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Streicher, Julius

Artikel #1326, »Streicher, Julius«, geschrieben von: B. Brockhorst (Red.) (100 %)

Streicher, Julius (* 12. Februar 1885 in Fleinhausen bei Augsburg, † 16. Oktober 1946 in Nürnberg), nationalsozialistischer Politiker, Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts "Der Stürmer". Streicher war Angeklagter im Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher, wurde vom Internationalen Militärgerichtshof zum Tode verurteilt und hingerichtet.

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Streicher war der uneheliche Sohn eines Volksschullehrers. Nach der Schule wurde er ebenfalls Lehrer, 1904 erst als Aushilfslehrer, ein Jahr später fest angestellt. Im Ersten Weltkrieg nahm er in bayerischen Einheiten teil und wurde 1918 zum Leutnant der Reserve ernannt. 1919 war er an der Gründung der Nürnberger Ortsgruppe der antisemitischen Deutsch-Sozialen Partei. Diese Ortsgruppe unterstellte er 1922 der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP).

1923 gründete Streicher die Wochenzeitung "Der Stürmer", ein antisemitisches Machwerk mit Beiträgen, die das Ressentiment der deutschen Bevölkerung gegen die Juden schüren sollte, angereichert durch gehässige Judenkarikaturen. Auch in anderer Form, mit Aufsätzen für andere Zeitungen und durch Vortragsreisen verbreitete Streicher seine antisemitischen Ansichten. Wegen seiner Beteiligung am Hitler-Putsch wurde er 1923 vom Schuldienst suspendiert. Bei der Neugründung der NSDAP 1925 wurde Streicher mit dem Aufbau der Partei in Nordbayern beauftragt Von 1929 bis 1940 war er Gauleiter der NSDAP für Mittelfranken, später Franken. 1924 erlangte er ein Mandat als Landtagsabgeordneter in Bayern.

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 wurde er Leiter des "Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze", das die antisemitischen Aktionen zentral steuerte. 1934 erhielt er den Ehrenrang eines Gruppenführers der Sturmabteilung (SA). Zur Indoktrination von Kindern veröffentlichte er in dem ihm gehörenden „Stürmer-Verlag“, in welchem er ab 1935 auch sein Hetzblatt publizierte, antisemitische Bilderbücher wie "Der Giftpilz". Im "Stürmer" startete er eine Kampagne, die den Boden für die Nürnberger Rassengesetze von 1935 vorbereitete.

1935 wurde die Verbreitung des "Stürmers" wegen ausfälliger Angriffe gegen einen NS-Funktionär kurzfristig verboten. Auch wurde befürchtet, dass die Primitivität des "Stürmers" sich negativ für die Partei auswirke. Im März 1940 geriet Streicher in den Verdacht, in eine Korruptionsaffäre im Zusammenhang mit der Arisierung von Betrieben und Unternehmen verwickelt zu sein. Daraufhin setzte Hermann Göring eine Kommission ein, die die Vorwürfe gegen Streicher untersuchen sollte. Dieser wurde zwar seiner Ämter enthoben, behielt aber auf Anweisung Hitlers den Rang eines Gauleiters. Zurückgezogen auf seinem Gut Pleikershof bei Nürnberg lebend war er auf die Rolle des Herausgebers des „Stürmers“ zurückgeworfen und verlor weiter an Einfluss.

Ende des Zweiten Weltkriegs floh Streicher in die Alpen und lebte einige Wochen unerkannt in einem österreichischen Dorf. Von amerikanischen Soldaten aufgegriffen, wurde er vor den Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg angeklagt, wegen des Anklagepunkts 4, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zum Tode verurteilt und hingerichtet.

 

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