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Impressionismus

Artikel #8580, »Impressionismus«, geschrieben von: Josef Kandl (Red.) (100 %)

Impressionismus (lat. Impressio, Eindruck), eine Stilrichtung der Malerei, Bildhauerei, Musik und Literatur die in der zweiten Hälfte des 19. Jh. auftrat. Die Künstler, bes. die Maler, des Impressionismus wollten sich nicht mehr nach den Doktrinen der etablierten Akademien richten; sie suchten nach neuen Inhalten und Formen, wollten die Themen und die Art der Gestaltung ihrer Werke selbst bestimmen und begannen die Wirklichkeit mit neuen, wacheren Augen zu betrachten. Der frz. Dichter Charles Baudelaire hat in seinem Essay »Der Maler des modernen Lebens« die Künstler dazu angeregt, das Leben in der modernen Stadt wiederzugeben.

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Paris, der damals schillernde Brennpunkt des Kunstgeschehens, war auch das Zentrum des Impressionismus, der seinen Höhepunkt in den siebziger, achtziger Jahren erreichte. Besonders gegen Ende des 19. Jh. erlebte der akademische Kunstbetrieb in Europa eine ganze Reihe von Abspaltungen (Sezessionen) die alle der gleichen Intention folgten – weg mit den Zwängen und Vorschriften der traditionellen Ateliermalerei, sich befreien, seine jeweils eigenen Vorstellungen verwirklichen und mit eigenen freien Gestaltungsmitteln der klassizistischen Salonmalerei entgegentreten.

Malerei

Vorläufer der Impressionisten in der Malerei war eine frz. Gruppe von »Freiluftmalern« (Plain-air-Malerei) die sich 1840 in dem Dorf Barbizon am Rande des Waldes von Fontainebleau zu einer Malerkolonie, der »Schule von Barbizon«, zusammenfand und unter freiem Himmel malte. In England entstand 1848 die »Bruderschaft« der Präraffaeliten die die engl. Kunst zu einer stärkeren »Rückbesinnung auf die Natur« bewegen wollte. Nachdem viele eingereichte Bilder von der den offizielle Kunstgeschmack repräsentierenden Kunstausstellung, dem Pariser Salon, zurückgewiesen worden waren, stellte eine verhältnismäßig heterogene Gruppe von Künstlern ihre Werke im »Salon des Refusés« (dem Salon der Zurückgewiesenen) aus. Edouard Manets Gemälde Das Frühstück im Grünen löste 1863 einen heftigen Skandal aus. Ähnlich war es ein Jahr zuvor seinem Bild Musik im Tuileriengarten ergangen. Die neuen Malereien wurden mit vom Publikum nicht angenommen und die Maler mit dem revolutionären Malstil hieß man verächtlich »Realisten und Naturalisten«.

Abbildung: Impression.jpg

Claude Monet, »Impression – soleil levant«

Der Begriff »Impressionismus« kam nach der ersten von acht Gruppenausstellungen auf, als der Journalist Louis Leroy 1874 das im Studio des Pariser Fotographen Nadar präsentierte Gemälde Claude Monets »Impression – soleil levant« sarkastisch kritisiert hatte und meinte, dass »das einfachste Tapetenmuster künstlerisch anspruchsvoller« wäre. »Impressionisme« – an diesem Namen hielt man seitdem fest. Monet war der Impressionist par excellence und trieb die Entwicklung des Impressionismus am entschiedensten voran.

Die Maler des Impressionismus versuchten mit einer hellen Farbpalette und einer die Konturen auflösende Malweise Licht, Atmosphäre und Bewegung zu erfassen. Ihr Ziel war es, Landschaften, Personen und Gegenstände in ihren augenblicklichen Erscheinungsformen festzuhalten und die Schönheit des flüchtigen Eindrucks wiederzugeben. Mit ihren lichtdurchfluteten, luftig hingetupften Bildern wollten sie die Sinne und die zarten Schwingungen der Seele ansprechen.

Weitere wichtige Künstler der impressionist. Malerei in Frankreich waren Auguste Renoir, Edgar Degas, Camille Pissarro, Frédéric Bazille und Alfred Sisley. Zu den bekannten dt. Vertretern des Impressionismus zählen Max Liebermann, Lovis Corinth und Max Slevogt.

Bildhauerei

In der Bildhauerei führte der Impressionismus zu einer malerisch weichen Modellierung der Oberfläche und zur Herausarbeitung des Spiels von Licht und Schatten. Als (impressionistische) Künstler in diesem Bereich werden Auguste Rodin der Wegbereiter der Moderne in Plastik und Skulptur, Edgar Degas der sich in den letzten zwanzig Jahren seines Lebens auf das Modellieren von Skulpturen verlegte und der ital.-frz. Bildhauer Medardo Rosso genannt .

Musik

Als impressionistische Repräsentanten in der Musik um die Wende vom 19. zum 20. Jh. gelten vor allem Claude Debussy und Maurice Ravel. Wichtige Stilmittel sind die Auflösung tonalharmon. Verhältnisse, das Verwischen melod. und rhythm. Konturen sowie ein vielfältiges Mischen und Wechseln instrumentaler Klangfarben unter Bevorzugung extremer Lagen. Musikalischer Impressionismus ist angelegt auf gesteigerte Farbigkeit der Klänge, auf Naturstimmungen und Empfindungen. In C. Debussys Oper »Pelléas et Mélisande« erreichte der Impressionismus seinen Höhepunkt. Ein weiteres Hauptwerk des musikalischen Impressionismus ist das 1894 von Debussy frei nach Stéphane Mallarmé komponierte Prélude à l‘après-midi d‘un faune (Vorspiel zum Nachmittag eines Faunes).

Literatur

Neben einem Teil der Schriftsteller, Dichter und Literaten die schon im Umfeld des -> Symbolismus erwähnt sind, werden im Zusammenhang mit dem Impressionismus gelegentl. auch Guy de Maupassant, Arthur Schnitzler, Gabriele D’Annunzio, Richard Dehmel, Detlev von Liliencron, Hermann Bahr, Eduard von Keyserling, Richard von Schaukal und Peter Altenberg genannt. Besonders in der Lyrik, in Prosaskizzen und Einaktern versuchte man die Umwelteindrücke und Stimmungen des Augenblickhaften und Flüchtigen differenziert wiederzugeben. Berühmte Schriftsteller wie Charles Baudelaire und Émile Zola setzten sich in zahlreichen Artikeln und Salonkritiken für die impressionist. Malerei ein. Der Journalist und Politiker Antonin Proust war mit Manet befreundet und veröffentlichte 1897 die »Souvenirs de Manet«.

 

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