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Nobel, Alfred

Artikel #3587, »Nobel, Alfred«, geschrieben von: G. Schütte (99 %) , P. Mattusch (Red.) (0 %)

Nobel, Alfred Bernhard (* 21. Okt. 1833 in Stockholm; † 10. Dez. 1896 in San Remo, Italien), Chemiker, Industrieller, Erfinder des Dynamits und Stifter des Nobelpreises.

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Als N. 1833 zur Welt kam, ging sein Vater Immanuel Nobel gerade als Architekt und Baumeister Konkurs, dies war ihm zuvor schon einige Male mit verschiedenen Firmen passiert. 1838 siedelte er aus diesem Grund nach St. Petersburg um, er gründete dort eine Fabrik zur Herstellung von Tretminen. Alfred blieb mit seinen älteren Brüdern Ludwig und Robert und seiner Mutter Andriette N. in Stockholm zurück, wo sich die Restfamilie mit einem Geschäft für Milch und Gemüse mehr recht als schlecht durchschlug.

1843 holte der Vater seine Familie nach St. Petersburg nach, die neue Firma florierte, Alfred bekam eine vornehme Ausbildung durch Hauslehrer, er lernte unter anderem Russisch, Französisch, Englisch und Deutsch. Von 1850 bis 1852 schickte der Vater seinen Sohn auf eine Studienreise durch Europa und die Vereinigten Staaten. Er sollte sich neben seiner eigenen Weiterbildung in den Naturwissenschaften zum Wohle der väterlichen Firma näher mit Sprengstoff befassen, der Vater hoffte wohl auch, den 17 jährigen von seinem Wunsch, Dichter zu werden, abbringen zu können. Seine erste Begegnung mit dem Nitroglycerin hatte N. wahrscheinlich während seines einjährigen Aufenthaltes bei dem Chemiker Jules Pelouze in Paris. Nachdem die väterliche Firma, bedingt durch den Krimkrieg, zunächst stark prosperierte, folgte 1856 nach Kriegsende der nächste Bankrott. Die Eltern zogen zurück nach Schweden und nahmen den jüngeren Bruder Emil mit, die drei älteren Geschwister blieben in Russland. Ihr ehemaliger Lehrer Nikolai Sinin erinnerte die Brüder an die bisher ungenutzten Möglichkeiten des Nitrogylcerins, das bereits 1847 von dem Italiener Ascanio Sobrero entdeckt worden war.

N. folgte diesem Rat und konnte 1860 ein Patent für das Sprengöl anmelden, eine Mischung aus Schwarzpulver und Nitroglycerin. 1863 kehrte N. nach Schweden zurück, ein Jahr später kam das Patent für einen Nitroglycerin-Zünder, der aus einer Metallkapsel bestand, die mit Schwarzpulver gefüllt war, hinzu. Im selben Jahr explodierte seine kleine Nitroglycerinfabrik, 5 Menschen kamen dabei um, darunter war auch sein kleiner Bruder Emil. Dieser tragische Unfall konnte N. nicht von weiteren Versuchen mit Nitrogylcerin abhalten. Er produzierte weiter Sprengstoff: Zunächst auf einem Kahn im Mälarsee, weil der schwedische Staat die Produktion in der Nähe von Wohnhäusern verbot, später in einer neuen Fabrik in Vinterviken südlich von Stockholm.

