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Jugendstil

Artikel #8367, »Jugendstil«, geschrieben von: Josef Kandl (Red.) (100 %)

Jugendstil, (frz. Art nouveau, engl. Modern Style, ital. Stile Liberty oder Stile floreale, österr. Sezessionsstil), eine Stilepoche der bildenden und angewandten Künste um die Wende zum 20. Jh., etwa von 1890–1914. Der Jugendstil ist als Bewegung gegen den vorherrschenden Historismus des 19. Jh. entstanden und erfasste beinahe alle Kunstgattungen. Angestrebtes Ziel war es, dem Handwerk in der Verbindung mit der Kunst wieder mehr Bedeutung zu verschaffen und handwerkliche Arbeit in hoher Qualität und aus besten Materialien den industriellen Serienproduktionen entgegenzustellen. Intention war auch, eine umfassende Reform der sozialen Verhältnisse einzuleiten. Diese Absicht erfüllte sich nicht; das im Zusammenhang mit dem Jugendstil tätige Kunsthandwerk konnte nur einer Minderheit als wirtschaftliche Basis dienen. Erzeugnisse des Jugendstils, oft Einzelstücke, erfüllten gehobene Ansprüche weniger, und hatten ihren Preis. Den Namen »Jugendstil« verdankt diese internat. Stilrichtung der Zeitschrift »Jugend«, die seit 1896 in München erschien.

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Neue Formen sollten alle Bereiche der Kunst und des Lebens durchdringen. Die Formen von Gegenständen sollten sich aus deren Funktion entwickeln und dabei den verarbeiteten Materialien gerecht werden. Der Leitspruch »form follows function« stammt von Louis Sullivan dem amerikanischen Architekten der »Chicago School«, den er dort 1896 propagierte. In der europäischen Architektur und den Werkgemeinschaften der angewandten Künste, wie der Darmstädter Künstlerkolonie und später auch am Bauhaus, ist man dieser Maxime gefolgt. Beeinflusst wurde der Jugendstil u. a. von der engl. Arts and Crafts-Bewegung um William Morris, und von der Wiener Werkstätte. Auch asiat.-oriental. Elemente, besonders die Darstellungsformen jap. Farbholzschnitte, wurden integriert. Stilmerkmale sind Naturformen, besonders pflanzliche Motive, in schwungvoller Linienführung, auch abstrakte Ornamente und bewegte, fließende Flächen und Strukturen.

Hauptanwendungsbereiche der neuen Manier waren die Buchkunst und Gebrauchsgraphik sowie das Kunstgewerbe. Durchgesetzt hat sich der Stil bei Ausstattungs- und Einrichtungsgegenständen z. B. bei Möbeln, Lampen, Geschirr und Glaswaren, Tapeten, Schmuck etc.; fand aber auch Eingang in die Malerei (Gustav Klimt, Franz von Stuck) und Architektur (Hector Guimard, Antoni Gaudí). Großen Einfluss auf den Jugendstil hatten der engl. Grafiker, Illustrator und Karikaturist Aubrey Vincent Beardsley, die »Glasgow School of Art« mit dem Architekten und Designer Charles Rennie Mackintosh und der belg. Maler, Architekt und Kunstgewerbler Henry van de Velde. Die Plakate des Malers Toulouse-Lautrec machten den Stil populär.

Literatur

  • Sembach, Klaus-Jürgen: Jugendstil. Verlag TASCHEN GmbH, Köln 2007, ISBN 978-3-8228-2971-4

 

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