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Bernhard von Clairvaux

Artikel #3263, »Bernhard von Clairvaux«, geschrieben von: Josef Kandl (95 %)

Abbildung: Bernhard von Clairvaux.JPG

Bernhard von Clairvaux

Bernhard von Clairvaux (* 1090 in Fontaines-lès-Dijon, Burgund; † 20. Aug. 1153 in Clairvaux), Abt, Mystiker, Heiliger, und Kirchenlehrer. Bernhard wurde 1115 zum Vorsteher der Abtei von Clairvaux ernannt, die sich unter seiner Führung zur bedeutendsten Zisterzienserabtei entwickelte. Von hier aus gründete er weitere 68 Klöster. Bernhard von Clairvaux unterstützte Papst Innozenz II. im Schisma von 1130 und war Gegner in der Auseinandersetzung um Peter Abaelard. Ihm wird auch die Gründung des Templerordens zugeschrieben, dessen kirchl. Anerkennung er 1139 erwirkte. Sein mitreißendes Predigttalent stellte er in den Dienst des 2. Kreuzzuges und entfachte damit in ganz Europa eine Welle der Begeisterung (Predigt von Vézelay, 1146). Bernhard lehnte zeitlebens hohe kirchl. Ämter ab und blieb Mönch. An der Entwicklung und rasenten Ausbreitung des Zisterzienserordens in Europa hatte Bernhard von Clairvaux entscheidenden Anteil. Bei seinem Tod zählte dieser schon 333 Klöster. Bernhard gilt neben Franz von Assisi als eine der großen Heiligengestalten des Mittelalters. Er wurde in Cluny beigesetzt. Sein Haupt gehört seit 1813 zum Domschatz in Troyes. Am 18. Jan. 1174 wurde Bernhard von Papst Alexander III. heiliggesprochen und 1830 von Papst Pius VIII. zum Kirchenlehrer (»doctor ecclesiae«) erhoben. Die Imker und Wachszieher machten den »doctor mellifluus« zu ihrem Patron. Bernhards Festtag ist der 20. August.

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Leben und Wirken

Jugend

Bernhard von Clairvaux wurde in der Burg von Fontaines-lès-Dijon oberhalb der Stadt Dijon als Sohn des Ritters Tescelin von Fontaines und dessen Frau Aleth de Montbard geboren. Der Vater war einer der engsten Gefolgsleute der Herzöge Odo I. (1078-1102) und Hugo II. (1102-1143) von Burgund. Im Elternhaus wurde Bernhard sehr religiös erzogen und erhielt ab 1098 eine Ausbildung in Latein und den Fächern des Triviums bei den Kanonikern von Saint-Vorles in Châtillon-sur-Seine. Bernhard hatte fünf Brüder und eine Schwester: Guy, Gérard, André, Barthélémy, Nivard und Hombeline. Seine Mutter starb als er sechzehn war. Das »novum monasterium« in Citeaux dürfte er gekannt haben. In ihm reifte langsam der Entschluß Mönch zu werden und er überzeugte seine Brüder, weitere Verwandte und adelige Freunde mit ihm zusammen in die Abtei Citeaux einzutreten. Offensichtlich war der Konvent in Citeaux, ab 1109 unter der Leitung Stephan Hardings, für Novizen sehr anziehend geworden und erfreute sich schon lange großen Zulaufs. Bevor die dreißig Leute ihren Entschluss in die Tat umsetzten, »übten« sie ein halbes Jahr die Form gemeinsamen klösterlichen Zusammenlebens in Bernhards Elternhaus. Während dieser Zeit stießen weitere Interessenten zu der Gruppe.