Das Hauptproblem des neuen Sprengstoffs: Er ist schwer zu transportieren, neigt zur spontanen Explosion. Andererseits besteht das dringende Bedürfnis nach einem stärkeren Sprengmittel verglichen mit dem bisher verwandten Schwarzpulver. Der Bedarf an Verkehrswegen wie Kanälen, Tunnel und Eisenbahnen war durch die industrielle Revolution sprunghaft angestiegen, das Militär verlangte nach neuen effektiven Waffen. Durch Zufall entdeckte N., dass Nitroglycerin vermischt mit Kieselgur, einem Sediment der Panzer vorzeitlicher Kieselalgen, einen effektiven, sicher zu transportierenden Sprengstoff ergab. Er nannte ihn Dynamit von dynamis, dem griechischen Wort für Kraft. Das Patent hierfür erhielt N. 1867 zum ersten Mal in England. Die Sprenggelatine, eine Mischung aus Nitroglycerin und Kollodium, ist eine weitere Verbesserung des Dynamits, N. erhält das Patent hierfür 1875. Neun Jahre später beantragt N. das Patent für Ballistit, eine Mischung aus Nitrozellulose und Nitroglycerin, das das seit dem 15. Jahrhundert in Handfeuerwaffen verwendete Schwarzpulver mit seiner enormen Rauchentwicklung ablöst.

Insgesamt entwickelte der rastlose Tüftler 355 Patente, die ihren Teil zu seinem enormen Reichtum beitrugen. Eine zweite Quelle war die Gründung von 90 Dynamitfabriken in über 20 Ländern der Welt, die erste davon war die schwedische Nitroglycerin Aktie Bolaget und die Niederlassung Nobels in Krümel bei Hamburg mit seinen reichen Kieselgurvorkommen. Kurz darauf folgte die amerikanische United States Blasting Oil Company, 1871 wurde die Sprengstofffabrikation in Frankreich in Rekordzeit aus dem Boden gestampft – passend zum deutsch französischen Krieg. Die dritte Quelle seines Reichtums waren die Beteiligungen an den Ölgeschäften seiner in Russland verbliebenen Brüder Robert und Ludwig.

N. heiratete nie und hatte auch keine Kinder. Er hatte eine kurze Affäre mit der Friedenskämpferin Bertha von Suttner, die damals noch Bertha Kinski hieß. Kennen gelernt hatte er sie nach einer Annonce, in der er eine Haushälterin suchte. Er blieb mit der Friedensaktivistin zeitlebens verbunden und führte einen regen Briefwechsel. Eine etwas längere unglückliche Liebe verband ihn mit dem 23 Jahre jüngeren Blumenmädchen Sofie Hess.

Seinen Wohnsitz wechselte N. mehrfach jährlich. Von 1873 bis 1890 traf man Nobel häufig in Paris, nach Auseinandersetzungen mit den französischen Behörden verlegte er seinen Schwerpunkt ins italienische San Remo, seit 1894 hielt er sich im Sommer in Schweden, im Winter in Italien auf.

In San Remo starb N. völlig einsam im Jahre 1896 an einer Hirnblutung. Ein Jahr zuvor litt er an Angina pectoris, die Anwendung von Nitroglycerin zur Linderung seiner Beschwerden, wie sie auch heute noch üblich ist, lehnte er kategorisch ab.

Sein letztes Testament, dem schon zwei mit ähnlichem Inhalt vorausgegangen waren, verfasste er am 27.11.1895 ohne jeden Rechtsbeistand auf einer einzigen Seite Papier. Die Erben sollten nur 1,5 Millionen erhalten, der Großteil der 33, 5 Millionen Schwedenkronen sollte:

… vom Testamentvollstrecker in sicheren Wertpapieren realisiert, … einen Fond bilden, dessen jährliche Zinsen als Preise denen zuerteilt werden, die im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben.

Die Auswahl der fünf Gebiete des Nobelpreises war eine konsequente Folge seiner Biografie: Zeit seines Lebens war N. der Chemie und Physik als Forscher und Erfinder zugetan. Er kränkelte ebenfalls zeitlebens, den Zeitpunkt seines Todes hat er vorausgesehen, die Beschränktheit der Medizin seiner Zeit erkannt. Schriftsteller wäre er selber gerne gewesen, er verfasste einige Gedichte, auch kurze Novellen und Bühnenstücke, erkannte aber selbst die bescheidene Qualität seiner literarischen Arbeit. Ob der Friedensnobelpreis seinem schlechten Gewissen wegen der Erfindung des Dynamits oder der Verbindung mit Berta von Suttner gedankt werden kann, bleibt Gegenstand der Spekulation.

 

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