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Karikatur

Artikel #6836, »Karikatur«, geschrieben von: B. Brockhorst (Red.) (100 %)

Karikatur, (ital.: caricare = überhäufen) zeichnerisch verzerrte und zugleich übertriebene, manchmal ins Komische reichende Darstellung von Personen oder gesellschaftlichen bzw. politischen Ereignissen oder Zuständen; die von der Karikatur aufgegriffenen Themen sind oft in der (jeweils zeitlichen) Gegenwart angesiedelt. Die Karikatur ist das gezeichnete Pendant der Satire, die eine dem Publikum zugedachte Botschaft ist aber wegen der meist stattfindenden Verkürzung auf ein Bild noch stärker pointiert, um die gewollte Aussage treffsicher herüberzubringen. Die Übertreibung / Verfremdung ist Mittel zur Verdeutlichung dessen, worauf der Urheber anspielt, sie hebt Schwächen, Skuriles, Fehler, Missstände oder Fehlentwicklungen durch ihre direkte oder indirekte Betonung besonders hervor und zeigt auf diese Weise gewissermaßen mit dem Zeigefinger darauf. Ihre Ausdrucksformen reichen von bösartigem Hohn bis harmlosen Witz und ihr Erfolg hängt erheblich davon ab, ob ihr Betrachter versteht, um was es in der Karikatur geht, welche - im Einzelfall möglicherweise ganz anders lautende - Botschaft sich hinter ihr verbirgt.

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Seit wann das Genre "Karikatur" existiert, ist zeitlich nicht festzumachen. Schon die im Mittelalter entstandenen Bilder von Hieronymus Bosch scheinen aus heutiger Sicht in kritischer und zugleich spöttischer Weise Lebenssituationen anzuprangern und damit karikaturhaften Charakter zu besitzen. Über die Ambitionen des Malers bei seinen Gemälden ist jedoch nichts überliefert, Deutungen müssen zwangsläufig in Interpretationsversuchen stecken bleiben. Als Vorläufer von Karikaturen gelten die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts von dem engl. Maler William Hogarth geschaffenen Graphiken und Kupferstiche zu Sitten und Bräuche der Zeit, durch pointierte Überspitzung spießt er auf ironische Art die Lebensweise seiner Zeitgenossen auf.

Zeichnungen mit personalem oder zeitkritischem Inhalt wird es immer schon gegeben haben, dass sie lange nicht wahrgenommen wurden, lag u. a. daran, dass sie über Jahrhunderte hinweg kaum eine oder keine größere Öffentlichkeit bekamen. Eine massenmediale Verbreitung von Zeichnungen wurde überhaupt erst ab dem beginnenden 19. Jahrhundert möglich (die Erfindung der Litographie datiert auf das Jahr 1798). Von dem Schriftsteller E. T. A. Hoffmann weiß man, dass er sich 1802 wegen (händisch gezeichneter und händisch verteilter) Karikaturen über preußische Staatsdiener während seiner juristischen Ausbildung in erhebliche Schwierigkeiten brachte. Aber den eigentlichen Durchbruch erlebte die Karikatur erst durch ihre vervielfältigte Verbreitung - und das war im Verlauf des 19. Jahrhunderts.

Überschneidungen gibt es bei der Karikatur mit anderen zeichnerischen Kunstformen, so mit dem Cartoon und mit dem Comic. Unterscheidungen können folgendermaßen formuliert werden: Im Gegensatz zur Karikatur bezieht sich der Cartoon nicht unbedingt auf eine der Realität entnommenen Situation. Der Cartoon karikiert niemanden und bleibt in kritischen Aussagen zwar pointiert, aber eher allgemein oder nur mit einer versteckten Bezugnahme, manchmal sogar, als würde lediglich eine ganz private und singulär bleibende Geschichte dokumentiert. Der Comic wiederum ist immer eine über mehrere Panels verlaufende Geschichte, regelmäßig ist er nicht Karikatur, kann aber solche innerhalb seiner erzählten Story enthalten.

 

 

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