Deutschland (offizielle Bezeichnung: Bundesrepublik Deutschland), dicht besiedelter (Fläche 357.000 km², 82,43 Mio. EW) mitteleurop. Staat, parlamentarische Demokratie mit der Hauptstadt Berlin.
Staatsoberhaupt ist der von der Bundesversammlung gewählte Bundespräsident (derz. Christian Wulff), Regierungschef der vom Bundestag gewählte Bundeskanzler (derz. Angela Merkel). Das bevölkerungsreichste Land Europas ist geprägt von der Verantwortung seines Vorläuferstaates, des deutschen Reiches, stellt sich der Verantwortung für die Gräuel der Nationalsozialistischen Diktatur und den daraus resultierenden Kriegsfolgen.
Der Zweite Weltkrieg führte - nach der Niederlage des unter der Nationalsozialistischen Diktatur geführten Deutschen Reichs dazu, dass Deutschland ab 1949 bis 1990 in zwei Staaten geteilt war, nämlich in die DDR (Selbstbezeichnung: Deutsche Demokratische Republik) und in die Bundesrepublik Deutschland, ein Resultat der räumlichen Besetzung durch die alliierten kriegsteilnehmenden Nationen. Denn große Teile des Westens waren nach Kriegsende von militärischen Einrichtungen der Engländer, Amerikaner und Franzosen kontrolliert; der Osten des untergegangenen "Dritten Reichs" befand sich unter Kontrolle der Sowjetunion.
Erst 1990 gelang - unter der Regierung von Helmut Kohl und mit Billigung seitens der Regierung der Sowjetunion - die Wiedervereinigung. Seitdem findet die Bevölkerung der beiden Teile in einem vereinzelt mühsamem Prozess zusammen und lernt, mit einer über fünfzig Jahre getrennten kulturellen Entwicklung umzugehen und das Land wieder als Ganzes zu sehen. Die Folgen von Teilung und Wiedervereinigung sind wirtschaftl. spürbar, dennoch gehört die Bundesrepublik Deutschland zu den wirtschaftl. stärksten der Erde.
Geologie, Geographie und Klima
Deutschland liegt mit einer Fläche von ca. 357.000 km² ungefähr im Zentrum Europas, in groben Zügen in etwa von der Nord- und Ostsee im Norden bis hinein in die Alpen im Süden, sowie von Rhein und Ems im Westen bis zur einer aus Oder, Erzgebirge und Böhmerwald gebildeten Linie im Osten.
Die Nachbarländer sind Dänemark (im Norden), Polen und Tschechien (im Osten), Österreich und Schweiz (im Süden), Frankreich Luxemburg, Belgien und Niederlande (im Westen). Deutschland hat ihre Küsten an der Nordsee und der Ostsee festgelegt, wobei die Ostfriesischen Inseln, Helgoland und der Großteil der Nordfriesischen Inseln dt. Staatsgebiet sind.
Deutschland ist in drei landschaftl. Großräume geteilt: Den Norden bildet die Norddeutsche Tiefebene, die sich im wesentl. eben bis leicht hügelig präsentiert. Den Süden prägen die Alpen und das Alpenvorland. Dazwischen liegen die deutschen Mittelgebirge.
Verfassung
Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland ist das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland (Abk.: GG), es trat am 24. Mai 1949 in Kraft. Deutschland ist gegliedert in 16 teilsouveräne Länder: Baden-Württemberg, Bayern, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen und die Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg.
Die parlamentarische Demokratie ist durch ein Zweikammernsystem ausgebildet. Die erste Kammer, der Bundestag, geht aus bundesweiten Wahlen hervor, die alle vier Jahre stattfinden. Die zweite Kammer, der Bundesrat wird aus den Regierungen der Länder gebildet.
Der Regierung steht der vom Bundestag gewählte Bundeskanzler vor. Er bestimmt die Richtlinien der Politik. Staatsoberhaupt mit dem Grunde nach rein repräsentativer Funktion ist der von der Bundesversammlung gewählte Bundespräsident. Einfluss auf Regierungsvorgänge hat er nur insoweit, als dass es an ihm hängt, ob ein Gesetz in Kraft tritt, denn dies kann nur mit seiner Unterschrift geschehen.
Hauptstadt, Regierungs- und Parlamentssitz ist Berlin. Einige Ministerien sowie Abteilungen von Ministerien haben ihren Sitz nach wie vor in der Stadt Bonn, die bis 1994 Hauptstadt war.
