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Fringsen

Artikel #5814, »Fringsen«, geschrieben von: B. Brockhorst (93 %) , Markus Schweiß(Red.) (2 %)

Fringsen, Begriff aus der Nachkriegszeit der ersten Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg für das Stehlen von Kohlen oder Lebensmitteln in geringem Umfang für den eigenen Gebrauch. Der Begriff leitet sich ab aus dem Namen des Kölner Erzbischofs Josef Kardinal Frings, der das bei der unter den Kriegszerstörungen und dem extrem kalten Winter 1946 leidenden dt. Bevölkerung längst üblich gewordene »Organisieren« von Briketts für den eigenen Ofen bzw. das Entwenden von Gemüse vom Acker in seiner Silvesterpredigt 1946 thematisierte.

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Wahrgenommen wurde von der Bevölkerung allerdings nur der erste Teil seiner Worte, was als Absolution für weitere Vergehen dieser Art aufgefasst wurde. Dass es dem Kardinal vielmehr darum ging, an das Unrechtsbewusstsein der Menschen zu appellieren, ist weitgehend untergegangen.

Am 31. Dez. 1946 stellte Frings in der von ihm gestalteten Silvestermesse in der St. Engelbert Kirche in Köln-Riehl dazu fest:

„Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann. Aber ich glaube, dass in vielen Fällen weit darüber hinausgegangen worden ist. Und da gibt es nur einen Weg: Unverzüglich unrechtes Gut zurückzugeben.“

Nur der erste Satz ging wie ein Lauffeuer durchs Land. Und der "Klüttenklau" (rheinisch: Klütte = Brikett) nahm überbordende Ausmaße an. Nun wurden nicht mehr nur für den eigenen Bedarf ein paar Briketts von Kohlenwaggons weggenommen, selbst wenn nur ein mit Kohle beladener Lastwagen auf der Straße hielt, wurde er regelrecht geplündert.

Die britische Besatzungsmacht wollte Frings wegen seiner Predigt zur Rede stellen; seine erste Einbestellung durch die Militärregierung für die Nordrheinprovinz am 17. Januar 1947 im Düsseldorfer Stahlhof ging für ihn aber glimpflich aus, weil der Wirtschafsdezernent, Ashbury, aufgehalten worden war. Nach 15 Minuten des Wartens ging Frings wieder. Am 2. Mai 1947 erwog die britische Militärführung im Rheinland, Frings polizeilich vorführen zu lassen, um ihn dazu zu bringen, seine Worte gegenüber der Bevölkerung klarzustellen, doch man ließ davon ab, weil die Befürchtung bestand, dass diese als "Verhaftung" missverständliche Aktion die überwiegend kath. Bevölkerung des Rheinlands gegen die brit. Besatzungsmacht aufbringen und keinesfalls das avisierte Ziel erreichen könnte.

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