Fahrrad, einspuriges (Straßen)-Fahrzeug, das mit menschl. Muskelkraft betrieben wird. Meist erfolgt die Kraftübertragung heute durch einen mit den Beinen betätigten Kurbeltrieb über eine Kette und eine Freilaufeinrichtung auf das Hinterrad. Das Gleichgewicht während des Fahrrad-Fahrens wird durch minimale Balancierbewegungen des Fahrers erzeugt, die eine gewisse Übung erfordern; im mittleren Geschwindigkeitsbereich begünstigen in den Rädern auftretende Kreiselmomente die Stabilität. Bei höheren Geschwindigkeiten ab 20 Kilometer pro Stunde wird das System von Fahrrad und Fahrer im wesentlichen durch seine Massenträgheit aufrecht gehalten, wobei der Massenschwerpunkt des Systemes im Zusammenwirken mit den Fliehkräften ständig um das labile Gleichgewicht pendelt.
Bedeutung
Das Fahrrad, das erste in Massen verbreitete Individualverkehrsmittel und das erste Fahrzeug im Leichtbau, entwickelte sich während des 19. Jh von der durch Karl Drais ersonnenen Draisine bis zu seiner heutigen Form. In den Industrieländern dient es heute in erster Linie der Freizeit und weniger als Alltagsverkehrsmittel sowie als Transportfahrzeug für Lasten. Für die Zukunft wird dem Fahrrad unter dem Druck steigender Preise für die Brennstoffe von Kraftfahrzeugen eine zunehmende Bedeutung vorhergesagt. Zum 03.06.2007 befanden sich insgesamt 66,8 Millionen Fahrräder in den bundesdeutschen Haushalten.1
In Deutschland sind Radfahrer in Verbänden wie dem ADFC zusammengeschlossen.
Bauteile
Ein modernes Fahrrad besteht im Wesentlichen aus:
- Fahrradrahmen,
- Tretlager mit Kurbeln und Kettenblatt,
- Rechtes und linkes Fahrradpedal mit Rückstrahlern,
- Nabe mit Nabenbremse und Stromerzeuger für die Lichtanlage,
- Fahrradständer,
- Vorderradgabel und Steuerlager,
- Laufrad mit Felge, Speichen, Reifen und Seitenreflektoren,
- Lenker mit Vorbau und diversen Anbauten,
- Scheinwerfer mit Frontreflektor,
- Sattel und Sattelstütze,
- Gepäckträger,
- Rücklicht mit automatischem Standlicht,
- Rückstrahler,
- Freilauf, Fahrradschaltung und Nabenbremse,
- Fahrradkette,
- Werkzeugtasche,
- Schutzblech.
Fahrradtypen
Grob lassen sich die heutigen Fahrräder in zwei Klassen einteilen:
- Tourenrad
- Hollandrad, ursprünglich aus den Niederlanden stammendes Rad mit sehr aufgerichteter Sitzposition,
- Citybike, alltagstaugliches Rad mit Vollausstattung für den Betrieb über das ganze Jahr,
- Reiserad, vor allem für eine Fernreise geeignetes Rad mit optimalen Funktionen für den Gepäcktransport,
- Liegerad, Spezialrad mit liegender Position des Fahrers für hohe Geschwindigkeiten,
- Lastenrad, Rad zum Transport von Lasten und Gütern,
- Faltrad, auch Klapprad, für den Transport zusammenlegbares Fahrrad,
- Tandem, Fahrrad für die Nutzung von mehr als nur einer Person
- Rikscha, Fahrrad für den Transport von Fahrgästen.
- Sportrad
- Bahnrad, Rad für die Austragung von sportlichen Veranstaltungen auf einer festen Rennbahn
- Rennrad, Fahrrad für Rennveranstaltungen auf der Straße,
- Moutainbike, sportliches Rad für Querfeldeinrennen, insbesonders im Gebirge,
- Kunstrad, Rad als Turngerät für die Austragung von akrobatischen Wettbewerben, Ausstattung meist ohne Freilauf.
Daneben existiert eine ganze Reihe weiterer Fahrradtypen. Tourenräder zeichnen sich durch eine vollständige Ausstattung aus bei einem Gewicht von bis zu 20 kg; bei sportlich genutzten Fahrräder wird weitestgehend an der Ausstattung gespart, solche Fahrräder wiegen teilweise weniger als 10 kg. Aufgrund der Einsparung sind solche Fahrräder nur bedingt alltagstauglich.
Diese traditionelle Unterteilung verwischt gegenwärtig zunehmend, der derzeitige Trend im Fahrradbau geht zu Herstellung von Hybriden, welche die Eigenschaften beider Klassen vereinen. Eine Sonderstellung unter den Tourenrädern nehmen mit den Pedelecs Fahrräder ein, die zur Unterstützung des Fahrers mit einem akkumulatorgespeistem Elektromotor betrieben werden.
Verkehrstechnische Anforderungen
Für den Betrieb im Straßenverkehr muss ein Fahrrad nach der StVZO mit zwei unabhängig voneinander wirkenden Bremsen ausgestattet sein, hinzu kommt die Forderung nach diversen Reflektoren, einer batterieunabhängigen Lichtanlage sowie als akustisches Signalmittel eine Fahrradglocke. Für Sporträder gelten teilweise andere Vorschriften, beispielsweise dürfen Räder unter 11 kg Gewicht auschließlich mit batteriebetriebenen Lichtanlagen ausgestattet werden.
Qualitätsunterschiede
Abhängig vom Preis gibt es bei Fahrrädern erhebliche Qualitätsunterschiede. In diesem Zusammenhang ist die Entwicklung des Fahrrades von diversen Modeerscheinungen geprägt, so wurden in den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts billigst produzierte Klappräder angeboten. In der aktuellen Zeit werden ebenfalls preisgünstige Fahrräder produziert; der Markt wird jedoch von qualitativ hochwertigen Fahrräder dominiert.
Literatur
- Roletschek, Ralf (Hauptautor): Fahrräder; Typen, Technik, Praxis; Aus der freien Enzyklopädie Wikipedia zusammengestellt; Zenodot-Verlagsgesellschaft ISBN-10 3-86640-006-X
- Herzog, Ulrich: Fahrrad für Kenner, Der Weg zum Individualrad; Verlag Moby Dick; Kiel 1994; ISBN 3-922843-02-6
- Briese, V.; Matthies; W., Renda, G.; (Herausgeber): Wegbereiter des Fahrrads; Bielefelder Verlagsanstalt; Bielefeld 1997; ISBN 3-87073-237-7
- De Leuw, Peter: Fahrräder; Richtig auswählen; Sicher fahren; Herausgeber: DIN Deutsches Institut für Normung e.V.; Beuth-Verlag Berlin, Wien, Zürich; Berlin 2006; ISBN 3-410-16487-1
Normen
- DIN ISO 8090: Fahrräder - Terminologie
- ISO 4210: Fahrräder - Sicherheitstechnische Anforderungen an Fahrräder
- DIN EN 14764: City- und Trekking-Fahrräder - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 14765: Kinderfahrräder - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 14766: Geländefahrräder (Mountainbikes) - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 14781: Rennräder - Sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren
- DIN EN 15194: Fahrräder - Elektromotorisch unterstützte Räder - EPAC-Fahrräder
1) ↑ http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/zdw/2007/PD07021p002.psml

