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Apgar, Virginia

Artikel #6124, »Apgar, Virginia«, geschrieben von: G. Schütte(Red.) (100 %)

Virginia Apgar (* 7. Juni 1909 in Westfield, New Jersey, USA, † 7. Aug. 1974 in New York City), amerikanische Anästhesistin, entwickelte einen einfachen, aussagekräftigen und heute weltweit angewandten Index, um den Zustand des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt zu beurteilen (den Apgar-Score); Pionierin auf dem Gebiet der Anästhesie und der Teratologie - der Lehre von den angeborenen Behinderungen.

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Abbildung: Apgar,Virginia.jpg

Virginia Apgar untersucht einen Säugling

A. kam als jüngste von drei Kindern des Versicherungsangestellten Charles E. Apgar und Helen May Apgar zur Welt. Ihr Vater war Hobbyforscher und leidenschaftlicher Hausmusikant, Virginia lernte schon als junges Mädchen Geige spielen und war zeitlebens begeisterte Musikerin.

Schon auf der Schule beschloss sie, Ärztin zu werden - damals noch eine ungewöhnliche Berufswahl für ein Mädchen. Entsprechend gut waren ihre Leistungen in den wissenschaftlichen Schulfächern und ebenso schlecht war sie in Hauswirtschaft. Nach einem Collegeabschluss in Zoologie begann sie 1929 mit ihrem Medizinstudium an der renommierten Columbia-Universität in New York, das sie 1933 abschloss.

Sie arbeitete zwei Jahre lang als Assistenzärztin in der Chirurgie im Presbyterianer-Hospital New York, wandte sich dann aber auf Rat ihres Chefs dem neu entstehenden Gebiet der Anästhesie zu. Narkosen wurden in dieser Zeit noch häufig von Krankenschwestern durchgeführt, A. absolvierte demzufolge zunächst die Ausbildung zur Anästhesieschwester, bevor sie an der Universität von Wisconsin und am New Yorker Bellevue Hospital ihre zweite Assistenzarztzeit in Anästhesie ablegte. 1938 kehrte sie an ihre alte Arbeitsstelle zurück, formte die dortige Anästhesie von einer Schwesternaufgabe in eine moderne, ärztlich geleitete um. Sie bildete Medizinstudenten und Assistenzärzte aus und jedermann dachte, sie würde die Leiterin der 1949 neu gegründeten selbstständigen Anästhesieabteilung. Doch statt ihrer wurde ein männlicher Kollege bevorzugt. Immerhin erhielt A. eine Professur in ihrem Fachgebiet und sie konnte - befreit von der täglichen Verwaltungsroutine - ungehindert forschen.

Sie wandte sich verstärkt den Problemen der Anästhesie in der Geburtshilfe zu und hatte bereits 1952 ihren einfachen und dennoch aussagekräftigen Score zur Beurteilung der Neugeborenen entwickelt. Die Kindersterblichkeit in den USA war seit 1900 kontinuierlich gesunken, die Sterberate der Neugeborenen blieb aber hoch. In den folgenden Jahren forschte A. über die Verbesserung der ärztlichen Versorgung der Neugeborenen - der Neonatologie.

1958 nahm sie ein Sabbat-Jahr, um sich in Public Health weiterzubilden. 1959 wurde sie zur Leiterin einer neu gegründeten Abteilung zur Erforschung und Verhütung angeborener Fehlbildungen in der gemeinnützigen Stiftung "National Foundation-March of Dimes". A. stellte ihre ungeheure Schaffenskraft in den Dienst dieser Vereinigung, die aus der Betreuung von Polio-Kindern entstanden war. Sie reiste viel, vervielfachte das Spendenaufkommen, leitete die medizinische Forschung der Stiftung und unterrichtete selbst noch an der Universität in den Fächern Teratologie und medizinische Genetik.

Trotz dieser immensen beruflichen Belastung fand A. immer noch Zeit, ihren Hobbys: Angeln, Geigenspiel, Briefmarkensammeln, Instrumentenbau und Gärtnern nachzugehen, begann noch mit 50 Jahren Flugunterricht zu nehmen.

Sie starb in demselben Krankenhaus, in dem sie ihren Beruf als Ärztin gelernt hatte und in dem sie die größte Zeit ihres Lebens gearbeitet hatte, an einer chronischen Lebererkrankung. Der von ihr entwickelte Test wird heute weltweit an beinahe jeder Klinik routinemäßig bei jedem Neugeborenen angewandt.

Quellen

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