Aachen (lat. aqua, germ. Aha, Wasser), kreisfreie Stadt im dt. Bundesland Nordrhein-Westfalen, 257.000 EW, Kurstadt und Oberzentrum, Sitz einer bedeutenden Technischen Hochschule mit Betrieben der Hochtechnologie im Umfeld; im Mittelalter lange Zeit eines der Zentren des römisch-deutschen Reiches, Krönungsstätte dt. Könige und Wallfahrtsort. Das Wappen zeigt einen nach rechts blickenden, rot bewehrten schwarzen Adler auf goldenem Grund.
Geografie
A., die westl. dt. Großstadt, liegt an den Grenzen zu Belgien und den Niederlanden etwa 30 km nördlich des Hohen Venns in einer nur nach Nordosten geöffneten Mulde am Fuß der Eifel, die südlich der Stadt beginnt. Der höchste Punkt im äußersten Südosten der Stadt beträgt 410 m ü. NN, der tiefste Punkt liegt auf 125 m ü. NN im Norden der Stadt an der Bundesgrenze. Die Länge der Stadtgrenze beträgt 87.7 km, davon 23.8 km Grenze zu Belgien und 21.8 km Grenze zu den Niederlanden. Die größte Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 21.6 km, die größte West-Ost-Ausdehnung 17.2 km. An A. grenzen an: Herzogenrath, Würselen, Eschweiler, Stolberg, Roetgen (B), Raeren (B), Kelmis (B), Vaals (NL), Wittem (NL), Simpelveld (NL), Heerlen (NL) und Kerkrade (NL).
Stadtgliederung
Das Stadtgebiet gliedert sich in 7 Stadtbezirke: Aachen-Mitte, Aachen-Brand, Eilendorf, Haaren, Kornelimünster/Walheim, Laurensberg, Richterich
Geschichte
Ein jungsteinzeitl. Feuersteinbergwerk auf dem Lousberg (ca. 3000-2500 v. Chr.) ist die früheste Spur der Besiedelung des A. Raumes. Ab etwa 400 v. Chr. keltische Ansiedlung, zw. 58 v. Chr und 41 v. Chr. Übernahme des Gebiets durch die Römer, um etwa 100 n. Chr. Ausbau der Siedlung mit Tempeln und Thermen zum Militärbad. Bis ins 7. Jhdt. keine weiteren Belege für Besiedelung, dann einige fränkische Gräber.
Pippin der Jüngere baut in Aachen einen Hof, erste schriftliche Erwähnung Aachens 765 als Aquis villa. Spätere Erwähnungen im Mittelalter als aquisgrani (auch aquisgranum, granis aquae etc.) was heute i. A. auf einen kelt. Heilgott "Granus" zurückgeführt wird. Pippins Sohn Karl der Große baut A. ab 794 zur Residenz aus, errichtet Kaiserpfalz und Pfalzkapelle (heute Aachener Dom). Aufschwung der Stadt. Tod Karls in A. 28. Jan. 814, Beisetzung des Leichnams am gleichen Tag im Vorhof der Pfalzkapelle. Nach der Spaltung des Reiches verliert A. zunächst seine Bedeutung, Plünderung durch Normannen 881. Otto I. lässt sich 936 in Aachen zum König krönen, Einsetzen eines Karls-Kultes in D., in dessen Folge bis 1531 31 deutsche Könige im Münster zu A. gekrönt werden, letzter ist Ferdinand I.. (Die Goldene Bulle legte 1356 A. als Krönungsort rechtlich fest.)
1166 wird A. anläßl. der Heiligsprechung Karls unter Barbarossa zur wichtigsten Stadt (caput regni theutonici) erklärt und erhält Stadtrechte (Karlsprivileg und Barbarossaprivileg), insb. Markt- und Münzrechte sowie zum Bau einer Stadtmauer, die 1171-1175 errichtet wird; weiteres Wachstum (Tuchmacherei, Tuchhandel, Kupfer- und Messingschmieden) um die Mauer herum; Stadtrat und Bürgermeister etablieren sich 1250, etwa um diese Zeit Baubeginn einer zweiten, größeren Mauer (mit dem Marschier- und Ponttor), die gg. 1330 fertiggestellt ist. Freie Reichsstadt 1336. Bedeutende Reliquien im Dom (Kleid Mariens, Windeln Jesu, Lendentuch Christi, Enthauptungstuch von Johannes dem Täufer) verursachen etwa seit der Heiligsprechung Karls regen Pilgerbetrieb, der ein wirtsch. bedeutender Faktor ist. Dieser wird ab 1349 in einen siebenjährigen Turnus kanalisiert: Die Aachener Heiligtumsfahrt (auch Heiltumsfahrt) bleibt bis ins 15. Jhdt. größte Wallfahrt im dt. Sprachraum.
Die Reformation erreicht A. um 1530, die erste evangelische Gemeinde wird 1544 gebildet. Bei stets wechselnde Konstellationen im Rat gelangen mal zahlreiche Flüchtlinge aus den Niederlanden in die Stadt, mal werden die Protestanten aus A. vertrieben. Zeitweilig gibt es eine lutherische und drei reformierte Gemeinden. 1598 wird die Reichsacht über die Stadt verhängt, infolgedessen Rücktritt des protestantischen Rates, Schließung der Schulen und Predigthäuser. 1611/1612 kommt es zu einem protestantischen Aufstand, doch wird A. 1614 vom Kölner Erzbischof endgültig rekatholisiert.
1656 vernichtet ein Großfeuer fast die ganze Stadt. Im Wiederaufbau wird deutlich der Badebetrieb fokussiert. A. wird zum Modebad, es entstehen viele Barock- und Rokoko-Bauten, bestehende Bausubstanz wird barockisiert. Tätig sind v.a. die Baumeister Johann Josef Couven sein Sohn Jakob Couven. Der Friedenskongress von 1748 am Ende des österreichischen Erbfolgekrieges findet in A. statt (->Aachener Friede).
1794 besetzt die franz. Armee die Stadt, die zu Frankreich gelangt und Verwaltungssitz des den Niederrhein umfassenden Roer-Departements wird. Um 1800 hatte A. ca. 18000 EW. Gründung des Bistums Aachen 1802, das bis 1825 besteht. 1815 wird A. nach dem Wiener Kongress in das Königreich Preußen eingegliedert und 1816 in der Provinz Jülich-Kleve-Berg Sitz einer preußischen Bezirksregierung. Ab 1824 gehört A. zur Rheinprovinz.
1870 Gründung der "Königlich Rheinisch-Westphälische Polytechnische Schule zu Aachen", aus der später die Technische Hochschule hervorgeht.
1944 wird das fast vollständig zerstörte A. als erste deutsche Stadt vom Nationalsozialismus befreit, nachdem die Alliierten im Gebiet des Aachenener Stadtwaldes erstmalig den Westwall durchbrachen. Franz Oppenhoff wird als Bürgermeister eingesetzt, er wird fünf Monate später von einem Werwolf-Kommando ermordet. A. ist die erste deutsche Stadt, in der nach dem Krieg wieder eine Tageszeitung erscheint.
Bei der Gebietsreform 1972 wird das Stadtgebiet Aachens mehr als verdoppelt, der Kreis Aachen erhält seine heutige Ausdehnung.
Stadtbild
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