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Fertigungsauftrag

Artikel #5775, »Fertigungsauftrag«, geschrieben von: Josef Kandl (Red.) (64 %) , Ulrich Fuchs (35 %)

Fertigungsauftrag, ist in der Fertigungswirtschaft eine interne Bestellung für ein eigengefertigtes Enderzeugnis, eine Baugruppe oder Einzelteil. Ausgelöst wird der Fertigungsauftrag i. d. R. von der Bedarfsermittlung in einem PPS-System. Aus den Auftragsdaten wie Auftr.-Nr., Bedarfsmenge und -Termin wird dann unter Zugriff auf die relevanten auftragsneutralen Erzeugnis-Stammdaten wie Teilestamm, Stückliste und Arbeitsplan der Fertigungsauftrag generiert. Dabei werden die Materialpositionen der Stückliste und die Arbeitsgänge des Arbeitsplans als gesonderte, auftragsbezogene Datensätze in den Fertigungsauftrag kopiert.

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Durchlauf durch die Fertigung

Von der Zeitwirschaft der PPS wird der Fertigungsauftrag regelmäßig aufgenommen und in einer Durchlaufzeitberechnung, i. d. R. einer sog. Rückwärtsterminierung terminiert. Ausgehend vom Bedarfstermin wird, mit dem letzten Arbeitsschritt beginnend, unter Berücksichtigung der Vorgabezeit je Arbeitsgang, der Transportzeit zwischen den Arbeitsfolgen und der Liegezeiten vor und nach der Bearbeitung für jeden Arbeitsgang und schließlich für den Fertigungsauftrag selbst jeweils ein Start- und Endtermin ermittelt. Die "klassische" PPS plant den Fertigungsauftrag dabei ohne Rücksicht auf Resourcenengpässe (Maschinen- und Materialverfügbarkeit etc.), also gegen infinite Kapazität. Modernere APS-Ansätze bemühen sich solche Restriktionen bei der Einplanung der Fertigungsaufträge zu berücksichtigen.

Stehen die geplanten Termine fest, können die Vorgabezeiten des Fertigungsauftrags bei den einzelnen auszuführenden Kapazitätsgruppen eingelastet werden. In Kapazitätsbelastungsprofilen wird die Auslastung der Kapazitäten in Stunden über die Zeitachse dargestellt.

Ein Freigabealgorithmus des Systems sorgt dafür, dass der Fertigungsauftrag rechtzeitig zum Starttermin freigegeben wird, jedoch so spät wie möglich, um der PPS eine Umplanung zu ermöglichen. Mit der Freigabe oder wird die Materialbereitstellung im Lager angestoßen. Ggf. werden Fertigungsauftragspapiere (Materialausgabescheine, Auftragsbegleitkarte, Lohnscheine, Lagerzugangsscheine etc.) gedruckt.

Ab jetzt übernimmt die Fertigungssteuerung bzw. der Leitstand den Fertigungsauftrag. Sie gibt die konkreten konkrete Anweisungen, welche der Kapazitätsgruppe (Hand- oder Maschinenarbeitsplätze) welche Arbeitsfolge eines Fertigungsauftrags als nächstes bearbeitet und steuert so die einzelnen Fertigungsaufträge nebst Ware und Begleitpapieren durch die Produktion/Fertigung bzw. die Montage. Der Arbeitsfortschritt an dem Fertigungsauftrag wird dabei häufig durch computergestütze Verfahren (z. B. Barcodelesegeräte) von den Kapazitätsgruppen an die Fertigungssteuerung/Leitstand zurückgemeldet. Wird im Akkord entlohnt, so werden auch die Istdaten für die Lohnabrechnung erfasst und an die entsprechenden Abrechnungssysteme weitergeleitet. Ebenfalls rückkemeldet wird evtl. Ausschuss, auf den die Disposition zu reagieren hat.

Nach Rückmeldung eines Arbeitsgangs wird der nächste freigegeben und gestartet. Bei Störfällen oder Terminverzug greift die Fertigungssteuerung mit geeigneten Maßnahmen ein (Materialverfügbarkeit sicherstellen (evtl. Ausweichlösung suchen), Maschinenreparaturen veranlassen, Überstunden ansetzen, Engpässe durch Auswärtsentlastung (verlängerte Werkbank) beseitigen, Prioritäten setzen oder verändern etc.).

Nach Beendigung des Fertigungsauftragsdurchlaufs durch die Werkstätten und nach abschließender Prüfung durch die Qualitätssicherung wird die produzierte Gutmenge dem Lager angeliefert oder »just in time« einer verbrauchenden Stelle (z. B. Montage der Enderzeugnisse) zugeführt. Damit wird der Fertigungsauftrag im PPS-System fertiggemeldet und die systeminterne Bestellung wird durch einen Lager- oder Werkstattbestand abgelöst.

Bewertung

Während der Abarbeitung eines Fertigungsauftrags leistet die Organisation Wertschöpfung. Der Wert der dem Lager zugeführten Endprodukte ist höher als der des vom Lager abgebuchten Materials; dem gesteigerten Lagerwert stehen entsprechende Aufwendungen für Löhne, Maschinenabschreibungen etc. gegenüber.

Wird der Wertefluss eines Produktionsauftrages datentechnisch erfasst, so muss für den aktuell in den Produktions-/Montagehallen befindlichen Wert der Fertigungsaufträge die sog. Arbeit in Umlauf (AiU), üblicherw. für jeden Fertigungsauftrag einzeln, errechnet werden. Wird für einen Fertigungsauftrag vom Lager Material abgebucht, erhöht dessen Wert die AiU (während gleichzeitig der Lagerwert entsprechend reduziert wird). Ebenso werden rückgemeldete Arbeits- und Maschinenlaufzeiten mit einem Stundensatz multipliziert und in die AiU gebucht. Werden vom Fertigungsauftrag Endprodukte aufs Lager gebucht, wird die AiU um den entsprechenden Wert reduziert und der Lagerwert erhöht. Nach der Fertigstellung kann der Fertigungsauftrag unter Bezug auf die zurückgemeldeten Istdaten nachkalkuliert werden. Dabei muss - da der Fertigungsauftrag nun abgearbeitet ist - die AiU wieder auf den Wert Null zurückgeführt werden. Wurde zur Wertberechnung der Endprodukte die Istkostenrechnung genutzt, so ist dies automat. Im Falle einer Bewertung zu Plankosten können für den Fertigungsauftrag aufwandswirksame Ergebnisbuchungen (Produktionsabweichungen) entstehen, mit denen die AiU auf Null gebracht wird.

 

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