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Beethoven, Ludwig van

Artikel #2107, »Beethoven, Ludwig van«, geschrieben von: B. Brockhorst (Red.) (99 %) et al.

Gehörleiden

Beethovens Probleme mit dem langsamen Ertauben seines Gehörs begannen recht früh, um 1798 herum, da war er wohlgemerkt gerade einmal 27/28 Jahre alt. Nach seiner Beschreibung war es ein Ohrensausen und -brausen, beginnend beim linken, zwischendurch abklingend, aber doch mit der Zeit so anhaltend, dass er Schwierigkeiten hatte, Gesprächen in normaler Lautstärke zu folgen. Lange Jahre schwieg er darüber, versuchte, das Leiden zu vertuschen. So erinnerte sich sein Schüler Carl Czerny, bei Beethoven 1802 noch keine auffälligen Anzeichen einer Gehörschwäche ausgemacht zu haben. Zahlreiche Ärzte hatte der Komponist konsultiert, die allerlei - auch teilweise seltsame - Heilungsmethoden an ihm erprobten, ohne Erfolg. Je länger die Zeit fortschritt, um so entmutigter war Beethoven und er ahnte - wie man seinen Briefen an Freunden entnehmen kann - dass sich eine Besserung wohl nie mehr einstellen würde. U. a. schrieb er Ende Juni 1801 folgende Zeilen an seinen Freund, den Arzt Wegeler:

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"Meine ohren, die sausen und Brausen tag und Nacht fort; ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu, seit 2 Jahren fast meide ich alle gesellschaften, weils mir nun nicht möglich ist, den Leuten zu sagen, ich bin Taub, hätte ich irgend ein anderes Fach, so giengs noch eher, aber in meinem Fach ist das ein schrecklicher Zustand, dabey meine Feinde, deren Anzahl nicht geringe ist, was würden diese hierzu sagen."'

Nun war er beileibe noch nicht endgültig taub, die Beeinträchtigung seines Gehörs aber machte ihm sehr zu schaffen und wovor er sich noch mehr fürchtete: Vor der Verschlechterung seines Hörvermögens, womit er aber offenbar rechnete.

Unter den vielen Ärzten, die Beethoven konsultierte, hatte einer angesichts der wenig hoffnungsvollen Aussichten auf Besserung die Idee, seinem Patienten das zu raten, was heute allgemein hin als "Abstand gewinnen" bezeichnet wird: Er schlug vor, er solle sich für einige Zeit aufs Land zurückziehen. Der Hintergedanke war so schlicht wie berückend: Kein wirbelndes Wien mit seiner irritierenden Geräuschkulisse, keine hochfrequentierten Kurorte wie Karlsbad, die Ruhe der Natur sollte ihm die innere Ruhe wiedergeben. Ob Heiligenstadt, ein Dorf in der Nähe Wiens, in welchem Beethoven daraufhin einen längeren Aufenthalt nahm, auch im Rat des Arztes inbegriffen war, ist nicht bekannt. In diese Zeit gefallen ist auch eine Begebenheit, die Beethovens Schüler Ferdinand Ries memorierte, nämlich, dass er mit seinem Mentor spazieren gewesen war und ihn auf einen in der Ferne verweilenden, hervorragend Flöte spielenden Hirten aufmerksam gemacht habe. Worauf sich das Gesicht Beethovens verfinstert habe, weil er dieses nämlich nicht vernehmen konnte; sein späteres Nachfragen ob der Hirte noch immer spiele, habe er (wahrheitswidrig) verneint, um seinen Lehrer nicht noch weiter zu verstören. In Heiligenstadt verbrachte Beethoven somit eine Zeit der Besinnung und verfasste am 6. Oktober 1802 schließlich das Dokument, das als "Heiligenstädter Testament" in die Musikgeschichte eingegangen ist.

 

 

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