Aachener Dom, auch Aachener Münster, kath. Dom und wichtigstes Kirchengebäude Aachens. Der Maria geweihte Dom ist bestimmt durch ein karolingisches Oktogon in der Mitte, eine gotische Chorhalle im O., einen Westturm, und einigen während des 15. Jahrhunderts entstandenen Kapellen, die diese zentralen Komponenten umgeben. Der Aachener Dom wurde 1978 als erstes dt. Kulturdenkmal in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.
Baugeschichte
Der älteste Teil und Kern des Doms ist die Pfalzkapelle, ein achteckiger Bau von 31 m Höhe und etwa 32 m Durchmesser, die zw. etwa 786 und 800 unter Karl dem Großen nach byzantin. Mustern sowie mit Rückgriffen auf die Kirche San Vitale in Ravenna (6. Jh.) errichtet wurde. Baumeister war Odo von Metz, zahlreiche röm. und byzantin. Handwerker wirkten an dem Bau mit.
Der eigentl. Innenraum der Pfalzkapelle ist ein von starken Pfeilern gebildetes Oktogon, über dem ein Klostergewölbe liegt. Um dieses innere Oktogon herum läuft ebenerdig ein 16seitiger, mit niedrigen Kreuzgratgewölben versehener Umgang, über dem sich, die Empore bildend, als zweites Stockwerk eine hohe Galerie befindet. Diese wiederum wird von schräg liegenden Tonnengewölben überdeckt und ist zum Innenraum mit karoling. bronzenen Gittern geschlossen. Die Säulen, die Zwischenräume der Galerieöffnungen schmücken, sind antik, sie wurden von Karl dem Großen aus Rom und Ravenna nach Aachen verbracht. Über dem Galeriebogen wiederum erhebt sich ein achteckiger Tambour mit Fensteröffnungen, auf welchem die Kuppel ruht. Die Pfalzkapelle, zu ihrer Zeit der größte Kuppelbau nördl. der Alpen, gilt als Schlüsselbau der "Karolingischen Renaissance". Antike Bauelemente wurden ebenso wie die Bautechnik (massive Steinbauweise, Gewölbetechnik) importiert, der großformatige Bronzeguss wurde wiederbelebt (Bronzegitter der Empore, Bronzetore der Haupt- und Nebeneingänge), aber auch byzantin. Elemente wurden eingefügt. Somit versinnbildlichte die Pfalzkapelle Karls Auffassung seiner Herrschaft in Kontinuität des antiken Roms, als Synthese des weströmischen wie des oströmischen Reiches, unter einem christlichen Herrscher. Der Bau ist eine für seine Zeit überragende Leistung, die die Bildung einer neuen, nachantiken europäischen Hochkultur nachhaltig beeinflusste.
Die Pfalzkapelle besaß ursprüngl. im Westen ein mit Türmen flankiertes Atrium mit Brunnen ("Paradies"), zwei Annexbasiliken im S. und N. sowie einen Rechteckchor im O.; diese Baukomplexe sind heute nicht mehr vorhanden. Genutzt wurde die Pfalzkapelle dergestalt, dass im Erdgeschoss die Geistlichkeit saß, der Kaiser mit Hofstaat in der Empore; der Kaiserthron mit sechs Stufen (Tempel Salomons!) befindet sich im Westen der Empore mit Blick auf den Hauptaltar im O.
Der Chor wurde ab 1355 durch einen 37 m langen, 21 m breiten und 33 m hohen gotischen Chor ersetzt (Weihe am 28. Jan. 1414, dem 600. Todestag Karls des Großen), um stark gestiegenen Pilgerzahlen gerecht zu werden. Der nach dem Vorbild der Pariser Sainte-Chapelle (1243/48) errichtete Chor weist über 1000 m² Glasfläche auf, die sich auf zwei Joche mit je 27 m hohen Fenstern sowie die Apsis mit 9 Fenstern verteilen. (Die eigentl. Fenster, im zweiten Weltkrieg vollkommen zerstört, wurden 1950/51 neu geschaffen).
Während des 15. Jh. wurden weitere Kapellen an den Zentralbau aus Pfalzkapelle und Chor angelagert, Ende des 19. Jh. wurde das Ensemble mit dem Westturm erweitert.