Mönch in Citeaux

Citeaux erfreute sich zahlreicher Wohltäter aus Kurie und Adel, erhielt großzügige Schenkungen und wurde auch von den Herzögen Burgunds unterstützt. Auch diese Tatsache mag für Bernhard und seine Freunde ein Moment gewesen sein in Citeaux einzutreten. Andererseits hat der Schritt Bernhards und seiner Freunde das Interesse dieser Kreise für Citeaux zusätzlich besonders geweckt. Die Gruppe, bestehend aus Bernhards Brüdern, seinem Onkel Gaudry von Touillon und den übrigen Begleitern trat im Frühjahr 1113 in das Reformkloster ein. Die Novizen lebten, beteten und arbeiteten nach der streng ausgelegten »Regula Benedicti«. Ob die Mitglieder der adeligen Gesellschaft auch körperlich arbeiteten, ist nicht überliefert. Bernhard hat während dieses Aufenthaltes bei der von ihm sehr ernst genommenen Askese wohl nicht auf seine Gesundheit geachtet und zog sich ein Magenleiden zu, das ihn lebenslang begleiten sollte. Während Bernhards Noviziat gründete der Abt Stephan Harding die vier Primärabteien Citeaux’s. Die Äbte der zweiten und vierten Primärabtei in Pontigny und Morimond kamen aus den Reihen der mit Bernhard in Citeaux eingetretenen Personengruppe. Bernhard wurde ein Jahr nach seiner Profess 1115 für die dritte Gründung in Clairvaux zum Abt bestimmt.

Abt in Clairvaux

Clairvaux, das neue Tochterkloster von Citeaux wurde 1115 auf dem Besitz des Gosbert Vicomte de la Ferté, eines Vetters von Bernhard gegründet, der, als »Chefbaumeister«, enge Beziehungen sowohl zum Herzog von Burgund als auch zum Grafen Hugo I. von Champagne verfügte. Unter den zwölf Mönchen, die Bernhard als Gründungskonvent begleiteten, befanden sich vier seiner Brüder, ihr Onkel und zwei Vettern. Clairvaux war damit von Anfang an fest in der Hand der Familie Bernhards Wilhelm von Champeaux, der Bischof von Châlons-sur-Marne weihte Bernhard zum Abt. Ob Bernhard gleichzeitig auch zum Priester geweiht wurde ist unsicher. Zwischen dem Bischof, dem früheren Lehrer an der Domschule in Paris und Gegner Peter Abaelards, und Bernhard entwickelte sich eine Freundschaft.

Stephen Harding, der Abt des Mutterklosters Citeaux, hatte in den folgenden Jahren, in Zusammenarbeit mit anderen, die Strukturen des neuen Ordens erarbeitet und geformt. Die formulierten Beschlüsse und die neue Konstitution wurden 1119 von Papst Calixtus II. bestätigt. Der neue Orden der Zisterzienser war aus der Taufe gehoben. Neben dem Organisationstalent Stephen Hardings war es Bernhard der die geistigen Grundlagen des neuen Ordens perfekt und so überzeugend und redegewandt in der Öffentlichkeit vertrat, dass der weitere Zulauf in die Konvente des Ordens zum Großteil der Wirkung seiner Persönlichkeit zuzuschreiben ist. Nicht ohne Grund nannte man ihn den »Menschenfischer« und »Doctor melifluus« (honigfließender Lehrer). Sein Verhältnis zu Stephen Harding war und blieb distanziert.

Als Abt in Clairvaux verfolgte Bernhard, oft eigenmächtig, seine eigenen Ziele und Interessen. Citeaux war ihm nicht streng genug. Die Gründung des Frauenklosters in Tart (um 1120) hielt er für überflüssig. Ohne Wissen und Zustimmung von Stephan Harding hat Bernhard die für den Orden verbindliche Carta Caritatis (Ordensverfassung) überarbeitet (Summa chartre caritatis) und 1120 den Prämonstratensern als Vorlage für ihre Satzung gegeben. Clairvaux hatte sich an der Gründung und Entwicklung des Prämonstratenserordens beteiligt, dessen Gründer Norbert von Xanten war Bernhards Freund. Bernhard führte Clairvaux fortan nach dieser seiner Satzung. Den ersten Teil der 68 Filialgründungen die bis zu seinem Tode von Clairvaux ausgegangen waren – viele davon hat Bernhard auf seinen ausgedehnten Reisen gegründet – besetzte Bernhard mit Äbten aus dem Familienclan. Zu der großen Benediktinerabtei Cluny stand Clairvaux naturgemäß in Opposition, zum Zisterzienser-Mutterkloster Citeaux und den anderen drei Primärabteien stand Clairvaux in Konkurrenz. Auf den jährlichen Generalkapiteln, den Zusammenkünften aller Äbte des gesamten Ordens, die auch die Carta Caritatis, die Ordensverfassung, den sich verändernden Verhältnissen anpassten und fortschrieben, wurde immer wieder versucht, die verbrieften Befugnisse des Generalabtes Stephen Harding zu schmälern und auszuhöhlen. Auf der Synode von Troyes, entwarf Bernhard 1129 die an die der Zisterzienser angelehnten Regel des Templerordens. Auch zu den Templern hatte Bernhard verwandtschaftliche Beziehungen. André von Montbard ein Onkel Bernhards war Mitbegründer des Templerordens und förderndes Mitglied Hugo I. von Champagne war Bernhards Freund und Vetter.

