Logo

Eine Alpensinfonie

Weitergeleitet von

Eine Alpensinfonie, Sinfonische Dichtung op. 64 von Richard Strauss, sie wurde am 28. Oktober 1915 in Berlin unter Leitung des Komponisten uraufgeführt. Das einsätzige, durchkomponierte Orchesterwerk mit den Abschnittsbezeichnungen Nacht – Sonnenaufgang – Der Anstieg – Eintritt in den Wald – Wanderung neben dem Bache – Am Wasserfall – Erscheinung – Auf blumigen Wiesen – Auf der Alm – Durch Dickicht und Gestrüpp auf Irrwegen – Auf dem Gletscher – Gefahrvolle Augenblicke – Auf dem Gipfel – Vision – Nebel steigen auf – Die Sonne verdüstert sich allmählich – Elegie – Stille vor dem Sturm – Gewitter und Sturm, Abstieg – Sonnenuntergang – Ausklang – Nacht beschreibt einen Tagesverlauf in den Alpen und zählt zum Genre der Programmusik.

Anzeigen

Zu Strauss nicht realisierten Projekten zählte eine Tondichtung, mit der er 1899/1900 begann und die als „Künstlertragödie“ geplant war. Strauss bezog sich hierbei auf den Schweizer Maler Karl Stauffer, der in eine unglückliche Liebesbeziehung zu der Gattin eines Schulfreundes hineingeraten war und sich 1891 das Leben genommen hatte. Skizzen aus der "Künstlertragödie" übernahm Strauss, als er sich 1910 an ein Projekt mit dem Arbeitstitel "Die Alpen" machte. Es war ursprünglich viersätzig konzeptioniert.

1902 ergibt sich aus Notizen Strauss's, dass er beabsichtigte, seinem Projekt einen zusätzlichen Titel hinzuzufügen, "Der Antichrist" nach dem viel diskutierten Werk "Der Antichrist" des Philosophen Friedrich Nietzsche. 1911 starb Gustav Mahler, eine Begebenheit, die Strauss tief erschütterte und ihn in seiner Absicht, das Antichristthema in dieser Sinfonie zu verwirklichen, bestärkte:

"Der Tod dieses Künstlers ein schwerer Verlust. Der Jude Mahler konnt im Christentum noch Erhebung gewinnen. Der Held Rich. Wagner ist als Greis, durch den Einfluss Schopenhauers wieder zu ihm herabgestiegen. Mir ist es absolut deutlich, dass die deutsche Nation nur durch die Befreiung vom Christentum neue Tatkraft gewinnen kann. (...) Ich will meine Alpensinfonie den Antichrist nennen, als da ist: sittliche Reinigung au eigener Kraft, Befreiung durch die Arbeit, Anbetung der ewigen herrlichen Natur."

Fortan hieß das Projekt, mittlerweile auf zwei Sätze zusammengeschmolzen, zunächst "Der Antichrist. Eine Alpensinfonie". Doch 1913 verwarf Strauss das Konzept wieder. Fertig komponiert war nur der erste Satz, einen zweiten verwarf Strauss und tilgte aus der Partitur alle Andeutungen zu der ursprünglichen Antichrist-Idee.

Die Berliner Uraufführung rief unterschiedliche Resonanz hervor. Während Kritiker Strauss vorwarfen, hiermit musikalische Fotographie betrieben zu haben, feierten andere den gewaltigen Hymnus auf die Alpen und ihre Natur.

Literatur

  • Richard Strauss Edition - Tondichtungen II, Verlag Dr. Richard Strauss GmbH & Co. KG, Wien, im Vertrieb von Edition Peters.
  • Mathias Hansen: Richard Strauss - Die Sinfonischen Dichtungen, Bärenreiter-Verlag, Kassel 2003, ISBN 3-7618-146-2

Anzeigen