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Architektur ((Baukunst))

Artikel #4128, »Architektur ((Baukunst))«, geschrieben von: Josef Kandl(Red.) (93 %) , Ulrich Fuchs (5 %) et al.

Indien

Die indische Zivilisation erreichte im 4.–2. Jt. v. Chr. eine Höhe, die der in Mesopotamien und Ägypten entsprochen haben mag. Es sind nur spärliche Zeugnisse aus der prähistorischen Zeit der Harappakultur mit ihren Zentren Harappa und Morhenja Daro am Indus vorhanden. Handelsbeziehungen zu den Reichen an Nil, Euphrat und Tigris bestanden schon in damaliger Zeit. Um 1500 v. Chr. drangen indogermanische Nomadenvölker aus Zentralasien in Indien ein. Vom 12.–11. Jh. v. Chr. versank die alte Induskultur und mit der Ankunft Alexanders des Großen im 4. Jh. v. Chr. und den Mohammedanern im 7. und 8. Jh. n. Chr. traten in Indien neue Entwicklungen ein. Der islamische Einfluss auf die ind. Kunst war sehr prägend. Das Sultanat Delhi bestand von 1206-1526 n. Chr. Anschließend übernahmen die Mongolen, die schon im 14. Jh. Delhi bedrängt hatten, die Macht und gründeten das Mogulreich, das bis 1858 bestand. 1947 wurde Indien, dank der gewaltfreien Widerstandsbewegung unter Mahatma Ghandis und seinem Weggefährten Jawaharlal Nehru nach langer englischer Kolonialherrschaft wieder unabhängig; zugleich entstanden Pakistan und Bangladesch (bis 1971 Ostpakistan).

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In Indien wird eine Vielzahl von Sprachen gesprochen und es bildeten sich mehrere große Religionen heraus (Brahmanismus, Buddhismus, Jainismus, Sikhismus, Hinduismus). Viele Gottheiten werden verehrt und die Kunst steht ganz im Dienst dieser verschiedenen Kulte. Eine zentrale und oft skulptierte Gestalt der Verehrung ist Buddha. Daneben herrscht vor allem eine Überfülle an Ornamenten, Reliefs und Skulpturen verschiedenster Gestalten, Götter und Dämonen vor.

Indische Architektur zeigt sich neben Festungsanlagen und Palästen besonders an Sakralbauten. Aufgrund der vielen Einflüsse sind mindestens drei Zeitabschnitte zu unterscheiden. Erstens die buddhistische Periode bis etwa 600 n. Chr. mit den ältesten Bauwerken, den halbkugeligen Grab- und Denkmälern, den sog. Stupas, die sich in späterer Zeit und in veränderter Form an den Heiligtümern der südostasiatischen Wats als glockenartige Rundtürme mit hoher Spitze, den sog. Chedis wieder finden. Zweitens die hinduistische Periode bis ca. 1200 n. Chr. die in einen nördlichen, den Nagara-Stil und einen südlichen, den Dravida-Stil zu trennen ist. Im N. finden sich die typischen bienenkorbähnlichen Türme, die sog. Shikharas über dem Allerheiligsten; im S. sind die Gopurams, die Tortürme an den Eingängen zu den Tempelarealen anzutreffen. Drittens sind ab 1200 in der islamischen Periode die reich mit Ornamenten verzierten Bauten und die von Minaretten umstandenen Moscheen vorherrschend.

Durch die sehr frühe Kolonisationen der Inder in den Regionen Südostasiens und auf dem Wege der Verbreitung der buddhistischen Religion, gelangten starke Impulse der indischer Kunst und Kultur auch in diese Länder, wo sie sich vor allem auch mit chinesischen Stilelementen trafen und zusammen mit den vorgefundenen eigenen landesspezifischen Komponenten zur Synthese kamen.

Aus der Vielzahl alter architektonischer Beispiele des Subkontinents und der südostasiatischen Staaten seien genannt: die Stupas von Sanchi im ind. Bundesstaat Madhya Pradesh; die Höhlen- und Felsentempel von Ellora bei Aurangabad (Maharashtra); die Freitagsmoschee (Jama Masjid) in Neu-Delhi; die Hofmoschee Quwwat-ul-Islam (Macht des Islam) in Delhi mit dem Qutbminar und der Eisernen Säule; der Tempelbezirk Mamallapuram bei Chennai (Madras); die Ruinen des königl. Palastes in Polonnaruwa, Sri Lanka; der größte Tempel Angkors, Angkor Wat, Kambodscha; der Bayon-Tempel in Angkor Thom, Kambodscha; die Tempelanlage von Borobudur, Südostjava; die Tempelanlagen von Khajuraho (Madhya Pradesh); die historische Königsstadt Bagan mit Tempeln und Pagoden in Mayanmar (früher Birma oder Burma); das Grabmal Taj Mahal in Agra, Indien; königl. Tempel Wat Pho in Bangkok, Thailand.

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