Expansion der Zisterzienser

Mit der Zunahme des öffentlichen Ansehens und dem Einfluss Bernhards wuchs auch der Zulauf zum Zisterzienserorden. Bernhards rhetorische Begabung und die Überzeugungskraft seiner charismatischen Persönlichkeit zeigten Wirkung. Zwischen 1133, Stephen Harding war in diesem Jahr vermutlich aus Altersgründen und nahezu blind zurückgetreten, und dem Tode Bernhards 1153 wuchs die Zahl der unmittelbaren Tochterklöster von Citeuax und seinen vier Primärabteien von 40 auf 121. Den größten Anteil daran hatte Clairvaux, dort stieg die Zahl der Konvente in diesem Zeitraum von 11 auf 68. Diese Relation hat sich bis Mitte des 13. Jh. fortgesetzt. Die Gesamtzahl der Klöster stieg von 333 im Jahre 1153 auf 647 in der Mitte des 13. Jh. und erhöhte sich bis Mitte des 17. Jh. nur noch auf 742. Das Netz der Zisterzienserklöster und Filiationen umspannte weite Teile Europas. Das enorme Wachstum und die dynamische Ausbreitung des Ordens im 12. U. 13. Jh. ist, neben dem zugkräftigen und werbewirksamen Auftreten Bernhards, aber noch weiteren Tatsachen zuzuschreiben.

Erstens: Viele bereits bestehende Benediktinerklöster fühlten sich angezogen durch die strenge Askese, Auslegung und Befolgung der Regula Benedicti bei dem Reformorden und wechselten gesamthaft in den Orden der Zisterzienser. Häufig waren es nicht nur einzelne Klöster sondern ganze Klosterverbände die diesen Schritt vollzogen.

Zweitens: An den Fürstenhäusern, den Bischofssitzen und in Adelskreisen war es in diesen Zeiten üblich, großzügige Schenkungen an Klöster zu leisten bzw. Klöster zu stiften. Die jeweiligen Landesherren erkannten in ihnen wichtige Entwicklungszentren für ihre Ländereien. Sie konnten damit rechnen, dass bisher ungenutzte Gebiete kultiviert und nutzbar gemacht wurden. Darüber hinaus waren Klöster auch beliebte Aufenthaltsorte von Mitgliedern dieser Kreise, die, aus welchen Gründen auch immer, die monastischen Lebensweise für sich als die richtige ansahen und in ihrem Kloster bzw. dem Kloster ihrer Familie wichtige Positionen einnehmen konnten.

Drittens: Die Klöster waren i. d. R. von Zehntzahlungen befreit. Bernhard selbst hat hier vieles erreicht. Dadurch waren die Klöster in der Lage, Überschüsse aus Land- und Forstwirtschaft die sie auf ihren riesigen Gütern den sog. Grangien erwirtschafteten auf den Märkten zu verkaufen und den Erlös voll in Arrondierungen und weitere Landkäufe zu investieren. Land und das zur Bewirtschaftung erforderliche Personal nahmen zu. Clairvaux beherbergte z. B. um 1150 200 Mönche und 300 Konversen (Laienbrüder).

Viertens: In diesen Jahrhunderten war ein starkes Bevölkerungswachstum zu verzeichnen. In verschiedenen Gebieten verdoppelte und verdreifachte sich die Anzahl der dort lebenden Menschen. Einfache Ritter- und Bauernfamilien schickten ihre Kinder in die Klöster, als Laienbrüder oder Lohnarbeiter – dort waren sie versorgt, hatten Arbeit und Brot, eine religiöse Basis und eine angesehene soziale Position.

