Die Erschießung Kaiser Maximilians ist ein Gemälde des Malers Édouard Manet. Das 2,52 x 3,05m große Bild aus dem Genre der Historienmalerei, das der Maler nach einigen Vorentwürfen 1868 fertigstellte, hängt heute in der Kunsthalle in Mannheim.
Hintergrund
Napoléon III., der - wenig erfolgreich in seiner Außenpolitik in Europa - in Mexiko eine an Frankreich gekoppelte, franco-sprachige und katholische Dependance als Widerpart gegen die nördlichen Staaten des anglosprachig geprägten Amerikas zu begründen suchte, schickte ab 1861 immer mehr Truppen seines Heers (insgesamt 40000 Soldaten) nach Übersee, um die von inneren Unruhen geschüttelte Region zu befrieden. Einen potenziellen Regenten für das Land fand er in Erzherzog Ferdinand Maximilian von Österreich. Am 10. April 1864 wurde dieser gegen den Widerstand des mexikanischen Volkes zum Kaiser von Mexiko ausgerufen. Doch wollten weder die Mexikaner noch die amerikanischen Staaten oberhalb von Mexiko, die sich zu der Zeit noch im Sezessionskrieg befanden, sich mit der Landnahme seitens des frz. Kaisers abfinden. Nachdem die amerikanischen Staaten 1864 ihren Bürgerkrieg beendet hatten, unterstützten sie in besonderem Maße den von den Franzosen abgesetzten mexikanischen Präsidenten Benito Juárez. Unter dem Druck der USA konnte und wollte Napoléon III. auf diesem Überseegebiet nicht weiter wirken und zog seine Soldaten 1866 komplett zurück. Von da an war der "Kaiser von Mexiko" sehr allein; er wurde am 14. Mai 1867 entmachtet, anschließend vor einem Kriegsgericht abgeurteilt und am 19. Juni 1867 bei „Tres Campanas“ im Bundestaat Querétaro von einem mexikanischen Erschießungskommando hingerichtet.
Das Bild
Napoléons Verhalten gegenüber Maximilian füllte die frz. Tagespresse und wurde in der Öffentlichkeit heftig diskutiert. Mit Blick auf den Pariser Salon, die renommierte Kunstausstellung, bereitete sich Manet mit dem politisch brisanten Thema 1 ½ Jahre vor, u. a. mit einer kleineren Ölstudie, einer Litographie (die Zensur verbot, hiervon Abzüge zu verkaufen) und drei monumentalen Gemälden. Keines davon konnte er zu Lebzeiten ausstellen oder verkaufen. Die Jury des Salons beschied ihm 1869, das Bild (in der hier im Artikeleingang eingebundenen Version), das er für den Wettbewerb eingereicht hatte, für gelungen zu befinden, aber es passe nicht in die Ausstellung.
Vorbild: Erschießung der Aufständischen
Bei der Bildanordnung hat offensichtlich ein anderes Gemälde Vorbild gestanden: Francisco de Goyas "Erschießung der Aufständischen" aus dem Jahr 1814. Die Anordnung von Opfern und Exekutierern ist genau dieselbe und wie bei Goya zeigt das Exekutionskommando dem Betrachter die abgewandte Schulter und bleibt gewissermaßen gesichtslos.
Dem Kaiser Maximilian hat Manet einen Sombrero aufgesetzt, möglicherweise als Symbol, dass dieser Affinität hatte zu dem Volk, das ihn nun hinrichtet. Von der mexikanischen Bevölkerung werden einige wenige Zeugen des Geschehens, das sie über die Mauer schauend beobachten. Was das Bild aus Sicht der Zensur als ungeeignet für das zeitgenössische Publikum werden ließ, ist die Darstellung des Exekutionskommandos und seines Befehlshabers. Es waren wohlgemerkt Mexikaner, die Maximilian töteten. Auf einer ersten Fassung des Gemäldes, die heute in einem Museum in Boston hängt, ist das Erschießungskommando deshalb mit Pluderhosen und Sombreros bekleidet. Die Ausstattung des hier zu sehenden Exekutionskommandos gemahnt hingegen an frz. Soldatenuniformen. Der hinter den Männern stehende Befehlshaber, der andächtig seine Büchse spannt, für den Fall, dass Maximilian noch nicht tot sein würde und er ihm den Gnadenschuss verpassen muss, erinnert an den jungen Napoléon III. -- einen Oberlippenbart sowie geradlinig am Kinn entlanglaufenden Bart hat der Kaiser Zeit seines Lebens getragen.
Was Manet hiermit gemalt hat, fasste der Schriftsteller Émile Zola mit knappen Worten zusammen: "Frankreich erschießt Maximilian." Die Signatur Manets sowie die Jahreszahl ist bei dem hier eingebundenen Bild nicht mit abgebildet (beides befindet sich im Original in der linken unteren Ecke). Obgleich erst Ende 1868 fertiggestellt, verpasste der Maler dem Bild die Datumsangabe 19. Juni 1867, dem Tag der Hinrichtung Maximilians, des Kaisers von Mexiko.






