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Architektur ((Baukunst))

Artikel #4128, »Architektur ((Baukunst))«, geschrieben von: Josef Kandl(Red.) (93 %) , Ulrich Fuchs (5 %) et al.

Gotik

Während die romanische Architektur im Umfeld der Klöster und Fürstensitze entstand, war die Gotik dynamischer Ausdruck der städtischen Bevölkerung des ausgehenden Mittelalters. Kirche und Kaiser kämpften um die Hegemonie, das Königtum strebte nach Autonomie, der Adel und das Rittertum nach mehr Unabhängigkeit und eine neue aufstrebende Macht löst sich schrittweise von allen diesen tradierten Bindungen – es waren dies die Städte mit ihren ständischen Ordnungen. In Italien zuerst, regte sich auch später in Deutschland, England und Frankreich unabhängiger Städtegeist (»Stadtluft macht frei«). Die Städte zogen Steuern ein, erhoben Zölle, prägten Geld, sprachen Recht und hatten eigene Wappen und Siegel. Grundbesitzer und Großkaufleute stellten das Patriziat und regierten Handwerker, Gewerbetreibende und Arbeiter die alle innerhalb der Stadtmauern lebten. Jeder konnte es durch seine eigene Tüchtigkeit und Geschicklichkeit zu etwas bringen, ja – sogar reich werden. Nach den frühen Rechtsschulen in Bologna wurden in Paris, Oxford und Padua die ersten Universitäten gegründet. Die Scholastik suchte Aristotelisches Wissen mit den Glaubenswahrheiten der Kirchenväter zu vereinen. Die Städte an Nord- und Ostsee schlossen sich zur Hanse zusammen, bildeten Städtebünde und die Handelsbeziehungen umspannten ganz Europa und reichten bis zum Orient und nach Asien.

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Die got. Kathedrale, der Inbegriff der gotischen Architektur, ist geprägt durch die Betonung der Vertikalen, durch Spitzbögen und filigrane, biegsame Gewölbe, die Wände werden durch große, farbig verglaste Fensterflächen aufgebrochen. Die nun nicht mehr durch die Wände tragbaren Querlasten werden durch Strebepfeiler aufgenommen. Der Chor der Klosterkirche Saint-Denis bei Paris gilt als Gründungsbau der Gotik. Vor allem beim nordfranz. Kathedralentyp, der sich insb. in Frankreich und Spanien durchsetzt, wird die Westfassade durch eine große Rosette über dem Hauptportal geziert.

In England, Italien und Deutschland wird der Typus nur zögerlich und in vielfältigen Variationen aufgenommen. Im Norden als Sonderform der Gotik die sog. Backsteingotik

Neben den Sakralbauten entstanden auch zahlreiche, oft aufwendige, mit Türmchen und Erkern geschmückte Profanbauten im gotischen Stil (Rathäuser, Handelshäuser, Wohnhäuser etc.).

Beispiele gotischer Bauwerke s. Artikel Gotik, Abschnitt »Architektur«.

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