Die Betonung des Betens und Arbeitens (Ora et labora) und die Beschäftigung mit der Bodenkultur und der Landwirtschaft verliehen dem Orden der »weißen Mönche« eine hohe zivilisatorische Bedeutung, vor allem bei der Erschließung und Missionierung des Ostens. Die Nachfolge im Amt Stephen Hardings in Citeaux trat Wido von Trois-Fontaines, einem Kloster aus der Filiation von Clairvaux, an. Wido wurde nach nur elfmonatiger Amtszeit entlassen und 1134 durch Reinald von Bar aus Clairvaux abgelöst. Bernhard war an diesem Amtswechsel beteiligt und seine zentrale Stellung im Orden war spätestens ab diesem Datum unanfechtbar.

Berater und Politiker

Bis 1124 war Bernhard mit dem Auf- und Ausbau von Clairvaux beschäftigt, ab diesem Jahr widmete er sich anderen Angelegenheiten die über sein Kloster und seinen Orden weit hinausgingen und ihn auf vielen Reisen von Clairvaux fernhielten. Er wusste, dass er damit eigentlich gegen das Gelübde-Versprechen der Stabilitas loci verstieß, das die Mönche zur Ortsbeständigkeit und lebenslanger Verbundenheit mit »ihrer« Klosterfamilie verpflichtete. Während seiner Außentätigkeiten vertraute er die Klostergeschäfte seinem Prior an. Bei allen seinen Aktivitäten hatte Bernhard aber auch die Entwicklung seines Klosters und Ordens im Auge und hielt z. B. an Dom- und Kathedralschulen auch immer Ausschau nach begabten, möglichst auch adeligen, reichen und einflussreichen Novizen und Mönchen, die er für sein Kloster Clairvaux gewinnen könnte (»Menschenfischer«).

Bernhards unangefochtene Autorität machte ihn zum Schiedsrichter in pol. und kirchl. Fragen seiner Zeit. Gefördert und bestärkt hat ihn in seiner Arbeit Wilhelm von Campeaux, Bischof von Châlons-sur-Marne, der ein weithin bekannter Gelehrter seiner Zeit war. In vielen kirchenpolitischen und auch theologischen Fragen war Bernhard ein gefragter Mann. Man sprach auch vom »Bernhardinischen Zeitalter«. Bernhard von Clairvaux bereitete Konzilien und Synoden vor, nahm Einfluss auf Bischofswahlen und forderte durchgreifende Reformen der Kurie und des Papsttums.

Mit diplomatischem Geschick bekämpfte er das 1130 durch die Wahl zweier Päpste – Innozenz II. und Anaklet II. ausgebrochene Schisma und verschaffte letztlich Innozenz II. die Anerkennung. Auf der Synode von Troyes wurde 1129 die Ordensregel der Templer festgelegt die von Bernhard entworfen worden war. Auf dem Konzil von Pisa rang er 1135 mit anderen um die Beendigung des Papstschismas. Als »Wahlhelfer« Innozenz II. reiste er durch ganz Europa um diesen an den Herrscherhäusern als rechtmäßigen Papst durchzusetzen. Seinem ehemaligen Schüler aus Clairvaux, Papst Eugen III., ein Zisterzienser der 1145 den Papstthron bestiegen hatte, empfahl er Armut, Demut und Beschränkung auf das religiös-kirchliche Gebiet. Auf ihn hatte er, wie auch schon vorher auf Innozenz II., großen Einfluss.

Prediger und Propagandist

Seit 1124 war Bernhard von Clairvaux auch schriftstellerisch tätig und hat umfangreiche Predigtzyklen geschaffen (200 Predigten). Er schrieb u. a. »Über die Demut und den Hochmut«, »Über die Gottesliebe« und »Über die Gnade und den freien Willen«. Von seine vielfältigen Aktivitäten im Orden, in der Kirche, der weltlichen und kirchlichen Politik, von den Ereignissen und Vermittlungsversuchen auf Synoden und Konzilien, von Kreuzzugsvorbereitungen und von den Auseinandersetzungen und Konflikten mit Freunden und Feinden, Häretikern und Ketzern zeugen auch seine 550 überlieferten Briefe an Mönche, Äbte, Bischöfe, Kardinäle, Päpste, Fürsten und Könige.

