Kubismus (lat. cubus, Würfel), eine Stilrichtung der Malerei des frühen 20. Jh. die von Pablo Picasso und Georges Braque 1907-1914 entwickelt wurde und auch andere Künstler stark beeinflusste. Die Protagonisten zerlegten die Motive in eine Anzahl von Facetten und machten verschiedene Ansichten eines Gegenstandes gleichzeitig sichtbar. Bis 1912 spricht man vom »analytischen Kubismus« mit geometrischen Formen und zurückhaltenden Farben. Im anschließenden »synthetischen Kubismus« wird mit Schablonen, Collagen, einander zugeordneten Flächen und lebhaften Farben (Farbperspektive) gearbeitet. Als programmatisches Werk und Schlüsselbild für den Kubismus gilt Picassos 1907 gemaltes Bild »Les Demoiselles d‘Avignon«.
Neben Picasso und Braque gelten auch Juan Gris, Robert Delaunay, Henri Le Fauconier, Albert Gleizes, Fernand Léger und Jean Metzinger als Kubisten. Die kubistischen Maler – ohne Picasso und Braque – stellten 1911 erstmals als geschlossenen Gruppe aus. Der Kubismus war die wichtigste und folgenreichste Stilrichtung, die im 20. Jh. gegen die Wiedergabe des Natureindrucks revoltierte. »Man darf nicht noch einmal machen, was die Natur schon vollkommen gemacht hat«, sagte Braque einmal. Lyonel Feininger hatte mit den Kubisten entscheidende Erlebnisse und war besonders von Robert Delaunays Darstellungen lichtbrechender Prismen fasziniert.
Den Boden für den Kubismus bereitete Paul Cézanne, der in der Malerei die Natur auf geometrische Körper zurückführte und meinte, »dass die Wahrheit keine Begrenzungslinien kenne, sondern dass sich die Form durch Sichtbarmachung all der verschiedenen Aspekte herauskristallisiert«.
Im Kubismus wurde versucht, die Dreidimensionalität der Gegenstände – Krüge, Körper, Instrumente und Figuren – durch flächige Projektionen mehrerer Ansichtsseiten in einem Bild »simultan« erfahrbar zu machen. Man sollte die Gegenstände gleichzeitig aus allen Blickwinkeln betrachten können – eine Sichtweise, die sich den Kunstinteressierten nur schwer erschloss.
Der Name Kubismus wurde von dem Kritiker Louis Vauxcelles eingeführt als er Braques Bilder 1908 in der Pariser Galerie Kahnweiler sah: »Braque verachtet die Form, reduziert alles, Landschaft, Figuren und Häuser, auf ein geometrisches Schema mit kleinen 'Kuben'«. Gleizes und Metzinger unternehmen 1912 mit ihrem Buch »Du Cubisme« (Über den Kubismus) den Versuch einer umfassenden Charakterisierung und Begründung der neuen Malerei. Der Schriftsteller und Kunstkritiker Guillaume Appolinaires setzte sich 1913 mit seinem Buch »Les peintres cubistes« (Die Maler des Kubismus) für den neuen Stil ein und sagte über den Kubismus, dieser sei:
» … die Kunst, aus den Elementen einer vorgestellten, nicht einer wahrgenommenen Realität schöpferische Arrangements zu malen«.




