Computer Integrated Manufacturing, (CIM, engl.: »Computer unterstützte Fertigungsindustrie«), ein seit den 1980er Jahren favorisiertes Organisations- und Datenverarbeitungskonzept, welches versucht die verschiedenen computergestützten Teilsysteme eines Fertigungsunternehmens zu integrieren und auf eine einheitliche Datenbasis zu stellen. Ziel ist es, die primär betriebswirtschaftlichen, auftragsbezogenen und planerischen Funktionen mit den primär technischen, produktbezogenen Funktionen ggf. über geeignete Schnittstellen zu verknüpfen. War in der urspr. Konzeption des CIM noch der Gedanke an vollautomatisierte, menschenleere Fabriken enthalten, so ist dieser technikzentrierte Überschwang heute einer eher praktischen Herangehensweise gewichen, die versucht, Prozesse weitgehend zu beschleunigen und Anwender von der Notwendigkeit zu entlasten, in einem System bereits bestehenden Daten erneut in ein anderes eingeben zu müssen.
Im betriebswirtschaftlichen Teil dominiert in der Planungsphase i. d. R. ein PPS- oder ERP-System welches ausgehend vom Absatzplan unter Berücksichtigung schon vorhandener Kundenaufträge und der zur Verfügung stehenden Kapazitäten einen Produktionsplan generiert und die Beschaffung von ungedeckten Bedarfen für Fremdbezugsteile/Aggregate im Einkauf und von Eigenproduktionsteilen/-Baugruppen in der Fertigung anstößt indem sie Lieferantenbestellungen und Fertigungs- bzw. Montageaufträge generiert und freigibt.
Der technisch-produktbezogene Bereich geht in der Planunsphase vom CAE-Produktentwurf für neue Enderzeugnisse aus (Anforderungsprofile, Pflichtenhefte, Funktionalität), entwickelt die Details in der CAD-Konstruktion und plant die Fertigungsmethoden im der Computer Aided Planning (CAP, Arbeitsplanung und NC-Programmierung). Dabei wird die gemeinsame Datenbasis in Form von Teilestämmen, Stücklisten, Arbeitsplänen und Betriebsmitteln aufgebaut bzw. fortgeschrieben.
Eine besondere Schwierigkeit und Konfliktpotential ergibt sich bei der Gestaltung des CIM-Layouts hinsichtlich der Frage nach der Hierarchie der Computer-Teilsysteme: Unterschiedl. Funktionen im Unternehmen bedingen u. U. unterschiedl. Produktsichten (bspw. können in der Konstruktion als getrennte Baugruppen gesehene Einheiten in der Montage als eine Einheit begriffen werden). Meist wird dem PPS- oder ERP-System die Führung und Steuerung der anderen CIM-Bausteine übertragen, ggf. wird ihm noch eine eigene Software zum Produktdatenmanagement (PDM) vorgeschaltet. Als schwierig und in der Praxis nur selten durchgängig integriert gestaltet sich insb. in der Fertigungsindustrie die Kopplung des geometrieorientierten CADs und des letztlich auf Maschinenfahrwege bezogenen CAPs. Verfahren, mit denen bspw. vollautomatisiert aus Werkstückgeometrien Bearbeitungsanweisungen generiert werden, bleiben bislang vorwiegend im akademischen Bereich stehen und erweisen sich bislang als wenig praxistauglich. Aus dem CIM-Ansatz heraus haben sich jedoch die Rapid-Prototyping-Verfahren entwickelt, die heute zum Teil als ein übliches Fertigungsverfahren genutzt werden (bspw. in der Medizintechnik), hier also CIM durchgängig realisieren.
In der Realisierungsphase, in der Produktion treffen und verzahnen sich betriebswirtschaftliche Teilsysteme mit denen der technischen Fertigungsprozesse (s. a. Y-Modell ((CIM)).
Auf der betriebswirtschaftlichen Seite geht es um die Fertigungssteuerung und Betriebsdatenerfassung (BDE) in der eigenen Fertigung, um die nach Menge, Termin und Qualität optimale Beschaffung von fremdbezogenen Teilen und Materialen von Lieferanten, um evt. mitlaufende Nachkalkulation (Mengen, Zeiten, Kosten), um kundenbezogene Montagesteuerung für Enderzeugnisse und um die Versandsteuerung und Auslieferung an die Kunden.
Auf der technischen Seite stehen die Computer unterstützte Fertigung (CAM) mit der Steuerung von NC-, CNC- und DNC-Produktionsmaschinen, -Robotern und -Anlagen, der Transportsteuerung, der Lagersteuerung, der Montagesteuerung für Vormontagen, der Überwachung von Instandhaltungsprozessen und der CAQ-Qualitätssicherung im Rahmen moderner Qualitätsmanagementtechniken (z. B. ISO9000:2000) im Vordergrund.
in den letzten Jahren hat sich die CIM-Philosophie erweitert und nimmt inzwischen die gesamte logistische Kette unter Einbindung der Lieferanten in die eigenen Materialwirtschaftsprozesse bis hin zur Markt- und Kundenanbindung durch computergestützte Servicekonzepte für Produkt-Auslieferung, -Montage, -Wartung und Ersatzteilversorgung in den Blick.
Systeme der Finanz- und Anlagenbuchhaltung, des Controllings, der Personalwirtschaft und der Verwaltung runden die Unternehmensprozesse ab und stehen mit den CIM-Funktionen, oft über »maßgeschneiderte« Datenschnittstellen, in enger Wechselbeziehung.