Bernhard warb, im Auftrag Papst Eugen III., mit markigen, eines Christenmenschen eher unwürdigen Sprüchen, für den 2. Kreuzzug in Frankreich, Flandern und in der Rheingegend. Sein Predigtstil war wortgewaltig, eindringlich und emotional.

»Wenn sich dein Vater auf die Schwelle legte, wenn deine Mutter dir die Brust zeigte, die dich genährt, so steige über deinen Vater hinweg, tritt deine Mutter mit Füßen und folge trockenen Auges dem Kreuzesbanner nach. Hier für Christus grausam sein ist die höchste Stufe der Seligkeit«. Er beschönigte den Krieg, Kampf, und Tod im Namen Christi als das ritterliche Ideal der Kreuzzügler: »Ein Ritter Christi tötet mit gutem Gewissen; noch ruhiger stirbt er. Wenn er stirbt, nützt er sich selbst; wenn er tötet, nützt er Christus«. Seine berühmten Reden 1146 in Vézeley, und bald darauf im Dom zu Speyer und Frankfurt überzeugten die Könige Frankreichs (Ludwig VII.) und Deutschlands (Konrad III.) und die suggestive Wirkung der Reden des »Ritters Christi« mobilisierte und begeisterte ganz Europa. Viele der Großen nahmen spontan das Kreuz. Der Kreuzzug endet in einem Desaster. Als die Überlebenden 1149 zurückkehrten und das ganze Ausmaß der Katastrophe europaweit deutlich wurde, hat man Bernhard für seine Kreuzzugspredigten kritisiert. Er wollte sich nicht geschlagen geben und 1150 zu einem weiteren Kreuzzug aufrufen; mangels Resonanz wurde das Vorhaben eingestellt.

Kompromisslos predigte Bernhard 1145 gegen die Katharer/Albigenser in Südfrankreich um die »Häretiker« zu bekehren – »So also, meine Teuren, verfolgt sie, ergreift sie und zögert nicht, sie alle umkommen zu lassen«. Die Kirche und die frz. Krone sahen in dieser kleruskritischen Glaubensrichtung eine Gefahr und Bernhard verfasste auf Wunsch des Papstes mehrere Antiketzer-Predigten. Seine Gespräche und Predigten auf dieser Mission, besonders in Toulouse, waren erfolglos. Später wurden Die Katharer von der Kirche im sog. »Albigenser-Kreuzzug« (1209-1229) ausgerottet.

Bernhard von Clairvaux war auch Befürworter des sog. Wendenkreuzzugs der 1147 gegen die nordöstlichen Slavenstämme des Römischen Reiches geführt wurde. Bernhard in seiner Predigt: »Rache an den Heidenvölkern zu nehmen und von der Erde die Feinde des Christentums auszurotten …«. Auch dieser Kreuzzug scheiterte mit hohen Verlusten.

Theologe und Mystiker

Bernhard von Clairvaux verfasste auch eine Reihe von theologischer Schriften der Theologie und war in Reformerkreisen aufgrund seiner Auseinandersetzungen mit den Cluniazensern (Äbte Pontius und Venerabilis) weithin bekannt. Er war ein Vertreter der monastischen Theologie die sich konservativ an die Kirchenväter anlehnte, deren Lehren im abgeschiedenen Kloster fortführte und an innere Erfahrungen gebunden war. Im Gegensatz dazu stand seinerzeit die scholastische Theologie Peter Abaelards und anderer, die mit ihren dialektisch argumentierenden Quaestionen und Disputationen der antiken philosophischen Tradition verpflichtet war und die Universitäten des 12. u. 13. Jh. begründete. Dieser sich anbahnende Paradigmenwechsel hat zu Spannungen geführt.

