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Architektur ((Baukunst))

Artikel #4128, »Architektur ((Baukunst))«, geschrieben von: Josef Kandl(Red.) (93 %) , Ulrich Fuchs (5 %) et al.

Renaissance und Manierismus

Der Architekt, Maler und Kunsthistoriker Giorgio Vasari nannte den der Renaissance vorausgehenden und nach Italien importierten Baustil des Hochmittelalters abwertend als »gotico«, als barbarisch, fremdartig, nicht aus der Antike kommend. Für den neuen Stil des italienischen Quattrocento (15. Jh.) prägte er für die Kunstgeschichte den Begriff »rinascitá« und meinte den Vorgang der Wandlung in der italienischen Kunst. Aus rinascitá wurde erst im 19. Jh. frz. Renaissance und schließlich wieder ital. Rinascimento.

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Es war die Zeit des Renaissance-Humanismus, eines umfassenden kulturellen und sozialen Wandels, der an das antike Ideal des Menschen anknüpfte, dessen Geist sich auch in der Baukunst ausdrückte und eine Wiedergeburt der Antike zu befördern suchte. Während man nördlich der Alpen noch an gotischen Kathedralen baute, begann in Italien bereits die neue Epoche der Architektur; alles was gotico war, wurde verdrängt und abgelehnt. Die Paläste der reichen und selbstbewussten italienischen Stadtstaaten dieser Zeit, mit ihren klar gegliederten Räumen und der die Waagrechte betonenden Gestaltung zählt man zur Protorenaissance. Die Zehn Bücher über Architektur des röm. Architekten und Ingenieurs Vitruv wurden als Ideenquelle für das neue Bauen wiederentdeckt. In der Malerei kam die Porträtkunst zu vollster Blüte und der Mensch, die Individualität trat aus der Anonymität. Künstler, Baumeister und Architekten kannte man jetzt mit Namen und allgemein öffnete sich der Blick für die Schönheiten der irdischen Welt. Räume und Körper wurden perspektivisch erfasst und sowohl malerisch als auch skulptural vollendet dargestellt (s. a. David (Bronze) von Donatello und David (Marmor) von Michelangelo, beide in Florenz; das Porträt Federico da Montefeltro, Herzog von Urbino von Piero della Francesca Uffizien, Florenz und Adam und Eva (Kupferstich) von Albrecht Dürer). Bedeutendster europäischer Vertreter des Humanismus jener Zeit war Erasmus von Rotterdam; Martin Luther hatte in Deutschland die Reformation angestoßen, Johannes Gutenberg erfand den Buchdruck mit beweglichen Metall-Lettern und Nikolaus Kopernikus begründete das heliozentrische Weltbild.

In der Architektur sollte der Rückgriff auf die Antike das »dunkle Mittelalter« beenden. Die Gotik hatte den Baukörper aufgelöst. Sich gegenseitig stützende und miteinander verquickte Pfeiler, Dienste, Streben, Rippen und Stäbe ersetzten Wände und Decken und riesige bunte Glasfenster tauchten irrationale Räume in mystisches Licht. Die Architekten der Renaissance kehrten zu den geometrischen und stereometrischen Grundformen zurück und studierten akribisch die antiken Beispiele in Theorie und Praxis. Die Wand wurde wieder durch Gesimse, Säulen und Pilaster gegliederte Fläche und die Grundformen Kreis, Quadrat, Würfel, Kugel und Zylinder befriedigten durch ihre vollkommene Regelmäßigkeit den Sinn fürs Rationale. Zentralbau und Kuppel traten wieder in den Vordergrund. Der Künstler schulte am antiken Vorbild seinen Blick für Maß und Zahl und die mathematischen Gesetzen folgenden Maßbeziehungen sollten, im Einklang mit der zeitgenössischen Philosophie (wiederbelebter Neuplatonismus), die Harmonie des Universums widerspiegeln. Die Proportionierung eines Bauwerks und seiner Glieder wird auf den Menschen bezogen und so wie die Proportionen des menschlichen Körpers in einem bestimmten Verhältnis zueinander stehen, so sollen auch die Glieder des Bauorganismus in Grundriss und Aufriss in einem bestimmten Verhältnis zueinander gestaltet sein. Phasen der Renaissance waren die Früh-, Hoch- und Spätrenaissance (besser Manierismus). Der Manierismus betonte die individuelle Freiheit der Künstler und zeigt sich subjektiv, dekorativ, verspielt und in der »Maniera di Michelangelo« absichtlich die klassische Harmonie sprengend. In Frankreich dominierte in der Renaissance der Schlossbau. In den anderen Ländern Europas durchdringen sich die bodenständigen Elemente gotischer Tradition mit dem importierten Renaissancestil (in Deutschland »Welsche Manier« genannt) und oft bleibt es beim bloßen Schmücken und Dekorieren. Weltoffene Handelshäuser mit ihren Faktoreien, Rathäuser und auch reiche Bürger bauten helle lichte Räume hinter zwei- und mehrgeschossigen, geschmückten Giebeln. In den protestantischen Ländern Nord- und Westeuropas bevorzugte man den strengeren, schon den Klassizismus andeutenden Architekturstil Palladios (»Palladianismus«).

Berühmte Baumeister und Architekten der Renaissance: Filippo Bruneschelli; Leon Battista Alberti; Michelangelo; Andrea Palladio; Giuliano da Sangallo; Donato Bramente; Donatello; Hans Beheim d. Ä. und Elias Holl.

Bauwerke der Renaissance: das Baptisterium San Giovanni des Doms in Florenz; Kuppel des Petersdoms, Rom; El Escorial bei Madrid; Il Redentore in Venedig; Villa Rotonda und Palazzo della Ragione (Basilica Palladiana), Vicenza; Palazzo Rucellai, Palazzo Strozzi und Fassade von S. Maria Novella, Florenz; San Pietro in Montorio, Rom; die Wallfahrtskirche Madonna di S. Biagio, bei Montepulciano und die Villa Medici in Poggio a Caiano bei Prato, Italien; die Michaelskirche in München; Rathaus und Zeughaus in Augsburg sowie der Ottheinrichsbau im Heidelberger Schloss.

Architektur der Renaissance s. Artikel Renaissance, Abschnitt »Kunst/Architektur«.

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