Außenpolitik
Zum Zweck der Herbeiführung und Sicherung einer "friedlichen und dauerhaften Ordnung in Europa und zwischen den Völkern der Welt" ermöglicht §24 GG die Beschränkung der Hoheitsrechte des Bundes und die Eingliederung Deutschlands in internationale Institutionen. Deutschland ist Mitglied der vereinten Nationen, der europäischen Union und der NATO. Der Prozess der Europäischen Einigung wurde von allen Regierungen seit Bestehen der Bundesrepublik aktiv vorangetrieben.
Militärisch engagiert sich Deutschland mit der Bundeswehr derzeit insb. im Rahmen der internationalen Verbände auf dem Balkan (KFOR, EUFOR) und in Afghanistan (ISAF).
Religion
Hauptartikel: Deutschland - Religionen
Das Grundgesetz garantiert gemäß Art. 4 GG Religionsfreiheit. Staatliche Förderung wird einigen religiösen Organisationen aus geschichtlichen oder kulturellen Gründen gewährt. Es besteht keine Eintragungspflicht für Religionsgemeinschaften. Die meisten Religionsgemeinschaften sind allerdings eingetragen und werden als gemeinnützige Vereinigungen behandelt, die zu einem gewissen Grad Steuerfreiheit genießen. Es gibt keine offiziellen Statistiken über Religionen, inoffizielle Schätzungen und Zahlen von Religionsgemeinschaften ermöglichen jedoch einen ungefähren Überblick über die Mitgliedszahlen der Konfessionen des Landes.
Die Römisch-Katholische Kirche hatte eine Mitgliedschaft von ungefähr 26,5 Millionen. Die Evangelische Kirche, ein Zusammenschluss der Lutheranischen, Unierten Evangelischen und Evangelisch-Reformierten Kirche, hat in etwa 26,2 Millionen Mitglieder. Gemeinsam machen die Mitglieder dieser Kirchen etwa zwei Drittel der Bevölkerung aus. Orthodoxe Christen gibt es 1,4 Millionen. Es gibt 3,3 Millionen Muslime (2001), davon Sunniten: 2,2 Millionen (2001); Aleviten: 340.000 (2000); Schiiten: 170.000 (2000). Etwa 210.000 Buddhisten und 190.000 Juden leben in Deutschland, weiterhin 166.000 Zeugen Jehovas. Die Zahl der Hindus beläuft sich auf 97.500. Schätzungsweise 21 Millionen Personen oder ein Viertel der Bevölkerung gehören entweder keiner Religionsgemeinschaft an oder sind Mitglied in nicht aufgeführten religiösen Organisationen.
Die meisten öffentlichen Schulen bieten evangelischen und katholischen Religionsunterricht in Zusammenarbeit mit diesen Kirchen und, bei einer ausreichenden Zahl von Interessenten, auch jüdischen Religionsunterricht an. Je nach Bundesland haben die Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen wollen, die Möglichkeit, ein nichtreligiöses Fach Ethik oder eine Freistunde unter Aufsicht zu wählen. 2004 wurde der Islamunterricht an öffentlichen Schulen landesweit kontrovers diskutiert. Bildung liegt im Verantwortungsbereich der Länder, und da keine landesweite islamische Organisation existiert, die alle Bundesländer als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkennen, variiert Form und Inhalt des Islamunterrichts von Bundesland zu Bundesland. Organisationen, die in einigen Ländern muslimischen Unterricht anbieten, sind keine Körperschaften des öffentlichen Rechts.
Geschichte
Noch bis ins 19. Jh hinein war das Gebiet des heutigen dt. Staates ein heterogenes Gebilde aus Königreichen und Fürstentümern, die unter dem Dach des heiligen römischen Reiches (deutscher Nation) unter wechselnden Kaiserdynastien nur lose verbunden waren. Nach dem durch die napoleon. Kriege ausgelösten formellen Ende dieses Reiches 1806 wurde 1815 auf dem Wiener Kongress zunächst der Deutsche Bund noch unter der Beibehaltung dieser Kleingliedrigkeit etabliert.
Der Beginn der Geschichte Deutschland als Nationalstaat ist somit erst im Jahr 1866 anzusiedeln, als nach dem Sieg Preußens im dt. Krieg der Norddeutsche Bund und nach dem dt.-Französischen Krieg im Jahr 1871 das dt. Reich gegründet wurden. Zum d. Kaiser wurde der preußische König Wilhelm I. ausgerufen; Reichskanzler wurde Otto von Bismarck, der die „saturierte“ Außenpolitik mit einem Verzicht auf weitere Gebietsansprüche prägte und als Zugeständnis an die erstarkte Arbeiterschaft die Sozialversicherungen einführte.