Von Hugo von St. Viktor stark beeinflusst, war Bernhard von Clairvaux der Begründer der mittelalterlichen Christusmystik (Kreuz- u. Leidensmystik). Christus der Gekreuzigte stand im Mittelpunkt seiner Studien. »Was ist wirksamer zur Heilung der Wunden des Gewissens und zur Reinigung des Seelengrundes als die emsige Betrachtung der Wunden Christi?« Seine mystischen Betrachtungen verwandelten sich in Anbetung und steigerten sich zur Minne. Deutlich wird dies auch an seiner Marienverehrung, die für den Orden richtungsweisend war. Man nannte ihn auch »Doctor marianus«. Im Mittelpunkt jedoch stehen seine 86 Predigten über das Hohelied die als die Hauptquelle bernhardinischer Mystik (Braut- u. Liebesmystik) zu betrachten sind. Bernhard von Clairvaux hat die Frömmigkeit der späteren Jh. wesentlich beeinflusst.

Bernhard kämpfte gegen die Irrlehren. So klagte er z. B. Gilbert de la Porrée, den Bischof von Poitiers und ehemaligen Leiter der Domschule von Chartres, wegen dessen »häretischen Lehrmeinungen« an. Auf dem Konzil von Reims wurde die Sache 1148 entschieden. Der Bischof musste einiges in seinen Werken abändern.

Mit Vehemenz wandte sich Bernhard gegen die Frühscholastiker und besonders gegen Peter Abaelard, der in Paris das Primat der Vernunft auch in Glaubensfragen vertrat. Bernhard, der aus der Tradition der Kirchenväter kam, hat Abaelards Lehren abgelehnt und seine rationale Theologie bekämpft. Auf der Synode von Sens 1141 wurden mehrere Sätze Abaelards verworfen, Werke verbrannt und Abaelard vom Papst zu ewigem Schweigen verurteilt.

Heiliger

Bernhard von Clairvaux wurde schon zu Lebzeiten als Heiliger gesehen. Einmal schrieb er an einen befreundeten Kartäuserkonvent: »Ich bin gewissermaßen eine Chimäre meines Jahrhunderts, verhalte mich weder wie ein Kleriker noch wie ein Laie. Das Leben eines Mönchs habe ich schon lange abgelegt, nicht den mönchischen Habit«. Bernhard wusste, dass seine der Welt zugewandte Wirksamkeit zu seinem Mönchsgelübde im Widerspruch stand. Aber auch seine Hagiographen hatten es nicht leicht, mussten sie doch aus dem bewegten und kämpferischen Leben des historischen Bernhards einen Heiligen formen.

Die Vorbereitungen der Heiligsprechung und die Aufzeichnung seiner sechs Bücher umfassenden Vita begannen noch zu seinen Lebzeiten und wurden von Gottfried von Auxerre ab 1145 organisiert. Den Anfang machte sein bester Freund Wilhelm von Saint-Thierry, der mit Bernhards Lebensbeschreibung noch vor dessen Geburt begann und bis zum Jahr 1130 fortführte (Vita prima s. Bernardi). Arnald von Bonneval ein mit Bernhard befreundeter Benediktinerabt setzte die Vita bis 1145 fort. Sein ergebener Freund, Sekretär und Reisebegleiter ab 1141 Gottfried von Auxerre hatte Bernhards Briefsammlung zusammengestellt und vervollständigte die Lebenslegende bis zum Todesjahr Bernhards 1153. Ein Bericht über die Wundertätigkeiten Bernhards während seiner Südfrankreichreise 1145 und während seiner Kreuzzugspredigten 1146 wurde angefügt. Nachdem Gottfried 1162 Abt von Clairvaux geworden war, setzte er sich für Bernhards Heiligsprechung ein.

Bernhard von Clairvaux, der Reformer, Theologe, Kirchenpolitiker und selbsternanntes »Werkzeug Gottes«, wurde auch als das Orakel und religiöse Genie seines Jh. bezeichnet. Er starb am 20. Aug. 1153 in Clairvaux, wohin er sich wieder zurückgezogen hatte.

Literatur

  • Eberl, Immo: Die Zisterzienser. Geschichte eines europäischen Ordens, 1. Auflage Thorbecke Stuttgart 2002. ISBN 3-7995-0103-7
  • Haas, Wolfdieter: Welt im Wandel Das Hochmittelalter, Jan Thorbecke, Stuttgart 2002, ISBN 3-7995-0102
  • Sammer, Marianne: Bernhard von Clairvaux begegnen, Sankt Ulrich Verlag, Augsburg 2006, ISBN 978-3-936484-66-3

 

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