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Nikolaus von Myra

Artikel #3221, »Nikolaus von Myra«, geschrieben von: G. Hedemann (99 %) , Marcel René Kalt(Red.) (0 %)

Nikolaus von Myra, sagenhafter Bischof von Myra in Lykien, Kleinasien, aus der 1. Hälfte des 4. Jh.; Urbild für die seit dem 5./6. Jh. auftauchenden Legenden vom hl. Bischof Nikolaus.

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Obwohl N. als einer der bedeutendsten und volkstümlichsten Heiligen der orthodoxen und latein. Kirchen gilt, ist über sein Leben und seine Person kaum etwas histor. gesichert, außer, dass er wahrscheinl. im 4. Jh. Bischof von Myra war.

Leben

Die Legende will, dass N. um 270/80 im kleinasischen Patras, bei Antalya, geboren wurde, in seiner Jugend eine Pilgerreise nach Ägypten und Palästina unternommen hat und kurz nach seiner Rückkehr zum Bischof von Myra (heute Demre, Türkei) gewählt wurde. Die Christenverfolgung des Kaisers Diokletian brachte ihn ins Gefängnis, aus dem er unter Kaiser Konstantin wieder freikam. Im Jahr 325 soll er am Ersten Konzil von Nicäa teilgenommen und dort den Arius und seine Lehre (→Arianismus) bekämpft haben. Sein Todes- oder Beisetzungstag wird auf den 6. Dez. 343/45 datiert und seit dem 8. Jh. in vielen westl. Ländern mit christl. Tradition gefeiert. N. wurde in einem Martyrion bestattet. Im Jahre 1078 entführten ital. Kaufleute die Gebeine nach Bari, wo sie zunächst in die Eliaskirche und später in die zw. 1087 und 1196 erbaute Basilika San Nicola gebracht wurden. Dort befinden sie sich noch heute und werden hoch verehrt. Der Tag der Reliquientranslation nach Bari wird jährl. am 9. Mai als zweiter Nikolaustag gefeiert.

Beweise für die Existenz eines historischen N. gibt es nicht. Sämtl. Daten und Ereignisse sind reine Spekulation. Auch seine Anwesenheit beim Konzil ist zweifelhaft, da die Teilnehmerlisten seinen Namen nicht verzeichnen. Gesichert ist nur, dass seit dem 5./6. Jh. in der Ostkirche und spätestens seit dem 8./9. Jh. in der Westkirche Berichte über einen wundertätigen Bischof N. aus Myra umliefen und dass er kultisch verehrt wurde. Wahrscheinlich gehen diese Berichte auf eine tatsächl. Person zurück oder wurden aus den Viten mehrerer Personen – dem Bischof Nikolaus von Myra und dem Archimandriten Nikolaus von Sion bei Myra († 10. Dez. 564), später Bischof von Pinora, ebenfalls in Lykien, – zusammengesetzt.

Nikolauslegenden

Darüber, dass N. von Myra schon sehr früh verehrt wurde, besteht kein Zweifel. Die älteste schriftl. Quelle für die N.-Tradition ist die Feldherren- oder Stratelatenlegende, auch Stratelatenwunder gen., die praxis de stratelatis (griech. praxis = Tat, stratelatos, Pl.:stratelatoi = Feldherr, Heerführer), deren älteste erhaltene Aufzeichnung aus der Zeit zw. 460 und 580 stammt. Nach dieser Legende rettete N. das Leben dreier unschuldig zum Tode verurteilter Militärführer, indem er dem Kaiser Konstantin im Traum erschien und für sie bat. Bemerkenswert an dieser Legende ist, dass N. das Wunder schon zu Lebzeiten tat und dass er an zwei Orten gleichzeitig war, näml. in Myra und in Konstantinopel. Die herausragende Bedeutung, die diese Legende für die Antike hatte, lässt sich daran ablesen, dass von ihr heute noch mehr als 50 versch. Handschriften erhalten sind.

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