jahrhunderte darbietet (egal ob solo oder mit Orchesterbegleitung), steht immer im Mittelpunkt des Geschehens. Daraus folgern Anforderungen, die man von Hause aus unbedingt mitbringen muss und auf einer Musikhochschule lediglich vervollkommnen kann. Neben Musikalität sollte ein Sinn für das Verständnis von Klavierkompositionen mitgebracht werden, auf jeden Fall sind unabkömmlich: Technische Fertigkeiten der Finger auf den 88 Tasten, Treffsicherheit, auch wenn ein Bereich des Tastenfelds gerade nicht im Blick ist, Sensibilität für musikalischen Ausdruck und, soweit öffentlich vorgetragen, Nervenstärke im Angesicht eines Publikums. Die Ausgangsvoraussetzungen für einen öffentlich auftretenden Pianisten sind schwieriger als bei anderen Solisten, da dieser sein Klavier/seinen Flügel (wegen der Unhandlichkeit und überhaupt wegen des Gewichts von im Schnitt zwischen 250 und 350 kg) regelmäßig nicht mitbringen wird, sondern auf fremden Instrumenten spielen muss. Auch wenn es im Regelfall eine Zeit des Kennenlernens der unbekannten Hammermechanik gibt, ist die Eingewöhnung nicht so einfach wie mit einem vertrauten Instrument.
Moderne
Bei einem Pianisten der Jazz-, Rock- oder Popmusik sind andere Qualitäten als die Beherrschung einer unbekannten Hammermechanik und der Wiedergabe von Klavierwerken in technisch perfektem und musikalisch einwandfreiem Ausdruck gefragt. So z. B. die Gabe, eine spontane Modulation oder das Einflechten einer Rückung zwecks Übergangs in eine andere Tonart einzubauen, auch ein Improvisationstalent sollte vorhanden sein.