1890 entließ Wilhelm II. Bismarck und nahm durch eine imperialistischere Außenpolitik in Kauf, dass sich in Europa gegen Deutschland gerichtete Bündnisse bildeten, die 1914 den 1. Weltkrieg als unvermeidliche Lösung der außen- und auch der zunehmenden innenpolitischen Spannung erscheinen ließen. Aufgrund von Hungersnöten und ausbleibender militärischer Erfolge nahm die anfängliche Kriegsbegeisterung in der Bevölkerung rasch ab. Nach einer Meuterei in der Hochseeflotte breitete sich im November 1918 in Deutschland eine Revolution aus, die zur Kapitulation und zur Gründung der Weimarer Republik unter dem sozialdemokratischen Reichskanzler Friedrich Ebert führte.
Deren Anfangsjahre waren von Auseinandersetzungen um die im Versailler Vertrag fixierten Reparationszahlungen bestimmt, die 1923 zur Hyperinflation führten. Eine Währungsreform und die Reduzierung der Reparationsforderungen brachten dem Land in den folgenden fünf Jahren eine kurzfristige Erholung der Wirtschaft, die 1929 mit der Weltwirtschaftskrise jedoch endgültig kollabierte. Die dadurch bedingte dramatische Arbeitslosigkeit führte zu einer Radikalisierung des politischen Klimas, in deren Folge die NSDAP unter Adolf Hitler immer mehr Einfluss gewann.
1933 wurde Hitler zum Reichskanzler ernannt und ersetze in einem „Machergreifung“ genannten Prozess alle demokratischen Elemente durch eine „gleichgeschaltete“ Diktatur. Mißliebige Politiker, Juden und andere „Systemfeinde“ wurden zur Emigration getrieben oder in Konzentrationslager verschleppt und millionenfach ermordet (-> Holocaust), Wirtschaft und Militär auf einen Krieg vorbereitet. Im Rahmen einer aggressiven Außenpolitik konnte Hitler zunächst zahlreiche Staaten und Regionen annektieren, ohne daran von den Alliierten gehindert zu werden. Erst der Überfall auf Polen 1939 führte zur Kriegserklärung der Bündnispartner England und Frankreich und damit zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. Die anfängliche Erfolge der Wehrmacht wurden propagandistisch ausgeschlachtet, nach dem Überfall auf die Sowjetunion 1941 und der Kriegserklärung an die USA blieben die Offensiven jedoch stecken; 1945 akzeptierte das komplett besetzte Deutschland die bedingungslose Kapitulation.
Mit der Teilung 1949 in die westliche Bundesrepublik und die östliche DDR manifestierte sich der beginnende Kalte Krieg. Während in der demokratisch organisierten Bundesrepublik dank eines Wiederaufbauprogramms der USA ein „Wirtschaftswunder“ stattfand, musste die kommunistische DDR immense Reparationsleistungen an die Sowjetunion liefern. Immer mehr Menschen wanderten aus der DDR aus, bis 1961 mit dem Bau der Mauer im geteilten Berlin die Teilung Deutschlands offensichtlich wurde, die bereits zuvor durch die Eingliederung der Bundesrepublik in das westliche Militärbündnis NATO und den westeuropäischen Wirtschaftsraum EG im Gegensatz zur DDR-Mitgliedschaft im Wahrschauer Pakt und im RGW fixiert wurde. 1963 trat Konrad Adenauer, der als Bundeskanzler diese Westintegration forciert hatte, zurück. Da das Wirtschaftswunder eine gesellschaftliche Entwicklung und eine Diskussion der Vergangenheit überdeckt hatte, kam es ab 1967 zu studentischen Protesten, in deren Folge 1969 Willy Brandt zum Bundeskanzler gewählt wurde. Dieser akzeptierte im Rahmen der „Ostverträge“ mit der DDR, Polen und der Sowjetunion erstmals den Status Quo eines geteilten Deutschlands.
1989 zwangen zunehmende Proteste der Bevölkerung sowie wirtschaftliche und finanzielle Gründe die DDR-Führung unter Erich Honecker, die Grenzen zur Bundesrepublik zu öffnen und schließlich einer Wiedervereinigung Platz zu machen. Diese Entwicklung beschleunigte auch die Europäische Einigung, in deren Folge 1999 auch in Deutschland die Gemeinschaftswährung Euro eingeführt wurde.


