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Agathias

Artikel #1438, »Agathias«, geschrieben von: Michael Wagner (96 %) , A Bickel (Red.) (3 %) et al.

Agathias Scholasticus (* um 536 in Myrina, † 582 oder 594 in Konstantinopel), griech. Dichter und Geschichtsschreiber zur Zeit Justinians; von historischer Bedeutung, weil sein Geschichtswerk die primäre literarische Quelle für die Zeit von 552 bis 558 darstellt.

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Agathias war, wie den verstreuten Angaben späterer byzantinischer Geschichtsschreiber und Kirchenhistoriker sowie dem aus früheren Quellen geschöpften, kurzen Artikel in der Suda zu entnehmen ist, Sohn eines in Konstantinopel lebenden Lehrers der Rhetorik namens Memnonios; seine Mutter soll Perikleia geheißen haben. Er studierte in Alexandria Rechtswissenschaften und war dann in Konstantinopel als Rechtsanwalt (Scholastikos) tätig. Daneben schrieb und sammelte er Gedichte. Nach dem Tod Justinians verfasste er ein Geschichtswerk über dessen Regierungszeit. Erwähnt werden noch weitere Prosawerke, z. B. ein Kommentar zur Reisebeschreibung des Pausanias, über den jedoch nichts Näheres bekannt ist.

Das (wohl früheste) Werk des Agathias, eine in epischem Versmaß gehaltene Darstellung erotischer Mythen in neun Büchern, ist nicht erhalten. Sein Titel Leben des Daphnis (Daphniaka) ist aus einem in der Anthologia Graeca überlieferten Epigramm (Anth. gr. VI, 80) bekannt, das wohl den Vorspruch des Werkes bildete.

In großen Teilen erhalten ist die von Agathias unter dem Titel Kreis neuer Epigramme (Kyklos ton neon epigrammaton) zusammengestellte Sammlung eigener und anderer zeitgenössicher Epigramme, die später Aufnahme in die heute als Anthologia Graeca bekannte Sammlung griechischer Epigramme gefunden hat. Von Agathias sind darin mehr als 100 Gedichte enthalten, darunter das Einleitungsgedicht seines Kyklos (Anth. gr. IV, 4).

Von bleibender Bedeutung ist sein vollständig erhaltenes (unvollendet gebliebenes) Geschichtswerk Über die Herrschaft und die Taten des Kaisers Justinian. In fünf Büchern wird die Geschichte des oströmischen (frühbyzantinischen) Reiches von 552 bis 558, insbesondere die Feldzüge des Narses in Italien und der Krieg gegen die Perser, geschildert. Das Werk schließt zeitlich an das Geschichtswerk Prokops an, der die Zeit bis 554 behandelt. Letzterem, der selbst Politiker und Offizier war, wird von späteren Historikern (z. B. Gibbon) ein schärferer Blick für politische und strategische Zusammenhange bescheinigt. Agathias richtet, so wird berichtet, sein Augenmerk mehr auf anekdotische Begebenheiten, fremde Sitten und Gebräuche, landeskundliche Einzelheiten sowie aufsehenerregende Katastrophen (Erdbeben, Seuchen, Hungersnöte), die er mit dichterischer Farbigkeit ausmalt. Seiner Liebe zum Detail sind zahlreiche Informationen zu verdanken, von denen wir sonst keine Kenntnis hätten.

Ausgaben

  • Vulcanius, Bonav. (Hg.), Agathiae historici et poetae eximii De imperio et rebus gestis Justiniani imperatoris libri V, Leiden 1594 (editio princeps)
  • Dindorf, L.: Historici Graeci minores, Leipzig 1871, II, 132-453
  • Keydell, R. (Hg.): Agathiae Myrinaei historiarum libri quinque, Berlin 1967, ISBN 3-11-001348-7

Übersetzungen

  • Agathias - The Histories, 2., Aufl. 1975, ISBN 3-11-003357-7
  • Prokop. Der Gotenkrieg. Nebst Auszügen aus Agathias, sowie Fragmenten des Anonymus Valesianus und des Johannes von Antiochia, Essen 1981, ISBN 3-88851-030-9

Literatur

  • Brodka, Dariusz: Die Geschichtsphilosophie in der spätantiken Historiographie. Studien zu Prokopios von Kaisareia, Agathias von Myrina und Theophylaktos Simokattes, Frankfurt 2004, ISBN 3-631-52528-1
  • Cameron, A.: Agathias, Oxford 1970, 0-19-814352-4
  • Mattsson, Axel: Untersuchungen zur Epigrammsammlung des Agathias, Diss. Lund 1942
  • Franke, G.: Quaestiones Agathianae, Diss. Breslau 1914
  • Teuffel, W. S.: Agathias von Myrine, in: Philologus 1 (1846), 495 ff.

Weitere Informationen im Web

 

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