China, Korea und Japan
Chinas lange Reihe von Herrscherdynastien beginnt, von den Urkaisern einmal abgesehen, im 20. Jh. v. Chr. mit der Xia-Dynastie, der im 16. Jh. nachfolgenden Shang-Dynastie und vom 11. Jh. bis 221 v. Chr. herrschten die Zhou. König Zheng aus der Qin-Dynastie (221–206 v. Chr.) gelang es, die vielen um die Hegemonie kämpfenden Einzelstaaten Chinas zu einem Einheitsstaat zu vereinen und als erster Kaiser von China das chinesische Kaiserreich zu begründen, das bis 1911 Bestand haben sollte. 1912 wurde die Republik China ausgerufen; seit 1949 besteht die Volksrepublik China.
Die Chinesen verbindet ein großes Gemeinschaftsgefühl; der Familie, der Sippe und dem eigenen Volk gehört die ganze Aufmerksamkeit und die Ahnen wurden und werden ehrfurchtsvoll und kultisch verehrt. Gegen fremde Einflüsse schottete man sich ab und wenn sie doch eindrangen, wurden sie schnell assimiliert (z. B. das indische Gedankengut im Zusammenhang mit der Annahme der buddhistischen Lehre). Chinesische Kultur und Kunst entwickelten sich größtenteils unter Abschluss von der übrigen Welt, gegen die man sich auch zu verteidigen wusste. Der schon im 3. Jh. n. Chr. begonnene gigantomanische Bau der Großen Mauer der bis ins 17. Jh. hinein immer weiter bis auf eine Gesamtlänge von 6250 km ausgebaut wurde, ist dafür ein unübersehbares Zeichen. Den phantastischen Reise- und Erlebnisberichten Marco Polos der sich im 13. Jh. viele Jahre In China aufgehalten hatte, schenkte man nach seiner Rückkehr in Venedig keinen Glauben. Das Reich der Mitte und die übrige Welt wussten wenig voneinander.
Die bildende Kunst brachte eindruckvolle und qualitativ hochwertige Werke in Malerei und Bildhauerei hervor. Plastiken aus schimmernder Bronze, Skulpturen und Statuetten aus Jade, Malereien auf Seide, Kalligraphien, Lack- und Emailarbeiten sowie meisterhafte Ton- und Porzellanwaren fanden später auch in Europa viele Freunde, Anerkennung und Bewunderung. Gebaut wurde in China sehr viel mit Holz und vieles davon ist untergegangen. Häusermodelle aus gebranntem Ton, die man den Verstorbenen zur Erinnerung und als Symbol der Familienbande mit ins Grab legte, geben einen Eindruck von der Bauweise in historischer Zeit. Auch an gefundenen Reliefs, Graffiten und Gravurarbeiten lassen sich architektonische Details erkennen. Bauvorschriften sind bereits aus der Zhou-Dynastie ab dem 11. Jh. v. Chr. bekannt.
Aufbau eines chinesischen Gebäudes: relativ niedriger, die Horizontale betonender, ausladender Holzbau auf einem Sockel aus Stein bzw. auf einer weiten Steinterrasse; die Dachkonstruktion, weit ausladend, oft doppelt und elegant geschweift, an Firsten und Traufen reich verziert, deren vier Ecken nach oben gerichtet sind, wird von Holzpfeilern getragen; die Wände sind als Füllung zwischen die Pfeiler gesetzt. Manchmal sind auch mehrstöckige Häuser mit entsprechender Anzahl rundumlaufender Dachansätze zu sehen; Palastkomplexe bestehen aus mehreren symmetrisch verschachtelten Häusern; buddh. Tempelbauten gruppieren sich i. d. R. um eine Pagode. Farben- und Zahlensymbolik spielen eine Rolle. Die Raumaufteilung (auch mittels dekorativer Wandschirme) eines Hauses bzw. der Gebäudeteile ist traditionell festgelegt.
Generell waren Kunst und Kultur in Japan seit frühester Zeit von China über Korea stark beeinflusst. Die japanische Architektur lehnte sich stark an das chinesische Vorbild an und übernahm dessen Formen besonders auch in Verbindung mit der Ausbreitung des Buddhismus und seiner Tempel und Pagoden in Japan seit dem 7. und 8. Jh. n. Chr. Japan hat die übernommenen Stile zu landestypischen Lösungen geformt, die vor allem mit der umgebenden Natur, mit Gärten und Teichen in Harmonie gebracht werden. Grundprinzip aller traditionellen japan. Architektur ist die Holzrahmenkonstruktion, die meist ohne jegl. Fundament auskommt. Mit Ausnahme der Pagoden und einiger hoher Hallen um große Buddha-Statuen herum herrscht eine zweidimensionale, horizontale Bauweise vor. Selten werden mehr als zwei Geschosse übereinander gesetzt, große Anlagen können in der erdbebengefährdeten Region nur durch Anbau in der Fläche entstehen, nicht durch Aufstockung. Die eine Ausnahme findet sich im Pagodenbau und dem Bau hoher Tempelhallen um Buddha-Statuen herum, die zweite im aufgipfelnden Burgenbau des 16. und 17. Jahrhunderts, schließlich die dritte erst wieder in der modernen Hochhausarchitektur des späten 20. Jahrhunderts. Die klass. japan. Architektur unterscheidet drei Hauptstile: Zunächst den Shinden- oder Palaststil der Heian-Zeit vom 8. bis 12. Jh., flache, durch Korridore verbundene Einzelbauten, die in ihrer Gesamtanordnung zunächst sehr symmetrisch sind. Sodann den Shoin-Stil des 12. bis 16. Jhs, der sich insb. durch die in den Räumen vorgesehenen, namensgebenden Schreibnischen auszeichnet und eine asymetr. Anordnung der Gebädue bevorzugt, und schließlich der sehr freie und offene Sukiya-Stil, der zwischen 16. und 19. Jh vorherrschte. Mit der Wieder-Öffnung des Landes und der Meji-Restauration wandte sich die zeitgenöss. Architektur zumindest optisch von diesen japan. Architekturstilen ab und imitierte vorwiegend die westl.-klassizistische Steinbauweise.
Folgende Beispiele zeigen die typischen Merkmale chinesischer und japanischer Architektur: Kaiserpalast in der »Verbotenen Stadt« in Peking (Beijing); Himmelstempel in Peking; Sommerpalast in Peking ; Wasong-Pagode in Peking; alte chinesische Stadtteile von Lijiang und Pingyao; Gärten, Tempel und historischer Teile von Suzhou, China; buddhistische Tempel und Shinto-Schreine in Nara, Japan; diverse Baudenkmäler in Kyoto und Uji, Japan.