Selbstverständnis
Die Ingenieurwissenschaften verstehen sich als angewandte Wissenschaften. Es wird auch in großem Ausmaß Grundlagenforschung betrieben, aber das Hauptaugenmerk liegt letztlich auf der prakt. Umsetzung naturwissenschaftlicher Erkenntnisse bei der Realisierung technischer Erzeugnisse zum Nutzen der Menschen. Ingeniermäßiges Handeln ist strukturiertes Vorgehen zur Erzielung bestmöglicher Ergebnisse im Rahmen limitierter Resourcen, insbesondere von Zeit, Personal, Material und letztlich Kapital.
Die Ingenieurwissenschaften erheben dabei nicht den Anspruch, eine exakte Wissenschaft im eigentlichen Sinne zu sein: Zu viele der Grundlagen, die bei der prakt. Anwendung von Naturwissenschaften auftreten, sind in ihrer Kombination zu komplex, um exakt berechnet werden zu können. Daher versuchen die Ingenieurwissenschaften praktikable Verfahren zu finden, um die technischen Vorgänge sicher zu beherrschen. In der Regel geschieht dies dadurch, dass zu komplexe Aufgaben durch Annahmen vereinfacht werden, wobei sichergestellt wird, dass man bei den Annahmen "auf der sicheren Seite" bleibt. Zudem bemüht man sich, durch zusätzliche Sicherheitsfaktoren bei den Berechnungen Unwägbarkeiten vorzubeugen.
Ingenieure bedienen sich somit bei der Bearbeitung von planerischen Aufgaben einerseits Erkenntnissen aus der Wissenschaft (in erster Linie der Mathematik und anderer mathematisch-physikalisch dominierter Disziplinen), andererseits ist eine nichtwissenschaftl. vermittelbare techn. Erfahrung und Kreativität für ihre Tätigkeit unabdingbar.
Grundlegend gewandelt haben sich die Ingenieurwissenschaften durch die weite Verbreitung der Computer. Versuche, mit denen in der Vergangenheit die konstruktiven Annahmen überprüft werden mussten bzw. die Daten für die Konstruktion lieferten (etwa die Festigkeit eines Stahlträgers), werden heute in großem Maße numerische Simulation am Computer ersetzt.