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Fehling, Hermann

Artikel #3024, »Fehling, Hermann«, geschrieben von: G. Hedemann (Red.) (96 %) et al.

Fehling, Hermann Christian von (* 9. Juni 1811 in Lübeck; † 1. Juli 1885 in Stuttgart), dt. Chemiker; Entwickler der nach ihm benannten Lösung zur Bestimmung von Zuckern (um 1850).

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Leben und Werk

Abbildung: hermann-fehling.jpg

Hermann von Fehling

F., Sohn eines Lübecker Kaufmanns, machte nach dem Besuch der Bürgerschule und des Gymnasiums von 1827 an eine Ausbildung zum Apotheker in der Offizin u. dem Laboratorium des Apothekers Kindt in Lübeck und arbeitete von 1832–1835 bei dessen Bruder, ebenfalls Apotheker, in Bremen. 1835–37 studierte F. in Heidelberg Naturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Chemie, wurde Leopold Gmelins Assistent u. promovierte im Aug. 1837 zum Doktor der Philosophie. Danach arbeitete er in Gießen in Liebigs Laboratorium, wurde dessen Assistent u. ging im Herbst 1838 nach Paris, wo er bei Dumas u. im Laboratorium der Münze arbeitete. 1839 wurde er auf Liebigs Vorschlag zum Lehrer für Chemie und Technologie an der 1829 gegr. Vereinigten Real- und Gewerbeschule in Stuttgart berufen und nach zwei Jahren als Hauptlehrer fest angestellt (10. März 1841). Er war damit nach Titel und Rang einem Gymnasialprofessor gleichgestellt. Mit der Stelle verbunden war die vorübergehende württemberg. Staatsangehörigkeit, die er dann durch die Heirat mit der schwäb. Professorentochter Sophie Cleß dauerhaft erhielt. Wiss. Forschung war nicht Teil seiner dienstl. Pflichten, F. führte sie nebenher aus privatem Interesse fort. Die Schule wurde unter seiner Mitwirkung zur polytechnischen Schule und 1876 zur Technischen Hochschule. F. blieb dort 44 Jahre bis zu seinem durch einen Schlaganfall erzwungenen Ruhestand 1883.

F., dem eine bedeutende Lehrbegabung bescheinigt wird, sorgte für eine gründliche, praktische Ausbildung seiner Schüler im neueingerichteten Labor u. war damit führend in Württemberg. Die Landesuniversität in Tübingen führte das Laborpraktikum erst einige Jahre später ein.

F. Ruf u. Wirkungskreis reichte weit über die Lehrtätigkeit hinaus. Nachdem ein lebensgefährl. Blutsturz, den er 1854 während einer Reise in München erlitten hatte, ihn gezwungen hatte, die Labortätigkeit deutl. einzuschränken und schließl. ganz aufzugeben, verlagerte er seinen Arbeitsschwerpunkt auf die Wahrnehmung öffentlicher Ämter. Er war Mitglied des Medizinalkollegiums (seit 1870), der pharmazeutischen Prüfungskommission und als Technischer Rat des engeren Ausschusses und der Patentkommission der 1848 eingerichteten Zentralstelle für Handel und Gewerbe, des Vorläufers des Wirtschaftsministeriums. Damit verbunden war die Leitung eines analytisch-technischen Untersuchungslabors, die Erarbeitung zahlr. techn. Gutachten u. die Prüfung und Schlichtung von Patentansprüchen. Nach der Reichsgründung 1871 war er als württemberg. Delegierter F. Mitglied in zahlr. hygien., pharmazeut. und techn. Kommissionen, darunter die Kommission zur Neubearbeitung der Pharmacopoeia Germanica (1880). Er war außerdem Jurymitglied aller Weltausstellungen von 1846 bis 1873.

F. beschäftigte sich vor allem mit der technischen Chemie (Mineralwässer, Salinenwesen, Brotbereitung, Gerbmaterialien) und dem öffentlichen Gesundheitswesen. Für die analytische Chemie entwickelte er die zum Nachweis von Aldehydgruppen (besonders bei Kohlenhydraten) allgemein benutzte Fehlingsche Lösung, die es ermöglichte, den Zuckergehalt einer Flüssigkeit zu bestimmen ("Quantitative Bestimmung des Zuckers im Harn", 1848) u. widmete sich die nächsten Jahre ihrer Verbesserung.

Veröffentlichungen

F. wissenschaftliche Publikationen erschienen größtenteils in Liebigs Annalen der Chemie. Er erarbeitete außerdem mehrere Abschnitte im Kolbeschen "Lehrbuch der organischen Chemie", darunter die über Kohlehydrate, Glukoside, Farbstoffe, ätherische Öle u. Eiweißkörper, und redigierte seit 1896 die 1871 ersch. Auflage des "Neuen Handwörterbuchs der Chemie" (erschienen 1874–1930), einem Nachschlagewerk, das das gesamte chemische Wissen der Zeit zusammenfasste.

Ehrungen

F. wurde mehrfach geehrt und ausgezeichnet. Der König von Württemberg verlieh im das Ritterkreuz des Kronenordens, womit der persönliche Adel verbunden war (24. Sept. 1854). Später erhielt er den Titel eines Geheimen Hofrats u. das Komturkreuz des Friedrichsordens. Anläßlich der Einweihung eines neuen Flügels des Polytechnikums wurde ihm als Senior des Lehrerkollegiums der Titel Direktor verliehen. Kurz vor seinem Tode ernannte ihn die Deutsche Chemische Gesellschaft zu ihrem Vizepräsidenten.

Weblinks

 

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