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Holocaustleugnung

Artikel #819, »Holocaustleugnung«, geschrieben von: B. Brockhorst(Red.) (99 %) et al.

Muster des Bestreitens

Jedem Muster des Bestreitens von Verbrechen der Nationalsozialisten in den Konzentrations- und Vernichtungslagern geht voraus die Behauptung, es gebe hierfür keine Beweise. Insbesondere fehle jeder schriftliche Befehl zu einer Vernichtung der Juden. Die Behauptung knüpft an an die Tatsache, dass die Nationalsozialisten die Pläne zum Holocaust einem kleinen Kreis Eingeweihter vorbehielten und so wenig schriftliche Belege wie möglich hinterließen, zudem begannen sie schon 1944 mit der Vernichtung von inkriminierenden Spuren in den Lagern, indem sie nicht oder nur unvollständig verbrannte Leichen durch erneutes Verbrennen verschwinden lassen wollten bzw. schließlich (als die sowjetische Armee näherrückte) die Gaskammern sprengten.

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Andere Anknüpfungspunkte sind:

  • Die Zahl der Opfer des Holocaust kann nur geschätzt werden, selbst geringfügig abweichende Zahlenangaben werden von den Holocaustleugnern dazu benutzt, die Glaubwürdigkeit der Forschung in Bezug auf die Geschehnisse der damaligen Zeit in Gänze in Frage zu stellen,
  • Die in den Gedenkstätten zu besichtigenden Gaskammern seien Rekonstruktionen (was z. T. zutrifft), daraus leiten sie ihre Behauptungen ab, es handele sich um Fälschungen, die keine Beweiskraft für den Holocaust hätten,
  • In der Bevölkerung gebe es keine Kenntnisse über chemische Vorgänge beim Einsatz von Zyklon B, das würde dazu genutzt, die breite Bevölkerung zu täuschen.

Von diesen Ansatzpunkten ausgehend, benutzen Holocaustleugner dann unterschiedliche Erklärungsmuster:

  • Verschwörungstheorie: Der Holocaust sei eine Erfindung der Juden bzw. der Alliierten, um Deutschland erpressbar zu halten und einem „internationalen Weltjudentum“ Geld in die Kasse zu spülen. Aber auch die Regierung der Bundesrepublik Deutschland (egal in welcher Besetzung, Rechtsextreme bekämpfen nicht Parteien, sondern das demokratische System als solches) gehöre zu dem Kreis, da sie eine angebliche Schwäche dadurch zeige, dass sie dem behaupteten Druck der jüdischen Interessengruppen nicht standhalte.
  • Relativierung: Die alliierten Truppen hätten am Ende des Zweiten Weltkriegs selbst zahlreiche Verbrechen verübt und beabsichtigten mit dem Vorwurf des Völkermords, ihre eigenen Taten zu vertuschen. Gegengerechnet werden in dem Kontext unter anderem gern die Bombenangriffe auf Hamburg und Dresden in der Endphase des Zweiten Weltkriegs,.
  • Verharmlosung: Die meisten KZ-Häftlinge seien an Krankheiten oder Entkräftung gestorben.
  • Behauptung einer Manipulation: Zeugen des Völkermords seien nicht glaubwürdig, vorhandenes Fotomaterial über die Einrichtungen der Lager sowie die Vernichtung und Verbrennung der Opfer seien Fälschungen und Fotomontagen.

Die Muster des Bestreitens des Holocausts sind mit der Zeit raffinierter geworden. Während die ältere Generation (Christophersen, Stäglich, Remer, Rassinier et al.) versuchte, ihren Behauptungen nach dem einfachen Muster Glaubwürdigkeit zu verleihen: „Wir können/wollen nicht glauben, was da passiert ist, und deshalb ist der Vorwurf des Völkermords unglaubwürdig“, sagen die jüngeren Holocaustleugner sinngemäß: „Wir würden ja gern glauben, dass der Holocaust geschah, aber aus unserer Sicht lässt das die Faktenlage nicht zu.“ Mit rhetorischen Wendungen stellen sie sich als Sympathisanten der seriösen Geschichtsschreibung dar, denen Zweifel gekommen seien.

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